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Köln: Dominant, aber noch nicht zwingend

Köln : Dominant, aber noch nicht zwingend

Kölns Torwart Timo Horn hat von seiner Position aus naturgemäß den besten Überblick, was seine Vorderleute versuchen, was ihnen gelingt und — vor allem — was misslingt. Und so legte der 25-Jährige nach dem 1:1 gegen Union Berlin beim ersten Heimauftritt seines Trainers Markus Anfang den Finger in die Wunde: „Über 90 Minuten fehlte uns diese Griffigkeit, die se Aggressivität, uns bei Ballbesitz zu behaupten.“

Vielleicht ist es diese einfache Erkenntnis, die verdeutlicht, warum es gegen die „Eisernen“ aus Köpenick weder zu drei Punkten noch zur Tabellenführung in der 2. Fußball-Bundesliga reichte. Dreht man den Blickwinkel, dann kann man auch das Statement seines Trainers Markus Anfang dazunehmen, der meinte: „Die Jungs müssen es anehmen, gegen tiefstehende Gegner zu spielen.“ Besser kann man den 50.000 Zuschauern, die dem selbsternannten Wiederaufsteiger auch an einem Montagabend durch den Alltag des Fußball-Unterhauses folgten, eigentlich nicht vermitteln, dass sie vieles erwarten können — nur keinen attraktiven Fußball.

Nur 22 Ballkontakte

Tatsächlich war der FC die dominierende Mannschaft, wie auch die Statistik mit doppelt so vielen Torschüssen, fast doppelt so vielen Pässen und dreimal so vielen Ecken eindrucksvoll belegt. Warum es nach der schönen Einzelleistung von Christian Clemens, der ein Solo mit einem wuchtigen Schuss zum 1:0 abschloss (41.) und dem Dämpfer, den der Ausgleich des Berliners Sebastian Andersson (69.) darstellte, trotzdem nur zum Unentschieden reichte, macht eher die Statistik der beiden zentralen Kölner Stürmer deutlich: Jhon Cordoba verzeichnet in 60 Minuten Spielzeit gerade einmal 22 Ballkontakte und einen Torschuss, Simon Terodde, der für ihn eingewechselt wurde, kam acht Mal an den Ball und kein einziges Mal zum Abschluss. Bislang ein schwarzer Fleck im und vor dem gegnerischen Strafraum.

Die Antwort auf die Frage, ob Kölns Niklas Hauptmann gefoult wurde, bevor der eingewechselte Akaki Gogia geschickt wurde und die Vorlage zum Ausgleich gab, war für die Kölner Spieler und ihren Trainer nicht spielentscheidend. „Man hätte auch Foul geben können“, meinte Innenverteidiger Lasse Sobiech, „aber wir dürfen nicht jammern, sondern müssen den zweiten Treffer nachlegen.“

So blieb es gegen die geschickt verteidigenden Berliner bei der Punkteteilung, auch wenn vor allem Louis Schaub für ordentlich Furore auf beiden Flügeln sorgte und fast schon in Serie auch zwei Gegenspieler auf einmal schlecht aussehen ließ. Doch da im System von FC-Coach Markus Anfang die beiden Außenverteidiger Jannes Horn und Marcel Risse eher in die Mitte einrücken, um dort für Überzahl zu sorgen, statt Tempoarbeit auf den Flügeln zu leisten und in der Mitte (bislang) die Anspiel- und Ablagestation fehlt, endeten die Kölner Attacken allzuoft beim gegnerischen Torwart oder in der Abseitsstellung der gestarteten Spieler. „Wir müssen im eigenen Stadion dem Gegner die Luft zum Atmen nehmen“, forderte Timo Horn mehr Dominanz und Präzision. „Doch das ist uns nur phasenweise gelungen.“ Vielleicht ein Dämpfer für die Kölner Ambitionen zur richtigen Zeit.