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Alsdorf: Ein Ausbilder, der auf Persisch den deutschen Takt vorgibt

Alsdorf : Ein Ausbilder, der auf Persisch den deutschen Takt vorgibt

Die Verbindung des Finales der U 16-Fußball-Asienmeisterschaft und der Region Aachen ist nicht eng, aber es gibt sie. Abbas Chananian, der Trainer des Iran, der vergangenen Samstag mit 3:4 nach Elfmeterschießen gegen den Irak verlor, wurde einst von einem Mann aus Alsdorf ausgebildet: Mahmood Reza Roushanzamir. Darüber freut sich der 60 Jahre alte gebürtige Iraner sichtlich, „er war mein Schüler“, sagt er stolz.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich Roushanzamir als Ausbilder auf dem Fußballplatz vorzustellen. Wenn er von seinem Projekt erzählt, spricht er deutlich und bestimmt — und nicht selten hebt er dabei den rechten Zeigefinger. Roushanzamir ist ein Mann der klaren Worte und ehrgeizigen Ziele.

Sein aktuelles Vorhaben sieht so aus: Er möchte in allen 31 Provinzen des Iran dieselbe Trainingsmethodik bei den 12- bis 18-jährigen etablieren. Und zwar nach deutschem Vorbild. Wenn Roushanzamir auf den iranischen Fußballplätzen steht, tut er das im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Roushanzamir kam kürzlich von einer dreiwöchigen Dienstreise aus seinem Heimatland zurück, er hat in drei Provinzen Lehrgänge abgehalten. „Ich habe jetzt insgesamt 20 Provinzen besucht und dort Lizenztrainer unterrichtet“, sagt Roushanzamir, der für dieses Projekt, das auch vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) getragen wird, seit 2009 unterwegs ist.

Der iranische Fußball hat laut Roushanzamir zwei Probleme, die die Entwicklung lahmen lassen — die Zeiten von Daei, Mahdavikia oder Hashemian sind länger vorbei. Das eine ist die Ausstattung; je kleiner die Klubs, desto geringer die finanziellen Mittel. Das andere ist die Mentalität — anders als beim Geld kann Roushanzamir hier aber ansetzen. Technisch seien die Spieler nicht schlechter als Europäer, aber die Disziplin fehle. „Das fängt bei den Trainern an, und Iraner sind sensibel.

Das ist eine gefährliche Mischung, bei Kritik muss man vorsichtig sein. Bis zu einem gewissen Grad lasse ich Dinge gelten, weil ich die Mentalität kenne“, sagt der Trainer, der seinen Landsleuten immer wieder vorhält, dass die Asien-Konkurrenz aus Japan oder Südkorea ihnen „fünf, sechs Jahre“ voraus sei, weil dort eine andere Einstellung herrsche.

Roushanzamirs Credo: Seine Kultur ist persisch, seine Arbeit deutsch. Das komme gut an, seine Landsleute seien dankbar und stolz darauf, dass ein erfahrener Trainer mit iranischen Wurzeln mit all dem Wissen aus Deutschland kommt. Das war vor 2014 noch anders. „Es ist leichter, aus dem Land des Weltmeisters zu kommen und Dinge zu erklären“, erzählt er, „jetzt wird weniger diskutiert und schneller akzeptiert. Vor sechs Jahren war Spanien Weltmeister — da war es eine andere Situation.“

An der Aus- und Fortbildung der iranischen Trainer, die für ihre Arbeit kein Gehalt bekommen, nehmen auch Frauen teil — dafür setzt sich Roushanzamir ein. Unter den jeweils 30 Teilnehmern in jeder Provinz sollen fünf Trainerinnen sein. In der Islamischen Republik ist so etwas nicht immer üblich, Roushanzamir wusste vorher auch nicht, wie das in den traditionellen Regionen ankommen würde. Am Praxisteil dürfen die Frauen außer in der weniger traditionell ausgerichteten Hauptstadt Teheran jedoch nicht teilnehmen. „In der Theorie sind sie aber sehr gut und stellen viel mehr Fragen als die Männer.“

Elf iranische Provinzen fehlen Roushanzamir noch. Es ist wahrscheinlich, dass er sich noch ein paar Mal über fehlende Disziplin ärgern muss. Bevor er aber laut wird, warnt der Alsdorfer seine Schüler immer: „Ich möchte nicht wieder zu deutsch sein und meine deutsche Seite zeigen.“