1. Sport

Frankfurt: DFB-Sportgericht: Ein Wort, ein Urteil und 6000 Euro Strafe

Frankfurt : DFB-Sportgericht: Ein Wort, ein Urteil und 6000 Euro Strafe

Die Delegation des 1. FC Köln unternahm noch eben einen Spaziergang durch den angrenzenden Wald, ehe Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Präsident Werner Spinner ein bisschen später dann in Tagungssaal 4 im Hauptquartier des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt erschienen.

Zum Gespann gehörte auch noch der Jurist Christoph Schickhardt, der antrat, um Schmadtke zu verteidigen. Kurz darauf, um 14.30 Uhr, begann dann also die Verhandlung, in der das DFB-Sportgericht darüber entschied, ob Schmadtke das Schiedsrichter-Gespann um Guido Winkmann beim 1:1 des FC in Bremen im Dezember beleidigt hat, als er die Unparteiischen als „Eierköppe“ bezeichnete. Ja, das war tatsächlich ein Fall für das Sportgericht.

Womöglich wird es bald sogar Thema vor einer höheren Instanz, die nächste wäre das Bundesgericht des DFB. Denn das Sportgericht unter der Leitung von Richter Hans E. Lorenz hat dem Plädoyer des Kontrollausschusses zugestimmt und nach der mündlichen Verhandlung an seinem Urteil festgehalten: Schmadtke muss eine Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro zahlen.

Das stand fest nach einem zwar bemüht ernsthaft geführten, aber wegen des Kerns der Sache eben doch kuriosen Verfahren, das Schickhardt in seinem Plädoyer als „Trauerspiel“ bezeichnete und daher einen „makellosen Freispruch“ forderte. Schon zuvor hatte der Anwalt dem Gericht nahegelegt, das Verfahren gegen Auflagen — etwa einer Spende — einzustellen. Die Beteiligten setzten sich aber mehr als zwei Stunden mit der Causa auseinander, erst um 16.46 Uhr folgte das Urteil.

Die Begründung: Das Gericht sieht den Tatbestand des unsportlichen Verhaltens und der Beleidigung erfüllt, weil Schmadtke durch besagte Aussage seine Missachtung kundgetan habe. Der Geschäftsführer des FC nahm den Urteilsspruch resigniert zur Kenntnis, er fasste sich an die Stirn und blickte stumm geradeaus.

Die spannende Frage war zuvor ja, wie das Gericht der Argumentation von Schmadtke entgegentreten würde. Er habe sich in jenen knapp 30 Jahren, die er nun bereits in der Bundesliga beschäftigt sei, nichts zu Schulden kommen lassen. Die Aussage habe er „in den Bart gemurmelt“ und sie sei gewissermaßen das Resultat vorangegangener Spiele gewesen, in denen sich der FC von den Schiedsrichtern benachteiligt sah. Und, ein Kernaspekt: Im Rheinland sei „Eierkopp“ eben keine Beleidigung. Schmadtke führte all das aus, zeigte aber durchaus auch Reue. Spinner pflichtete bei, für den Präsidenten stand gar „die Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit des Gerichts“ auf dem Spiel. Schickhardt nannte es einen „gravierenden Fehler“ des Schiedsrichters, die Sache überhaupt im Bericht erwähnt zu haben.

Es war allerdings erwartbar, dass das Gericht an seinem Urteil festhalten würde. Denn andernfalls hätte es für den DFB einen unschönen Präzedenzfall gegeben. „Regionale Besonderheiten kann es in einem Bundeswettbewerb nicht geben“, sagte Richter Lorenz — und das war ja in der Tat eine Kernfrage: Wo wäre eine Grenze zwischen Dialekt und Beleidigung? „Es wäre ein Freibrief für jeden, der künftig straffrei einen Schiedsrichter ‚Eierkopp‘ nennen könnte“, sagte Lorenz.

Schmadtke war nach der Verhandlung nicht danach, viele Worte zu verlieren. Er sprach von einem „lehrreichen Tag“ — konnte aber noch nicht sagen, ob er innerhalb der einwöchigen Frist Einspruch erheben wird. Eine Beschwichtigung war es für ihn nicht, dass Lorenz angesichts der Harmlosigkeit der Bezeichnung erklärte: „Von uns hätte keiner was dagegen, wenn ein Schiedsrichter eine solche Bemerkung überhört.“ In dem Fall jedoch habe es den Bericht aber nun einmal gegeben: „Dann müssen wir ran, ob es uns gefällt oder nicht.“