Domspringen in Aachen: Lavillenie geht auf dem Katschhof an den Start

Das 15. NetAachen-Domspringen : Renaud Lavillenie will auf dem Aachener Katschhof hoch hinaus

Beim 15. NetAachen-Domspringen geht mit Renaud Lavillenie ein weiterer Star der Leichtathletik-Szene auf dem Katschhof an den Start. Der französische Stabhochspringer misst sich unter anderem mit Vorjahressieger Piotr Lisek aus Polen und dem amerikanischen Weltmeister Sam Kendricks.

Der 7. September 2011 war ein besonderer Tag in der Geschichte des NetAachen-Domspringens, an jenem Mittwoch stand der siebte Stabhochsprungwettbewerb in Aachen an, es war eine spezielle Auflage. Die Leichtathleten kämpften damals auf dem Marktplatz um den Sieg, weil der Katschhof zwischen Dom und Rathaus umgebaut wurde, sie kämpften gegeneinander und mit dem Regen. Und am Ende gab es einen bedeutenden Sieger: Renaud Lavillenie. Der beste Stabhochspringer des vergangenen Jahrzehnts war das erste Mal nach Aachen gekommen.

Mittlerweile hat es sieben weitere Auflagen des Domspringens gegeben, auch sie waren meist hochklassig, 2012 zum Beispiel, da sprang Björn Otto mit 6,01 Metern Deutschen Rekord. Am kommenden Mittwoch steht nun die 15. Auflage des Wettbewerbs an, ein kleines Jubiläum, und Michael Leers sagt: „Das Domspringen 2019 wird sehr besonders.“

Leers ist einer, der es wissen muss: Er ist seit dem ersten Wettbewerb im Jahr 2005 dabei, seitdem organisiert er das Springen für Ausrichter Alemannia Aachen. „Dieses Jahr bin ich total aufgeregt“, sagt er. Die Stabhochspringer müssen nicht erneut auf dem Markt, auch die Wettervorhersage ist nicht mies, und ein neuer Deutscher Rekord ist nicht in Sicht. Leers Aufregung ist der Vorfreude geschuldet, er sagt: „Es geht das beste Teilnehmerfeld an den Start, das wir je hatten.“

Die Besten der Welt

Dass Vorjahressieger Piotr Lisek auch 2019 dabei sein würde, hatten die Verantwortlichen bereits vor ein paar Wochen bekanntgegeben, genauso wie den Start von Weltmeister Sam Kendricks, der 2018 auf dem Katschhof Zweiter wurde. Und seit Donnerstag ist auch klar, dass Lavillenie wieder nach Aachen kommen wird, zum zweiten Mal. „Er wollte unbedingt wieder bei uns in Aachen springen“, sagt Leers. Das Domspringen sei nun „besser besetzt als jedes Diamond-League-Meeting“ in diesem Jahr; das ist vor allem deshalb überraschend, weil es in dieser Veranstaltungsserie sehr viel Geld zu gewinnen gibt.

In Aach­en wird die Leistungsdichte in der Spitze höher sein, so viel steht bereits jetzt fest: Der Amerikaner Kendricks ist Weltranglistenerster, der Pole Lisek -zweiter, Lavillenie -vierter; es fehlt nur der junge Schwede Armand Duplantis. Kendricks und Lisek sind in diesem Jahr bereits über die im Stabhochsprung immer noch besondere Sechs-Meter-Marke gesprungen; der amtierende Weltmeister Kendricks (26) stellte im Juli mit 6,06 Metern nicht nur eine persönliche, sondern auch die aktuelle Weltjahresbestleistung auf, Lisek (27) sprang ein paar Tage zuvor mit 6,02 Meter höher als je zuvor.

Lavillenie hat diese Marke in der aktuellen Saison zwar noch nicht geknackt, in seiner Karriere ist es ihm aber schon viel öfter gelungen, als Lisek und Kendricks zusammen. Der Franzose ist so etwas wie der größte Star unter den Stabhochspringern, einer der größten Leichtathleten dieser Zeit – mit einer langen Liste an Erfolgen: 2012 gewann er die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London, 2016 Silber in Rio de Janeiro; bei Weltmeisterschaften unter freiem Himmel holte er vier Mal Bronze und ein Mal Silber, in der Halle sicherte er sich drei Mal den WM-Titel und den Weltrekord mit einem Sprung über 6,16 Meter.

Am Mittwoch ist er dennoch nur Mitfavorit, gemeinsam mit Lisek und Kendricks. Und es gibt im Feld durchaus ein paar weitere Springer, die es mit dem Trio aufnehmen könne: Pawel Wojciechowski ist auch schon mal 5,93 Meter gesprungen, seine Bestleistung in dieser Saison liegt bei 5,87 Metern; in der Weltrangliste liegt er auf Platz sechs. Mit Torben Blech (5,80 Meter) und Bo Kanda Lita Baehre (5,72) kommen auch zwei deutsche Top-Springer nach Aachen. Am Montag wollen die Verantwortlichen das komplette Teilnehmerfeld vorstellen, insgesamt werden wohl 13 Stabhochspringer an den Start gehen.

„Wie ein WM-Finale“

Es ist anzunehmen, dass zumindest zwei oder drei weitere Athleten hinzukommen, die ebenfalls in diese Sphären springen können. „Der Wettkampf wird total spannend“, sagt Leers. Und Andreas Schneider, Geschäftsführer von Sponsor Net­Aachen, ergänzt: „Die Zuschauer dürfen sich auf einen Wettkampf auf allerhöchstem Niveau freuen, der international Beachtung finden wird und einem Weltmeisterschaftsfinale gleicht.“ Was nicht übertrieben ist.

Dass sich die besten Stabhochspringer der Welt am Mittwoch in Aachen treffen, ist nicht besonders verwunderlich; der Wettkampf hat einen ziemlich guten Ruf in der Szene. Die Leichtathleten, das betonen sie alle, mögen das Flair des Katschhofs: ein Wettbewerb mitten in der Stadt, zwischen Dom und Rathaus, vor 5000 begeisterten Fans. Dazu kommt in diesem Jahr der perfekte Zeitpunkt: Am 1. Oktober findet bei der WM in Doha die Entscheidung im Stabhochsprung statt, Aachen wird zur Generalprobe für Kendricks, Lisek, Lavillenie und die anderen Springer. „Total spannend“, findet das Leers. „Die Springer wollen alle mit einem guten Gefühl nach Katar reisen“, sagt Leers. Sie werden den 4. September 2019 womöglich zu einem besonderen Tag in der Geschichte des Domspringens machen.

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