Leverkusen: Der nächste Dämpfer für die Borussia

Leverkusen : Der nächste Dämpfer für die Borussia

Mit einem breiten Grinsen trat Lucas Alario vor die wartende Medienschar. Der argentinische Stürmer von Bayer Leverkusen, der mit seinem Treffer zum 1:0 sowie der Torvorlage zum 2:0 zum Helden der Werkself im 72. Derby der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach avancierte, verkündete freudig, dass er sich sehr glücklich schätze, einen wichtigen Teil zum Erfolg beigetragen zu haben.

Auf der Gegenseite schlich Gladbachs Kapitän Lars Stindl mit hängenden Schultern und leerem Blick vor die Mikrofone. Der Offensivkraft war die Enttäuschung deutlich anzumerken. Nicht nur die Niederlage nagte an ihm, auch die frustrierende offensive Darbietung hinterließ Spuren. Denn fast über die gesamten 90 Minuten war es der Borussia nicht gelungen, sich auch nur eine zwingende Torchance herauszuspielen.

So sehen Verlierer aus: Borussia Mönchengladbach hadert nach der Niederlage mit der eigenen Leistung und dem Verletzungspech. Jannik Vestergaard (kleines Bild) fällt mit einem Fußbruch lange aus. Foto: imago/v.d. Laage

Es dauerte bis zur 82. Minute, ehe der eingewechselte Josip Drmic mit einem Kopfball für ernsthafte Gefahr sorgte. „Wir tun uns momentan im letzten Drittel schwer, die richtige Entscheidung zu treffen“, resümierte Stindl, der mittlerweile seit 1345 Minuten auf einen eigenen Treffer wartet.

Doch nicht nur der 29-Jährige blieb über die gesamte Spielzeit blass, auch seine Offensivkollegen Thorgan Hazard und Raul Bobadilla konnten kaum Akzente setzen. Vicenzo Grifo, der gemeinsam mit Tony Jantschke (für Jonas Hofmann und Reece Oxford) in die Startelf rückte, war da noch der agilste der vier offensiven Kräfte. „Uns fehlt der letzte Punch. Wir haben es nicht geschafft, 20 Meter vor dem Tor etwas zu kreieren. Das ist natürlich bitter“, erklärte der Deutsch-Italiener, der in der sechsten Minute für den einzigen nennenswerten Abschluss der Gäste im ersten Durchgang sorgte. Ansonsten neutralisierten sich in der ersten halben Stunde beide Mannschaften überwiegend.

Knapp zehn Minuten vor der Pause erhöhte Leverkusen den Druck. Vor allem Leon Bailey, der wieder in die Bayer-Startelf zurückgekehrt war, traf bei seinen Tempogegenstößen nun häufiger die richtige Entscheidung. So auch beim Führungstreffer, als er den Ball mit seinem schwächeren rechten Fuß in den Strafraum chippte und Kevin Volland per Kopf auf Alario ablegte. Der Mittelstürmer hatte aus rund fünf Metern dann keine Mühe mehr, das Spielgerät an Yann Sommer vorbei im Netz unterzubringen (39.). „Nach dem Gegentor haben wir ein Stück weit den Faden verloren und sind auch in der zweiten Halbzeit nicht mehr richtig ins Spiel gekommen. Leverkusen hat das dann aber auch sehr gut gemacht“, verdeutlichte Stindl anerkennend.

Eine halbe Stunde vor Schluss brachte Gladbach-Trainer Dieter Hecking Michaël Cuisance für Jantschke und stellte seine Abwehr auf eine Dreierkette um. Nachdem der Coach kurze Zeit später auch noch Drmic für Denis Zakaria aufs Spielfeld beorderte, übernahm die Elf vom Niederrhein zum ersten Mal in der Begegnung die Initiative. Mit seiner ersten Aktion hätte der Schweizer Stürmer fast die Partie auf den Kopf gestellt. Doch frei stehend köpfte er den Ball aus rund sieben Metern kläglich am rechten Pfosten vorbei.

Eine Minute vor dem Ende der regulären Spielzeit musste Leno dann erstmals richtig eingreifen. Eine verunglückte Abwehraktion von Teamkollege Wendell lenkte der Bayer-Schlussmann noch über die Latte. Kurz vor dem Abpfiff stellte der eingewechselte Julian Brandt nach Vorarbeit von Alario den 2:0-Endstand her (90.+3). „Wenn wir heute noch den Ausgleich gemacht hätten, wäre das ein sehr glücklicher Punktgewinn gewesen“, erklärte Hecking und ergänzte: „Die klar bessere Mannschaft hat gewonnen.“ Die angespannte Personalmisere wollte der Coach nicht als Alibi für die Pleite gelten lassen. „Das hatte heute nichts damit zu tun. Wenn wir aber monatelang auf acht oder neun Spieler verzichten müssen, dann können wir das Niveau nicht halten und werden unsere Ziele nicht erreichen.“ Und das Lazarett vergrößerte sich gegen Bayer weiter. Jannik Vestergaard zog sich einen Mittelfußbruch zu und fällt lange aus. Auch Grifo (Kreuzbanddehnung), Oxford (Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel) und Christoph Kramer (Knieverletzung) gesellten sich hinzu.

„Einfach unsere Spiele gewinnen“

Für die Gladbacher dürfte es jetzt in erster Linie um den siebten Tabellenplatz gehen, der womöglich für die Europa-League-Qualifikation reichen könnte. Den belegt momentan die TSG Hoffenheim, auf die die Hecking-Elf am kommenden Samstag trifft. „Wir sind falsch beraten, wenn wir immer auf die Tabelle gucken. Wir müssen einfach unsere Spiele gewinnen“, gab Ex-Bayer-Profi Kramer die Richtung vor.

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