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Düren/Jülich: Die Beach-Stars fliegen in Jülich

Düren/Jülich : Die Beach-Stars fliegen in Jülich

Sebastian Fuchs konnte am vergangenen Wochenende nur staunen. „Das war beeindruckend zu sehen, wie Laura und Kira das Turnier beherrscht haben.“ Neidisch ist Fuchs nicht auf Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, die Ilka Semmler (Kreuzau) und ihre Partnerin Katrin Holtwick am vergangenen Samstag am Timmendorfer Strand mit einer selten gesehen Wucht vom Thron der deutschen Beachvolleyballerinnen gestoßen haben.

Trotzdem hätte sich der 27-Jährige in diesem Jahr eine ähnliche Entwicklung gewünscht wie Kira Walkenhorst sie bei den Frauen gemacht hat. Die Voraussetzungen für beide waren gleich. Die zwei Blockspieler sollten die Thronfolger im deutschen Beachvolleyball werden.

Kira Walkenhorst erbte nach den Olympischen Spielen von London den Platz an der Seite von Laura Ludwig, einer der besten Abwehrspielerinnen der Welt. Und Sebastian Fuchs wurde der neue Partner von Olympiasieger Julius Brink. Beide, Walkenhorst und Fuchs, waren schon vor ihren neuen, privilegierten Partnerschaften Ausnahmeerscheinungen in der nationalen Szene der Sand-Experten.

„Sebastian ist ein richtiges Urviech“, beschreibt Bernd Werscheck, der Sportliche Leiter des Einladungsturniers um den DKB-Beach-Cup, der am Sonntag im Jülicher Brückenkopfpark gespielt wird. Fuchs steht für eine brutale Physis in Sachen Handlungshöhe und Schlaghärte, von der Jonas Reckermann, Brinks Gold-Partner, nur träumen konnte.

Das Pedant zu Fuchs bei den Frauen heißt Kira Walkenhorst. Die 22-Jährige, die bis zum Frühjahr 2011 für die Aachener Ladies in Black in der Hallen-Bundesliga gespielt hat, schmettert und blockt mit maskuliner Härte. „Das war eine Demonstration, wie sie am Timmendorfer Strand die deutsche Meisterschaft gewonnen haben“, berichtet Werscheck. Logisch, dass er Ludwig/Walkenhorst die letzten zwei freien Startplätze im Jülicher Frauen-Feld zugesprochen hat.

Sebastian Fuchs gehört zu den Stars im Männer-Feld. So sehen sich Kira Walkenhorst und Sebastian Fuchs im Sand von Jülich wieder. Anfang September können sie auf eine grundsätzlich unterschiedliche Saison zurückblicken. „Ich bin eigentlich ohne große Erwartungen in das Jahr gegangen. Schließlich war es mein erstes auf diesem Niveau“, sagt Walkenhorst. Mit der rigorosen Dominanz beim Höhepunkt der deutschen Turnier-Serie hat die 22-Jährige nicht gerechnet.

Denn das Zusammenwachsen eines neuen Duos dauert in der Regel zwei Jahre, bis das Verständnis so blind ist, dass es vorne mitspielen kann. Ludwig/Walkenhorst ist das auf Anhieb gelungen, auch international. Regelmäßig landeten die Zwei auf der Weltserie unter den besten Zehn, beim Grand Slam in Moskau unterlagen sie erst im Finale. „Wenn die beiden so weiter machen, dann sind sie bald in der Welt ganz vorne dabei“, ist sich Werscheck sicher.

Der ehemalige Trainer der Bundesliga-Volleyballer von Evivo Düren weiß, wovon er redet. Schließlich schaffte er es, das Duo Susanne Lahme und Danja Müsch so schnell in die Weltspitze zu führen, dass sie die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2004 in Athen schafften.

Das andere Duo mit solchem Senkrechtstarter-Potenzial heißt Julius Brink und Sebastian Fuchs. Allerdings ist das Nationalteam nie aus den Startblöcken gekommen. Genau dreieinhalb Turniere waren möglich, bevor Brink wegen einer hartnäckigen Oberschenkelverletzung für diese Saison das Handtuch werfen musste. „Das ist frustrierend. Wir haben uns das ganz anders vorgestellt“, erklärt Fuchs. Der Plan auf dem Weg nach Rio 2016 sah vor, dass Brink/Fuchs sich 2013 auf der Weltserie etablieren sollten. Stattdessen musste sich Fuchs immer wieder nach neuen Partnern umschauen, um überhaupt spielen zu können, während Brink in Köln an seiner Genesung arbeitete.

Trennungsgerüchte

Am Timmendorfer Strand kursierten sogar schon die Gerüchte, dass das Duo bald wieder getrennte Wege gehen könnte. „Das ist alles nur Spekulation. Wir werden uns nach der Saison zusammensetzen und ein Fazit ziehen. Aber das macht man nach jeder Saison.“ An Sebastian Fuchs großem Ziel hat sich nichts geändert. „Ich will mit Julius bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio dabei sein.“ Deswegen soll im Winter mit der nächsten Saisonvorbereitung der Neustart gezündet werden. „Drei Jahre bis Rio sind genug Zeit, wenn keine schweren Verletzungsprobleme dazu kommen“, sagt Fuchs. Das Beispiel Kira Walkenhorst macht dem 2,04-Meter-Hünen und ehemaligen Junioren-Weltmeister Mut.

Jetzt geht der Blick zum Einladungsturnier in Jülich unter der Schirmherrschaft von Landrat Wolfgang Spelthahn. Fuchs schmetterte im vergangenen Jahr bereits im Brückenkopfpark. „Das Turnier macht sehr viel Spaß. Das liegt an der interessanten Spielform und der tollen Atmosphäre“, berichtet der 27-Jährige. Kira Walkenhorst ist erstmals dabei. Sie freut sich darauf, im Publikum bekannte Gesichter aus ihrer Zeit zu treffen. „Ich habe nicht nur von Laura gehört, wie viel Spaß der Cup machen soll. Ich bin schon sehr gespannt“, betont die Nationalspielerin.