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Aachen: Dressur-Teamchef: „Strafe für Werth kann nicht gerecht sein”

Aachen : Dressur-Teamchef: „Strafe für Werth kann nicht gerecht sein”

Als engagierter Botschafter der deutsch-niederländischen Beziehungen im Dressur-Spitzensport ist Sjef Janssen in den letzten Jahrzehnten nicht aufgefallen. Gerade das macht die Sache interessanter: „Isabell Werth und wir leben seit vielen Jahren mit- und gegeneinander”, sagt der „Oranje”-Teamchef, Trainer und Ehemann von Anky van Grunsven.

Dazu gehöre „Respekt voreinander”, doch der gehe in diesen Tagen der deutschen Öffentlichkeit und dem nationalen Reitverband (FN) völlig ab. „Da ist ein großer Fehler passiert bei Isabell und ihrem Pferd Whisper”, sagt Janssen über den Fluphenazin-Fund, „doch jetzt die deutsche Dressur-Lady und eine der größten Sportlerinnen so zu erledigen, so respektlos zu behandeln, das kann keiner außerhalb der deutschen Grenzen verstehen.”

Sjef Janssen, der 1983 als Aktiver mit der Equipe EM-Bronze in Aachen geholt hatte, ist „total perplex” über die deutsche Mentalität. „Natürlich waren auch Anky und ich sehr erschrocken, als wir die Nachricht vom angeblichen Dopingfall Werth gehört haben. Doch was dort passiert ist, kann jedem von uns passieren. Wir sind keine Banditen, sondern Sportsleute, die ihren Sport lieben.” Über die Reaktionen hierzulande kann sich Janssen nur wundern: „Erst wird gejubelt, dann geht man Richtung Kirchhof.”

Als der 59-Jährige nach dem Sieg im Nationenpreis seine Zweifel am angemessenen Umgang in Deutschland mit Isabell Werth geäußert hatte, bekam er - was bemerkenswert ist für Pressekonferenzen - einen ordentlichen Applaus. „Aber nicht von den deutschen Journalisten.” Nicht nachvollziehbar ist für Janssen auch das Verhalten der FN. „Das hat mich umgehauen, als ich las, man wolle notfalls vor den Internationalen Sportgerichtshof ziehen, wenn die Strafe des Weltverbandes gegen Isabell nicht hoch genug ausfalle. Das ist einzig und allein eine Sache zwischen FEI und Werth. Aber die FN hat so etwas ja auch schon mit Christian Ahlmann gemacht. Und jetzt geht Isabell ermordet in die Presse. Das ist kein Zeichen von Erwachsensein. Sie schießen schon vorher”, vor der für kommenden Donnerstag erwarteten Anhörung in Lausanne, „statt erst mal Klarheit zu kriegen. Das würde es bei uns niemals geben.”

Sjef Janssen liebt deutliche Worte und hat auch noch welche für den Weltverband übrig. „Vor 20 Jahren haben sie die Nulllösung eingeführt. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Ein Pferd muss behandelt werden können, die FEI muss da jetzt schnell was ändern.” Die nationalen Mannschafts-Tierärzte haben einen Brief verfasst und Klarheit eingefordert. Janssen: „Wenn man unseren Sport allerdings kaputtmachen will, muss man alles lassen, wie es ist.”

Es wird gesprochen unter den Teilnehmern, „die Stimmung hier ist in diesem Jahr nicht gewaltig. Und weil Isabell fehlt, drückt es auch die sportliche Qualität. Wird der Fall sportjuristisch fair enden? „In meinen Augen”, sagt Sjef Janssen, „kann die Strafe für Isabell nicht gerecht sein.”