Berlin: Der heimliche Traum der Aachener Speerwerferin Dana Bergrath

Berlin: Der heimliche Traum der Aachener Speerwerferin Dana Bergrath

Sie hat in diesem Jahr das Linguistik-Studium ein wenig zurückgestellt für den Sport. Es hat sich gelohnt. „Die EM war ein heimlicher Traum“, sagt Dana Bergrath. Ein Traum, der mit ihren beiden Würfen in diesem Jahr über 60 Meter in Erfüllung gegangen ist.

Auf 60,60 Meter flog der Speer der gebürtigen Aachenerin Anfang Juli in Luzern. Persönliche Bestleistung und Norm für die Europameisterschaften im Berliner Olympiastadion.

Bei den Deutschen Meisterschaf-ten am 21. und 22. Juli in Nürnberg hätte es in Sachen EM-Nominierung noch einmal eng werden können für die Speerwerferin des TSV Bayer 04 Leverkusen. Vor der DM hatten Christin Hussong vom LAZ Zweibrucken (66,36), Bergraths Vereinskollegin Katharina Molitor (61,91) und die 24-Jährige aus Aachen die EM-Norm überboten. In Nürnberg passte bei Bergrath nicht viel zusammen. „Ich war fit, ich hatte mir deutlich mehr erhofft, wollte locker und flockig rauswerfen. Aber ich war zu fest im Kopf.“

Magere 52,15 Meter

Ihr weitester Versuch wurde mit mageren 52,15 Meter gemessen. Nur Rang fünf beim entscheidenden Qualifikationswettkampf. Aber zum Glück übertraf an diesem Tag keine weitere vor ihr platzierte Werferin die 60 Meter.

Diese 60 Meter „haben sich angedeutet“, sagt Mark Frank, beim Deutschen Leichtathletik-Verband als Bundestrainer für den Frauenspeerwurf zuständig. „So ganz über-raschend war das nicht für mich.“ Bergrath habe bei der EM nichts zu verlieren, so Frank. Es ist ihre erste internationale Meisterschaft. In der Jugend hatte sie einmal die deutschen Farben bei einem Länderkampf vertreten. Das Nationaltrikot gefällt ihr. Aber auch wenn es hässlich wäre, wäre es ihr egal. „Einmal das Ding tragen . . .“

Darauf musste sie lange warten. Auch, weil sie sich in den vergangenen Jahren häufig mit Verletzungen herumplagen musste. Seit 2017 trainiert sie gemeinsam mit Katharina Molitor, der Speerwurf-Weltmeisterin von 2015, bei Helge Zöllkau. „Das erste Mal habe ich eine Trainingspartnerin, die besser ist als ich“, sagt sie und lacht. „Eine gute Sache.“ Und sie mache nun mehr für ihren Körper, um besser Verletzungen vorzubeugen.

„Wenn man in der Quali 60 Metern wirft, sieht man nicht so schlecht aus“, schätzt Mark Frank. Die EM, das große Stadion, die vie-le Zuschauer — „es kann sein, dass es sie erschlägt — oder sie beflügelt.“ Der Bundestrainer ist gespannt, wie die 24-Jährige auf die neue Erfahrung reagiert. Die Speerwurf-Qualifikation steht Donnerstagmittag auf dem Programm.

Am Sonntag war sie das erste Mal überhaupt im Berliner Olympiastadion. Hat sich die Anlage angeschaut, mal mit den Spikes den Belag getestet. „Gerade dominiert die Vorfreude, ich bin aber auch etwas nervös“, sagt sie. Obwohl sie schon viele Jahre mit dem Speer aktiv ist, zuerst bei der DJK Rasensport Aachen-Brand, seit 2010 beim TSV Bayer 04 Leverkusen, „fange ich gefühlt gerade erst an. Frauenspeerwurf beginnt bei 60 Metern“, kommt sie ein wenig ins Schwärmen. Aber ihr ist natürlich auch klar: „Um vorne mitmischen zu können, muss man noch fünf oder sechs Meter drauf packen.“ Und sieht sich durchaus in der Lage, das auch irgendwann zu schaffen.

Für die EM in Berlin definiert sie ihre Ziele zurückhaltender. „Es ist super cool, dass ich hier sein kann. Ich möchte noch einmal so einen schönen Wurf wie in Luzern raushauen.“

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