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Aachen: Die „Mission Gold” beginnt

Aachen : Die „Mission Gold” beginnt

Freitag, 16 Uhr - es ist soweit: Elvis wird verladen. In wenigen Minuten geht´s los in Richtung Flughafen Amsterdam. Elvis wird fliegen - Nadine Capellmann wird zurückbleiben. Vorerst.

Denn am Samstag besteigen die deutschen Dressur- und Vielseitigkeitsreiter in Frankfurt den Flieger nach Hongkong. „Das ist schon ein gewaltiger Wermutstropfen”, sagt Nadine Capellmann mit besorgtem Gesicht. Zum ersten Mal in seinem Leben wird ihr Pferd fliegen, und sie darf nicht bei ihm in der Maschine sein.

„Nur eine Person darf die Pferde begleiten, das wird Isabell sein”, seufzt die Aachenerin. „Ich werde Elvis und die anderen deutschen Pferde dann auf dem Rückflug betreuen. Aber Isabell wird das schon bestens machen”, setzt sie hinzu, wie um sich selbst zu beruhigen.

Das Unternehmen Hongkong - man kann auch sagen „die Mission Gold” - ist gestartet. Eigentlich ging sie ja schon vor einer Woche los, als in Aachen die Quarantäne begann. Eine Woche lang wurde hinter Sperrzäunen trainiert. „Elvis hat sich deutlich verbessert. Er ging viel schwungvoller und durchlässiger, hat insgesamt einen enormen Schritt gemacht”, ist Nadine Capellmann zufrieden. Verbessert meint gegenüber dem CHIO Aachen.

„Grand Prix und Sp?zial waren gut, die Kür habe ich selbst verschlafen. Da bin ich zu selig vor mich hingeritten”, gibt sie lächelnd zu. Bundestrainer Holger Schmezer dürfte sie im Trainingslager ordentlich geweckt haben. Vor dem Einzug in die Quarantäne hatte Nadine Capellmann sich von Jürgen Koschel getrennt, der erst im März die Betreuung übernommen hatte. „Die Chemie im Training stimmte einfach nicht”, erläutert die 43-Jährige ihren Schritt.

Noch sind ihre Gedanken bei den alltäglichen Dingen, Hongkong ist - noch - weit weg. „Ich trenne mich so ungern so lang von zu Hause, ich bin doch sonst nie mehr als vier, fünf Tage weg”, gesteht Nadine Capellmann ehrlich. Dann geht der Blick voraus: „Olympia ist die größte Herausforderung für einen Sportler. Diesmal weiß ich ja, was mich erwartet. Sydney war dagegen komplettes Neuland. Schade nur, dass wir in Hongkong nichts von dem olympischen Leben in Peking mit Dorf und Deutschem Haus mitbekommen. Das gehört ja eigentlich auch zu Olympia.”

Die „Mission Gold” ist schwieriger denn je. „Einfach war es nie, in Sydney lagen auch nur 23 Punkte zwischen Gold und Silber.” Nach der EM-Niederlage sind die Deutschen diesmal eher die Jäger, und „das ist vielleicht gar keine schlechte Position für uns. Wir müssen ganz sicher kämpfen, aber wir haben ein super Team mit erfahrenen Reitern. Die Tagesform wird entscheiden.” Und einen Wunsch würde Nadine Capellmann sich gerne erfüllen, den sie in Sydney als Vierte knapp verpasste: „Eine olympische Einzelmedaille fehlt mir noch...”