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Istanbul/Frankfurt: Erbitterte Stallduelle: „Schumi” ist das nie passiert

Istanbul/Frankfurt : Erbitterte Stallduelle: „Schumi” ist das nie passiert

Der größte Rivale im eigenen Lager - Michael Schumacher konnte das nicht passieren. Von einem hitzigen Duell wie derzeit zwischen dem Sensations-Senkrechtstarter Lewis Hamilton und Titelverteidiger Fernando Alonso blieb der siebenmalige Formel-1-Weltmeister verschont.

Dem cleveren Kerpener konnten die Kollegen im eigenen Team das Wasser nicht reichen. Auf einem Level und mit allen Mitteln kämpften dagegen einst Ayrton Senna und Alain Prost gegeneinander und prägten so die „Mutter aller Stallschlachten”. Und auch sie fuhren damals ebenso wie Alonso und Hamilton heute für McLaren.

„Wer um Platz fünf und zehn fährt, hat es leichter, gut Freund zu sein”, meint Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zu der Problematik, wenn zum Kampf um die WM-Krone auch noch das Duell um die interne Vorherrschaft hinzukommt. Getreu dem Motto: „Dein Hauptgegner ist immer dein Teamkollege.”

Vor dem Großen Preis der Türkei an diesem Sonntag in Istanbul (14 Uhr/RTL und Premiere) verordnete die Teamleitung einen Burgfrieden unter seinen Fahrern. Ob es klappt, muss sich zeigen. Zum wahren Test komme es, wenn einer von beiden klar vorn liege, meinte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone in der englischen „Times”. Dass es so wird wie zwischen Senna und Prost, glaubt der Brite aber nicht.

Rückblick: 22. Oktober 1989. Suzuka, Japan, vorletzter Lauf der Saison. Senna und Prost schossen sich gegenseitig von der Strecke ab. Senna lässt sich anschieben, Prost steigt aus seinem McLaren-Honda. Der siegreiche Brasilianer Senna wird hernach vom Internationalen Automobilverband FIA disqualifiziert und fühlt sich behandelt „wie ein Krimineller”. Der Franzose Prost krönt sich mit dem Titel, zum dritten Mal.

Doch so erbittert die Rivalität auch war, noch bevor Senna 1994 in Imola tödlich verunglückte, hatten die beiden tatsächlich ihren Frieden geschlossen. „Unser Zwist nutzte uns beiden”, meint Prost rückblickend. Irgendwie sei die Auseinandersetzung faszinierend gewesen.

Erbittert, aber weitgehend fair hatte sich fünf Jahre zuvor Niki Lauda im McLaren mit Prost um den Titel gestritten. Der Österreicher schlug den Franzosen am Ende um die Winzigkeit von 1,5 Punkten und wurde ebenfalls zum dritten Mal Weltmeister. „Ron hat mal zu mir gesagt, dass ich der Ärgste war in seinem Leben. Ich freu mich, dass es welche gibt, die offenbar noch ärger sind”, so Laudas Kommentar. Er glaubt: „Teamkollegen können keine Freunde sein.”

Wie zum Beleg dafür, schenkten sich auch Nelson Piquet und Nigel Mansell in ihrer gemeinsamen Zeit bei Williams 1986 und 1987 nichts. Piquet gab später zu, dass ihm jedes Mittel recht gewesen war, seinen Gegner auszustechen. 1986 schnappte sich der Brasilianer bei einem Boxenstopp am Hockenheimring den Reifensatz von Mansell. Piquet gewann, der Brite wurde Dritter. Am Ende der Saison landete aber Mansell vor seinem Rivalen und wurde Zweiter hinter Weltmeister Prost.

2007 heißen die Kampfhähne Hamilton und Alonso, die vor dem 12. WM-Lauf mit 80 und 73 Punkten vor dem Ferrari-Duo Kimi Räikkönen (60) und Felipe Massa (59) die WM-Wertung anführen. Im Werbespot ihres Mitarbeitgebers Mercedes streiten beide aus Spaß darum, die Nummer eins zu sein. Auf der Strecke hat sie der Ernst längst eingeholt. „Für Alonso ist es sogar noch schwieriger als gegen Michael Schumacher”, schrieb die spanische Sportzeitung „Marca”.

Gegen den Deutschen, der in Piquet, Martin Brundle, Riccardo Patrese, Jos Verstappen, JJ Lehto, Johnny Herbert, Eddy Irvine, Rubens Barrichello oder im jungen Felipe nie einen echten Konkurrenten um den Status als Nummer eins im Team hatte, hatte sich Alonso 2005 und 2006 noch durchgesetzt. Schumacher fuhr für Ferrari, Alonso für Renault.