Walheim: Ein Ringer „mit ganzem Herzen“

Walheim: Ein Ringer „mit ganzem Herzen“

„Die persische Sprache ist sehr lyrisch“, erzählt Rousbeh Khosbhin-Nazdik. Der 24-Jährige muss es wissen, ist der deutschen Sprache zwar mächtiger als der persischen, stammt aber aus dem Iran und hat insofern auch seine Muttersprache gelernt. „Sinngemäß übersetzt, heißt mein Nachname Khosbhin auf Deutsch Optimist“, sagt er. Und dass er ein Optimist ist, der von positivem Denken geprägt ist, merkt man sehr bald.

Rousbeh Khosbhin-Nazdik ist Ringer. Seit 2009 schon geht er für Eintracht Walheim auf die Matte, gehörte zu jenen Kämpfern, die ihren Beitrag dazu leisteten, dass der Klub nach vielen Jahren Abstinenz wieder in die Erstklassigkeit zurückkehrte.

Doch direkt der erste Kampf dieser Saison gestaltete sich für ihn höchst schmerzlich. Stiefbruder Saba Bolaghi ringt für die RWG Mömbris/Königshofen. Wie der Walheimer Freistiler in der Klasse bis 74 Kilogramm. Beide trafen aufeinander. Nach 2:16 Minuten war Ende: Khosbhin-Nazdik musste verletzt passen. Ausgerechnet im Kampf mit dem Stiefbruder zog er sich einen Anriss des Rippenfells zu. Nicht so schlimm, aber schmerzhaft. „Das passiert in unserem Sport“, machte er Bolaghi keinerlei Vorwürfe. Schlimmer erwischte es ihn nur zwei Wochen später: „Da hab ich mir im Training in Mülheim vor dem dritten Kampftag einen Innenbandriss im Knie zugezogen“.

Eine ärgerliche Geschichte. Zumal dann, wenn man wie der Eintracht-Ringer im „richtigen Leben“ Sport und Geschichte auf Lehramt an der Kölner Sporthochschule, Studiengang Gymnasium/Gesamtschule studiert. „Während der Reha habe ich eben nur Theorie gemacht, methodische und didaktische Dinge halt. Die praktischen Prüfungen musste ich natürlich verschieben auf das nächste Semester“, hat der gebürtige Teheraner, der in Hürth lebt, ohnehin noch drei Jahre Studium vor sich, mit dem Ziel Bachelor/Masterabschluss.

Gegen Köllerbach feierte er am letzten Samstag sein Comeback im Eintracht-Trikot, ging über die volle Distanz von sechs Minuten und luchste dem Deutschen Meister Andrij Shyyka beim 1:3 nach langer Verletzungspause immerhin einen Punkt ab. Die Zuschauer merkten, was der Student meint, wenn er sagt: „Ich bin mit dem Herzen dabei. In Walheim habe ich meine sportliche Heimat gefunden.“

Und in Hürth, wo er seit frühester Kindheit zu Hause ist, teilt er mit seiner Schwester Parisa die Wohnung. Die Mutter lebt auch ganz in der Nähe. „Meine Schwester sitzt im Rollstuhl, wird 24 Stunden betreut, weil sie unter einer Art Muskelschwund leidet“, erzählt der junge Mann mit deutschem und iranischem Pass, der sich „besser in Deutsch als in Persisch unterhalten kann. Ich bin zwar zweisprachig groß geworden, habe aber natürlich in Kindergarten, Schule und mit Freunden immer die deutsche Sprache gesprochen.“ Dies jedoch, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren: „Die Verwandten wohnen im Iran, in den Semesterferien besuche ich sie, trainiere auch dort.“ Das macht insofern Sinn, als dass der Iran ohnehin eine Hochburg des Ringersports ist.

2003 entdeckte der Moslem („Ich bin gläubig, aber nicht wirklich praktizierend“) für sich das Ringen: „Beim Oberligisten RC Hürth habe ich angefangen. Dort hat mir Trainer Guido Dickmeiß viel beigebracht.“ Es folgten Engagements beim damaligen Bundesligisten KSV Efferen (bei Hürth) und in Neuss, ehe ab 2009 dann Walheim rief.

„Den Klassenerhalt, ja, den packen wir“, ist Khosbhin-Nazdik optimistisch. Samstag als Gast des Teams Mansfelder Land, dem Mitaufsteiger, soll der dritte Saisonsieg her. Der 24-Jährige hofft, „dass ich die Saison ohne weiteres Verletzungspech durchringen, zum Klassenerhalt beitragen und damit auch ein Dankeschön sagen kann.“

Bei diesem „Danke“ schmunzelt der Athlet. „Persisch ist eine lyrische Sprache“, wiederholt er. „Danke heißt sinngemäß übersetzt ,Möge ihre Hand nicht schmerzen‘.“ Wie für Ringer gemacht, dieser Spruch.

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