Düren: Der Dürener Gert Engels tritt als Nationaltrainer Mosambiks zurück

Düren: Der Dürener Gert Engels tritt als Nationaltrainer Mosambiks zurück

In Japan hat er eigentlich gelernt, Emotionen zu verbergen. Doch am Montag am Flughafen von Dakar durchbrach die Trauer den Kontroll-Panzer: Gert Engels stiegen die Tränen in die Augen, als er sich von seiner Nationalmannschaft verabschiedete. Es war ein Abschied wahrscheinlich für immer.

Am Sonntag hatte der 56-Jährige mit der Fußball-Auswahl Mosambiks das WM-Qualifikationsspiel in Guinea mit 1:6 verloren, bereits vorher aber hatte er angekündigt, nach 20 Monaten nicht mehr als Trainer weiterarbeiten zu wollen. Damit kam er einem Rauswurf zuvor, den der Präsident ansonsten nach dem Spiel verkündet hätte. In Afrika zählen nur schnelle Erfolge, kaum ein Fußball-Verband bringt die Geduld auf, mittel- oder gar langfristig etwas aufzubauen.

Das wusste Gert Engels, der 20 Jahre als Profi und Trainer in Japan gearbeitet hat. Die offizielle Begründung des ehemaligen Mönchengladbacher Profis für seinen Rücktritt: Er hat es nicht geschafft, sich mit Mosambik für die WM in Brasilien zu qualifizieren. Bereits bei seiner ersten Pressekonferenz im Oktober 2011 hatte er das als Konsequenz angekündigt.

Aber mit Sicherheit hätte der Dürener weitergemacht, wenn er eine sportliche Zukunft gesehen hätte. Er wollte etwas aufbauen am Indischen Ozean. Doch die organisatorischen Defizite des Verbandes haben sogar eine rheinische Frohnatur zermürbt. „Es war grausam“, blickt Engels auf die Abschiedsszenen am Flughafen zurück. Speziell die jungen Spieler waren niedergeschlagen: Ihre Chancen sinken. Sie wissen, dass der neue Trainer wohl nicht so sehr auf die Jugend setzten wird. Routiniers, am besten noch protegiert von einflussreichen Funktionären, versprechen schnelleren Erfolg, wenn auch keine nachhaltige Entwicklung.

Chaotische Anreise

„Ich hab die Sache noch im Kopf“, sagt Gert Engels, der jede Sekunde Trainingsarbeit genossen hat. Schon vor der Klatsche in Guinea war klar, dass Mosambik den Konkurrenten Ägypten nicht mehr einholen konnte. Zusätzlich mit dem Rücktritt ihres Trainers im Kopf ließen sich seine Spieler nach einem unglücklichen Rückstand hängen — 1:6 war das Resultat. Und kein Hahn krähte mehr danach über die chaotische Anreise über drei Länder (aus Kostengründen) und die mangelnde Vorbereitung.

Nun hat Engels alle Zeit, sich um seine Fußballschule in Düren zu kümmern, aber auch die Erfahrungen aufzuarbeiten. Seine Abenteuerlust aber wird sich schnell wieder melden. Und neue, womöglich geduldigere Interessenten auch.

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