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Der CHIO Aachen: Die Rolle der Jägerin liegt Isabell Werth

Der CHIO Aachen : Die Rolle der Jägerin liegt Isabell Werth

Die Vorjahressiegerin im „Großen Dressurpreis von Aachen“ führt wieder die deutsche Equipe beim CHIO an.

Wenn Isabell Werth die Dressursport-Fans eins gelehrt hat, dann, dass man sie nie abschreiben darf und dass „die Messe erst gelesen ist“, wenn sie geritten ist. So auch beim CHIO Aachen 2021, als sie auf dem international noch nicht so erfahrenen Quantaz in der Kür um den „Großen Dressurpreis von Aachen“ brillierte und sich zum 13. Mal auf der Siegertafel am Richterhaus verewigte. „Diesmal sind andere die Favoriten“, sagt Werth und grinst breit – denn abgerechnet wird auch 2022 erst nach ihrem Ritt.

Den Weg nach Aachen kennt die 52-Jährige im Schlaf, auch den ins Stadtzentrum, denn vor dem Turnier vom 24. Juni bis 3. Juli steht die Vorjahressiegerin auch bei der Pressekonferenz vier Tage vor dem CHIO-Start im Mittelpunkt. Die Rheinbergerin kommt als frischgebackene Deutsche Meisterin, in Balve gewann sie in der Kür ihren 17. Titel – auch hier musste sie tags zuvor im Spécial Dorothee Schneider und Showtime den Vortritt lassen.

„Wir haben eine starke deutsche Equipe, aber auch sehr starke Konkurrenz, tut mir leid, Isabell“, scherzte CHIO-Turnierchef Frank Kemperman mit Blick auf die Teilnehmerliste zufrieden. Neben Werth berief Bundestrainerin Monica Theodorescu zudem Frederic Wandres (Hagen), Benjamin Werndl (Aubenhausen) und Ingrid Klimke (Münster) ins Team. Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl muss passen, da sie erneut Nachwuchs erwartet. Showtime, der sich erst wieder im Aufbau befindet, wird in Aachen nur in der sogenannten I-Tour starten.

„Vor allem die Dänen, aber auch die Briten sind starke Konkurrenten. Das Rennen ist immer offen, aber ohne Frage ist Cathrine Dufour diesmal die Favoritin“, sagt Werth – und wer sie kennt, weiß, dass sie sich in der Rolle der Jägerin schon immer wohlgefühlt hat. „Der CHIO ist das erste große internationale Kräftemessen nach Corona. Die Pferde sind lange Zeit vor wenig Menschen gestartet, und man hat schon beim Weltcup-Finale in Leipzig gesehen, dass einige Pferde vor wieder so vielen Zuschauern nervös wurden. Und das Aachener Dressurstadion ist noch einmal eine besondere Atmosphäre“, hat auch die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt damit schon eigene Erfahrungen gemacht. „Nicht mit Quantaz, der war mehr mit sich und dem Testosteron beschäftig“, sagt Werth und lacht, „aber als ich erstmals mit Bella auf den Abreiteplatz ritt, habe ich mich gefragt, wie ich jemals mit ihr hier einen Grand Prix reiten soll.“

Auch das klappte, 2019 gewann Werth auf Bella Rose, die nun im Rahmen des CHIO aus dem Sport verabschiedet wird. Das war schon im vergangenen Jahr geplant gewesen, doch eine Kolik hatte einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich werde mit ihr noch einmal ihre Kür in Aachen reiten. Sie ist in Topform, eher so, als würde sie im Grand Prix gehen und nicht zu ihrem Abschied – aber das ist jetzt halt so“, sagt Werth und kämpft mit den Tränen beim Gedanken an ihr „Herzenspferd“.

Mit Killerqueen zählt Daniel Deußer im Parcours wieder zu den Favoriten und könnte bei Wiederholung seines Vorjahressieges richtig viel Geld verdienen – mit dem dritten Sieg im Rolex-Grand-Slam, ein Kunststück, das bisher nur dem Briten Scott Brash 2015 in Aachen gelang. „Das wäre natürlich ein großer Anreiz, aber die Konkurrenz ist riesengroß“, so der Springreiter, der via Videocall aus dem belgischen Mechelen zugeschaltet war. Deußer gehört wie Christian Ahlmann nicht zur deutschen Equipe in Aachen. Bundestrainer Otto Becker berief Marcus Ehnung (Borken), Janne-Friederike Meyer-Zimmermann (Hamburg), Christian Kukuk (Riesenbeck), Jana Wargers (Greven) und Europameister Andreas Thieme (Lübz), wohl auch, um mit Blick auf die WM im August im dänischen Herning noch Paare zu testen. „Es ist natürlich sehr schade, dass ich nicht in der Mannschaft reite, aber wir haben momentan viele gute Paare“, will sich Deußer mit Killerqueen nun vor allem auf der Großen Preis konzentrieren.

Ingrid Klimke muss nicht nur schnell auf dem Pferd, sondern vor allem gut zu Fuß sein: Die 54-Jährige Vielseitigkeits-Europameisterin gehört neben Michael Jung (Bad Soden), Sandra Auffarth (Ganderkesee) und Tokio-Olympiasiegerin Julia Krajewski (Warendorf) zum Team, das stärker nicht besetzt sein kann. Da Klimke mit Franziskus als DM-Dritte aber erstmals auch zur Dressur-Equipe gehört, muss sie am zweiten Turniersamstag schnell von einer Disziplin zur anderen wechseln. „Ich glaube, das hatten wir noch nie, dass ein Reiter in zwei Teams geritten ist“, so Kemperman.

Der CHIO-Turnierchef, selbst Niederländer, wagt die Prognose, dass die niederländischen Gespannfahrer mit Vater und Sohn Chardon erneut den Nationenpreis gewinnen können. „Seit 2009 steht kein anderes Team auf der Siegerliste“, sagt er und grinst. Mareike Harm (Negernböttel), Georg von Stein (Herchenrode) und Christian Sandmann (Lähden) werden als deutsches Team angreifen.

Insgesamt 330 Reiter, Fahrer und Voltigierer aus 32 Nationen mit 657 Pferden, dazu weitere 310 in den Schaubildern, werden in den zehn Turniertagen antreten. Los geht der CHIO bereits am Freitag ab 9 Uhr mit dem Voltigieren in der Albert-Vahle-Halle. Höhepunkt ist der Nationenpreis am Sonntag ab 15 Uhr mit dem starken deutschen Team als Titelverteidiger.