Ein „verhextes“ Spiel zwischen Alemannia Aachen und Viktoria Köln

Alemannia gegen Viktoria Köln: Ein „verhextes“ Spiel mit zu wenig Toren der Aachener

Als das rasante Spiel zu Ende war, blieben Alemannias Spieler auf der Stelle stehen. Es wirkte so, als habe jemand den Stecker gezogen, so dass nun alle Energie futsch war.

Mit diesem letzten Pfiff des Spiels kehrte für ein paar lange Sekunden Ruhe am Tivoli ein – selbst auf der Tribüne, die Alemannia bis dahin so angefeuert hatte. Eine kollektive „Dat-gibbet-doch-nicht“-Stimmung machte sich vorübergehend auf dem Spielfeld und den Rängen breit. Diese Partie gegen Viktoria Köln war ein gefühltes 4:1, die Anzeigetafel aber kündete von einem finalen 1:1.

Alemannia war an diesem Abend deutlich besser als die aktuell beste Mannschaft der Liga, das Team hatte dominiert, war aggressiv, hatte sich immer wieder durchgespielt und Chancen im Übermaß kreiert. „Aber es war verhext“, empfand nicht nur Trainer Fuat Kilic. Entweder stand ein Kölner Bein im Weg, oder der Ball flog knapp am Ziel vorbei, und vor allem war Kölns Torwart Sebastian Patzler ein überragender Rückhalt, der dem bemerkenswert unterlegenen Tabellenführer den Punkt rettete. Zu dem kuriosen Spiel passte auch die Nachricht, dass Viktoria den Vorsprung an diesem Spieltag gegen die kollektiv patzende Konkurrenz noch weiter ausbauen konnte, während Aachen in der Tabelle von Rang 6 auf 9 zurückgestuft wurde.

Dieses hinreißende Spiel hatte aus Alemannia-Sicht zwei eklatante Schönheitsfehler. Der eine ist die Verletzung von Sebastian Schmitt, der spät am Abend auf Krücken mit befürchteter Diagnose zum Tatort zurückkehrte. Der 22-Jährige hatte sich einen Mittelfußbruch zugezogen. Am Montag wird nach weiteren Untersuchungen im Luisenhospital entschieden, ob eine Operation notwendig ist. Feststeht, dass Schmitt in diesem Jahr nicht mehr am Ball sein wird. „Das ist brutal für den Jungen“, tröstete ihn Kilic noch am späten Freitagabend. „Er hatte sich herangekämpft an die Mannschaft und den Platz in der Startformation verdient.“ Jetzt beginnt eine neue Leidenszeit für den Linksfuß, der früh in der Saison bereits wochenlang mit Problemen an der Patellasehne ausgefallen war.

Alemannia Aachen verzweifelt an Viktorias Patzler

Direkt nach Spielschluss holte Kilic seine Mannschaft zusammen. „Es war mir ein Bedürfnis, ein paar Worte an die Jungs zu richten. Sie arbeiten brutal im Training und im Spiel und werden in dieser Phase nicht belohnt.“ Das ist der andere Makel des Flutlichtspiels, Aufwand und Ertrag stehen gerade nicht in einer guten Relation. Kilic spornte die Mannschaft an, durchzuziehen. „Die Belohnung wird kommen.“

Verein soll nicht „in Raten sterben“

Das war die Nachricht in die Kabine. Für die Außenwelt gab es eine andere Botschaft. Es war ein Hinweis: „Schaut her, es lohnt sich wieder zum Tivoli zu kommen.“ Alemannias Trainer stellte einen Zusammenhang zu seiner Ankündigung in der Woche her, spätestens Mitte 2020 die ungeliebte Regionalliga verlassen zu wollen (wir berichteten exklusiv). So mancher hatte die Nachricht als durchaus ruhestörend empfunden. Der Trainer aber sagte, er wolle noch mal wachrütteln. Ganz gezielt stellt er Öffentlichkeit her, will nicht, „dass der Verein in Raten stirbt“.

Der Langzeittrainer wirbt dafür, dass seine junge Mannschaft auch über den Sommer hinaus weitgehend zusammenbleiben kann. „Hier wächst etwas zusammen.“ Der Kaderschmied will nicht wie in den letzten Jahren den nächsten Neuanfang moderieren müssen. „Dieses Team hat Perspektive. Wenn wir es zusammenhalten können, sind wir sehr konkurrenzfähig in der nächsten Saison. Wir könnten um die ersten vier Plätze mitspielen.“ Seine Mannschaft hatte zumindest an diesem Abend eindrucksvoll belegt, wieviel Qualität sie besitzt – obwohl die fällige Belohnung ausgeblieben war.

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