Aachen: Domspringen: Kendricks ist auch in Aachen nicht zu schlagen

Aachen: Domspringen: Kendricks ist auch in Aachen nicht zu schlagen

Dass Paweł Wojciechowski nicht nur ein überaus erfolgreicher Stabhochspringer ist, sondern auch ein sehr risikofreudiger, das hat er am Abend vor dem Wettkampf unter Beweis gestellt. Wojciechowski, 28, ließ sich auf eine Wette mit einem guten Freund ein.

Sam Kendricks, Nummer eins der Welt und noch ungeschlagen in diesem Jahr, schlug dem polnischen Rekordhalter vor, dass der unterlegene Athlet bei der 13. Auflage des NetAachen-Domspringens eine kleine Tanzeinlage auf dem Katschhof hinlegen müsse — vor nicht weniger als 5000 Zuschauern.

Nach einem hochklassigen Wettkampf löste Wojciechowski seine Wettschulden ein. Ein Wiener Walzer dröhnte aus den Boxen, quasi als vorbereitende Maßnahme: Wojciechowski heiratet im nächsten Monat. Kendricks, der das Domspringen mit 5,80 Metern gewann, präsentierte sich als fairer Gewinner und unterstütze seinen polnischen Weggefährten. Gemeinsam drehten die beiden Weltklassespringer ein paar Pirouetten über den Anlaufsteg. Ein großer Spaß für alle Zuschauer und Athleten.

Das traf auf den gesamten Wettkampf zu. Kendricks, der amtierende Weltmeister, war bei 5,30 Metern in den Wettkampf eingestiegen; bei seiner ersten Teilnahme am Domspringen vor zwei Jahren war das die Höhe, die er letztmalig meistern konnte. Dass es in diesem Jahr höher hinaus gehen würde, zeigte der erste Versuch überdeutlich. Kendricks hatte sich als Musik „I came for you“ von The Disco Boys ausgesucht, und die Zuschauer auf dem Katschhof nahmen es dem charismatischen US-Boy tatsächlich ab, dass er für seine Fans nach Aachen gekommen war. Und natürlich um großen Sport zu zeigen.

Das taten alle zwölf Athleten. Als 5,50 Meter aufgelegt wurden, hatte sich das Teilnehmerfeld allerdings bereits halbiert. Dass Kendricks und Wojciechowski zu den sechs Athleten gehörten, die sich noch im Wettkampf befanden, überraschte niemanden.

Das hochklassige Meeting nahm Fahrt auf, Vorjahressieger Tobias Scherbarth stellte seine persönliche Bestleistung in diesem Jahr ein, als er die Latte überwand, die bei 5,60 Meter eingelegt war. Dieses Kunststück gelang danach nur noch den beiden Weltjahresbesten: Kendricks und Wojciechowski. Bei 5,70 Metern entwickelte sich ein wahrer Nervenkrimi, da alle drei Athleten in den dritten Versuch gehen mussten.

Als Wojciechowski die Segel streichen musste, stand nicht nur fest, dass er die Wette verloren hatte, sondern auch hinter Scherbarth landen würde. Der Vorjahressieger scheiterte zwar auch an dieser Höhe, da er an diesem Abend aber weniger Versuche benötigt hatte, landete er schließlich auf Platz 2.

Kendricks, der auf dem besten Weg ist, die Saison ungeschlagen zu beenden, behielt die Nerven und überwand unter dem großen Jubel der Zuschauer die Latte - im dritten Versuch. Danach wurde das Springen zur großen Show des Amerikaners, der dem Publikum noch einige Sprünge zeigen wollte. Und das tat er dann auch. Auch die 5,80 Meter meisterte er im dritten Versuch. Der Katschhof verwandelte sich in einen Hexenkessel, als 5,90 Meter aufgelegt worden, und Kendricks war endgültig in seinem Element.

Der Meetingrekord von Björn Otto, 6,01 Meter, sollte allerdings nicht mehr in Gefahr geraten, da 5,90 Meter auch für den Weltmeister, der am Donnerstag 25 Jahre alt wird, etwas zu hoch waren. Aber das tat der Feierstimmung auf dem Katschhof keinen Abbruch.

„Ich habe bei 5,80 Meter gemerkt, dass ich schon ziemlich müde bin. Aber ich habe mir gedacht, dass ich diesem unglaublichen Publikum noch ein paar Sprünge mehr zeigen muss“, erklärte Kendricks unter dem tosenden Applaus der Zuschauer.

Auch Tobias Scherbarth war mit seiner Leistung sehr zufrieden. „Wenn man den Wettkampf auf dem zweiten Platz beendet und nur vom Weltmeister geschlagen wird, dann kann man mehr als nur zufrieden sein“, erklärte der Vorjahressieger. Organisator Michael Leers von der ausrichtenden Alemannia suchte lange nach Worten, fand sie dann aber doch: „Es ist immer wieder einmalig und war auch heute wieder eine grandiose Show.“

Den Einlage-Wettbewerb der Frauen hatte am Nachmittag Katharina Bauer mit 4,20 Metern gewonnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Domspringen: Beste Stimmung und Höchstleistungen auf dem Katschhof

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