Moskau: Die Fußball-WM soll ein strahlendes Spektakel werden

Moskau: Die Fußball-WM soll ein strahlendes Spektakel werden

Der WM-Pokal glänzt schon im Scheinwerferlicht. Die Urnen für die Auslosung der WM-Gruppen stehen auf der Bühne im Moskauer Kremlpalast bereit. Doch erst einmal proben die FIFA-Funktionäre und das russische Show-Team nur. Wenn am Freitag um 16.15 Uhr (live im ZDF) die Ziehung der WM-Gruppen als Hochglanz-Gala in alle Welt übertragen wird, will Präsident Wladimir Putin sein Russland als modernen und freundlichen Gastgeber für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 präsentieren.

Knapp 200 Tage bleiben bis zum Anpfiff des Turniers am 14. Juni des kommenden Jahres, bei dem Weltmeister Deutschland seinen Titel verteidigen möchte. Damit das Fußballfest für Organisator Russland ein Erfolg wird, muss fernab der Fernsehkameras aber noch einiges geschehen. Auch Putin weiß das ganz genau — und drängt zur Eile.

„Eine Verzögerung bei der Vorbereitung der Weltmeisterschaft ist nicht akzeptabel“, sagte er bei einem Treffen mit Sportfunktionären im Oktober. Es gebe noch Kleinigkeiten zu tun, nichts Gravierendes. „Aber wenn wir nachlassen, bringen wir sie auch nicht zu Ende“, sagte Putin. Vor allem in der Wolgastadt Samara hängt der Bau des Stadions hinter dem Zeitplan. Putin will keine Baulücken, Pfützen oder Halden mit Bauschutt sehen, „alles soll angenehm für die Leute sein“.

Die WM ist für die stolze Sportnation Russland, die durch die jüngsten Doping-Enthüllungen weiter unter Druck geraten ist, Staatsangelegenheit auf höchstem Level. Die Regierung investiert umgerechnet rund zehn Milliarden Euro in das Fußballfest. Experten zufolge könnten die Kosten gar doppelt bis dreimal so hoch ausfallen — ein immenses Konjunkturprogramm für die Wirtschaft nach Jahren der Rezession.

Lebenswertes in der Provinz

Vor allem die russische Provinz sieht sich als Nutznießer der WM. Beispiel: Saransk. International kaum bekannt, gilt die Hauptstadt der Teilrepublik Mordwinien rund 650 Kilometer südöstlich von Moskau als besonders lebenswerte Stadt in Russland. Zahlreiche Baumaßnahmen sollen auch über die WM hinaus den 300.000 Einwohnern den Alltag verschönern. Am Ufer des Flusses Insar wurden 1,3 Kilometer Promenade gebaut. Ein großes Hotel soll nach dem Turnier teils zu Sozialwohnungen umgebaut werden, wie örtliche Medien berichten.

In jeder Provinzstadt soll die WM ihre Spuren hinterlassen: Im südrussischen Rostow am Don ist ein neuer Flughafen entstanden. In der Ostseemetropole Kaliningrad (ehemals Königsberg) wurde brachliegendes Land für ein Stadion und Parkanlagen erschlossen. In Nischny Nowgorod haben die Behörden in diesem Jahr umgerechnet rund 32 Millionen Euro für den Straßenbau bekommen. In den vergangenen Jahren hätten dafür lediglich fünf Millionen Euro zur Verfügung gestanden, sagte Roman Uchabin von der Stadtverwaltung der Agentur Tass.

Doch Korruptionsvorwürfe trüben die glanzvollen Pläne. Nicht nur rund um das Stadion in St. Petersburg gab es Skandale von Unterschlagung und Schmu. Auch in der Provinz haben Beobachter Zweifel, dass das viele Geld am richtigen Ort ankommt. Nicht die Städte profitierten vom Erbe der WM, sondern die Funktionäre in den Städten, kommentiert ein Nutzer eines Online-Portals in Saransk.

Und auch sportlich prasselt immer wieder Kritik auf die Organisatoren ein. Ob die Sbornaja die Gruppenphase überstehen kann, wird in der Moskauer Fachpresse hoch und runter diskutiert. In ausländischen Medien kommen Doping-Debatten rund um das russische WM-Team von 2014 auf. Doch Russlands Sport-Multifunktionär Witali Mutko lässt die Vorwürfe mit Witz abtropfen: „Wenn wir unter Doping so spielen, dann stellen Sie sich vor, wie wir ohne spielen würden.“ Damit bezog er sich auf die fortwährende Kritik an der Leistung der Sbornaja.

Trotz aller Kritik ist Russlands Führung überzeugt, dass das Milliardenprojekt WM das Land nachhaltig verändern kann. „Das wichtigste Ziel eines großen internationalen Sportevents ist, eine Grundlage für die Zukunft zu schaffen“, sagte Putin. „Die Menschen aufmerksam machen auf den Sport, auf eine gesunde Lebensführung, auf eine effektive und langfristige Nutzung von Gebäuden und Infrastruktur“, das sei die Aufgabe, betonte der Kremlchef.