Der 1. FC Köln schuftet sich beim 3:0-Sieg in Darmstadt zum Erfolg

3:0-Sieg in Darmstadt : Der 1. FC Köln schuftet sich zum Erfolg

Marco Höger hakte sofort ein, das musste er korrigieren: Nicht 45 Minuten lang hatten er und seine Kollegen vom 1. FC Köln schwer zu schuften gehabt bei Darmstadt 98.

„Es waren 90 Minuten harte Arbeit“, berichtigte der Mittelfeldspieler nach dem 3:0-(0:0)-Sieg in Südhessen, den sich die Kölner erst in einer stark verbesserten zweiten Halbzeit verdient hatten.

Dass Höger zur 79. Minute ausgewechselt worden war, hatte sich aus dem Spielverlauf ergeben. Denn anders als seine Kollegen hatte er früh erkannt, worum es ging und sich von der ersten Minute an kompromisslos ins Geschehen gestürzt.

Schon in der 25. Minute hatte er die Gelbe Karte gesehen, nach dem dritten Kölner Tor war er durch Salih Özcan ersetzt worden, um sich nicht noch eine Sperre abzuholen. „Die Darmstädter haben es uns mit ihrer körperlichen Spielweise schwer gemacht. Wir hatten vor allem in der ersten Hälfte Probleme“, berichtete Höger.

Darmstadts Mittelstürmer Terrence Boyd etwa brachte seine Athletik heftig ein. Der kantige US-Nationalspieler kam an viele Bälle, die ihm zwar meist wegsprangen, um dann jedoch wie durch Zauberhand bei den eigenen Leuten zu landen. „Er ist nunmal größer als fast alle anderen. Dann verliert man die Kopfballduelle, und auch die zweiten Bälle haben wir oft verloren. Deswegen wurden wir zu langen Bällen gezwungen“, sagte Höger. Dadurch kam ein überwiegend unansehnliches Spiel zustande. „Das war sicherlich nicht schön anzuschauen und hat sich auch für uns nicht schön angefühlt“, gestand Höger.

Rafael Czichos, Kölns am Samstag unüberwindlicher Innenverteidiger, berichtete später von einer deutlichen Ansage zur Halbzeit: „Der Trainer hat uns klar gemacht, dass wir das Spiel ohne Zweikämpfe nicht gewinnen werden“. Und trotz des eher banalen Inhalts änderte sich tatsächlich etwas, als die Kölner des Trainers Vorschlag in die Tat umsetzten.

Dass sich auch in der zweiten Halbzeit die Chancen nicht gerade häuften, war ein lässlicher Makel, denn der FC zeigte seine vollständige Klasse in der Offensive: Erst inszenierten Louis Schaub und Dominick Drexler einen Hochgeschwindigkeitsangriff, den Simon Terodde per Kopfball zum 1:0 (55.) abschloss.

Tribünen leerten sich schnell

Nach Schaubs in den Fünfmeterraum geschnittene Ecke erhöhte Czichos auf 2:0 (66.). Vier Minuten später leisteten sich die Darmstädter einen Abwehrfehler, den ein Angriff wie der des FC umgehend bestrafte: Frankes Kopfball-Rückgabe geriet etwas kurz, Darmstadts Keeper Daniel Heuer Fernandes zögerte für einen entscheidenden Moment – schon war Jhon Córdoba in den Ball gesprintet und hatte das 3:0 erzielt.

Die Tribünen leerten sich anschließend in Windeseile, die Partie war entschieden, zumal die Kölner Defensive sicher stand. Erstmals seit Ende September und überhaupt erst zum zweiten Mal in dieser Saison blieben die Kölner ohne Gegentor. Und weil sie aus wenig viel machten, stand am Ende ein klarer Erfolg. „Das ist unsere Qualität. Das macht es dann aus, dass wir hier nicht 0:1 verlieren, sondern 3:0 gewinnen“, sagte Höger zufrieden.

Viel mehr steckte tatsächlich nicht hinter dem Kölner Erfolg. Darmstadt hatte taktisch alles herausgeholt, doch einen Punkt hatte der ersatzgeschwächte Kader nicht hergegeben.

Trainer Dirk Schuster musste das einsehen, er nahm die Niederlage gefasst hin. „Meine Mannschaft hat gegen einen sehr starken Gegner auf Augenhöhe gespielt. Die individuelle Qualität hat sich dann durchgesetzt. Es bleibt ein schlechtes Gefühl zum Ergebnis, aber ein gutes Gefühl wegen der Leistung.“

Bei den Kölnern dürfte die Gefühlslage vor allem angesichts des Ergebnisses überwiegend umgekehrt gewesen sein.