Aachen: Dresdener Voltigierer Erik Oese siegt beim CHIO Aachen

Aachen: Dresdener Voltigierer Erik Oese siegt beim CHIO Aachen

Das fantasievolle Trikot in Gelb und Lila ist schon alleine ein Hingucker, doch auch in langweiligem Uni-Grau hätten bei Erik Oese alle genau hingeschaut. In der Pflicht und in der Technik hatte er zum Auftakt des CHIO Aachen als Sieger den Grundstein gelegt.

Zwar musste der Dresdener in der Kür knapp Weltmeister Nicolas Andreani den Vortritt lassen, doch mit der Note 7,873 reichte es in der Gesamtwertung zum Sieg im Männer-Wettbewerb der Voltigierer vor seinem Teamkollegen Thomas Brüsewitz (Garbsen/7,798) und Andreani (Frankreich/7,708).

„Meine Musik ist ein unbekanntes Stück von Prince, und der ist doch häufig ebenfalls in edlem und sehr farbigem Zwirn unterwegs“, erläutert Erik Oese lachend und glücklich, denn kurz zuvor hat er mit Corinna Knauff (Köln) und der Gruppe Neuss-Grimlinghausen, die seit 2007 im Teamwettbewerb ungeschlagen ist und es auch blieb, als Team Deutschland I (25,825) den Nationenpreis vor Deutschland II (Brüsewitz, Kristina Boe, Team Ingelsberg, 24,924) und Frankreich (24,184) gewonnen.

Für den 25-Jährigen ist Aachen optimal gelaufen, zwei Siege und das Ticket für die EM hat er in der Tasche. Was allerdings den Betrachter — so scheint‘s — weniger verwundert, als den Vize-Weltmeister selbst, der ausgesprochen bescheiden auftritt. Und bei allem Jubel sehr selbstkritisch bleibt. „Meine Pflicht war ganz vernünftig, aber die hat man schon besser gesehen, und in der Technik hatte ich mir mehr erhofft. Das ist eigentlich meine Stärke. Aber ich kam nicht ganz so in Fluss, es war ein Kraftakt“, kommentierte er seine Runden, die er — wohlgemerkt — vor der versammelten Weltspitze gewonnen hatte.

„Erst in der Kür bin ich so richtig in die Saison gestartet, da habe ich das Gefühl von vergangenem Jahr wiedergefunden.“ Oese hat noch Trainingsrückstand, drei Monate lang musste sein Pferd Calvados verletzt passen. Jetzt scheinen die beiden auf der Überholspur zu sein. Oese, Brüsewitz und Jannik Heiland (Garbsen), hinter Andreani auf Rang vier, wurden für die EM nominiert.

Ebenso wie bei den Frauen Kristina Boe (Hamburg), die als Vierte beste Deutsche war, und Corinna Knauf. Vize-Europameisterin Sarah Kay (Warendorf), die in Aachen Neunte der Gesamtwertung wurde, muss ihre Leistung noch auf einem weiteren Turnier bestätigen. Vor allem Knauff jubelte. Die 20-Jährige, die aus der früheren Kölner Gruppe von Kai Vorberg stammt und Gesamt-Fünfte wurde, war der Shootingstar in Aachen.

„Toll, mit welcher Nervenstärke sie hier aufgetreten ist und wie sie ihre Chance beim Schopfe gepackt hat“, gab es höchstes Lob von Bundestrainerin Ursula Ramge, denn Knauff hatte im Nationenpreis sogar für ihre schöne Kür zur Musik von Whitney Houston die höchste Wertung aller Teilnehmer erhalten. „Ich war schon happy, dass ich erstmals als Einzelvoltigiererin nach Aachen durfte, und dann wurde ich für Deutschland I nominiert — das ist so unglaublich“, strahlte Knauff.

Derzeit unerreichbar ist aber die je zweifache Welt- und Europameisterin Joanne Eccles. Zwar musste sich die 24-jährige Britin in Pflicht und Technik der Dänin Rikke Laumann geschlagen geben, doch mit einer atemberaubenden Kür, die das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss, gewann sie mit 8,153 die Gesamtwertung vor Laumann (8,015) und Weltcup-Siegerin Anna Cavallaro (Italien/7,886).

Ein EM-Ticket als „Trostpflaster“ gab es auch für Pia Lamberty (Köln), die beim Pas de Deux mit Torben Jacobs (Ganderkesee), 2011 Europameister mit Theresa-Sophie Bresch (Roseck), gestürzt war. Das Duo belegte Platz sechs.

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