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Vettels Verhandlungen mit Ferrari scheitern: Das Ende einer erfolglosen Ära

Vettels Verhandlungen mit Ferrari scheitern : Das Ende einer erfolglosen Ära

Sebastian Vettel scheitert krachend damit, bei Ferrari eine Erfolgsgeschichte wie sein Idol Michael Schumacher zu begründen. Nun gehen der Pilot und der Rennstall getrennte Wege.

Sebastian Vettels Ferrari-Mission geht mit unverhohlenen Misstönen zu Ende, der Versuch, eine Ära zu beginnen wie bei seinem großen Idol Michael Schumacher, ist krachend gescheitert. Der 32 Jahre alte viermalige Formel-1-Weltmeister und die Scuderia konnten sich nicht auf einen neuen Vertrag ab dem kommenden Jahr einigen.

Ob Vettel weitermacht, sich womöglich ein noch spektakulärerer Wechsel anbahnt oder er seine Karriere mit dann 33 Jahren abrupt beendet und womöglich für die erste Saison ohne deutschen Stammfahrer seit 1990 sorgt – alles offen. Fest stand nach den gescheiterten Verhandlungen für Vettel nur: „Das Team und ich haben gemerkt, dass es nicht mehr den gemeinsamen Wunsch gab, über das Ende dieser Saison zusammenzubleiben.“ So endet Vettels Traum nach sechs Jahren und schlimmstenfalls ohne einen einzigen gemeinsamen Titel. Selbst ein Abschied ohne weitere Fahrt im roten Rennwagen ist wegen der Corona-Krise nicht ausgeschlossen.

„Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, ist es für alle Beteiligten wichtig, in perfekter Harmonie zu arbeiten“, erklärte Vettel. Und Teamchef Mattia Binotto betonte, es sei die beste Entscheidung für beide Seiten.

Als Nachfolger für Vettel wird bereits der spanische McLaren-Pilot Carlos Sainz gehandelt, der Vertrag des 25-Jährigen läuft ebenfalls Ende des Jahres aus. Zu Spekulationen über eine Vettel-Verpflichtung wollte sich McLaren nicht äußern – Teamchef Andreas Seidl und Vettel schätzen sich seit der gemeinsamen Zeit bei BMW-Sauber.

Dafür zündelte der Teamchef des deutschen Werksrennstalls Mercedes ein wenig. „Sebastian ist ein großartiger Fahrer, eine große Persönlichkeit und für jedes Formel-1-Team eine Bereicherung“, sagte Toto Wolff auf die Frage, ob die Silberpfeile nun versuchen würden, Vettel zu verpflichten: „Mit Blick auf die Zukunft sind wir in erster Linie gegenüber unseren aktuellen Mercedes-Fahrern zu Loyalität verpflichtet, aber wir können diese Entwicklung nicht außer Acht lassen.“

Auch die Verträge von Sechsfach-Weltmeister Lewis Hamilton (35) und des Finnen Valtteri Bottas (30) enden nach dieser Saison - und eine Paarung Hamilton/Vettel im seit Jahren besten Auto der Motorsport-Königsklasse könnte der durch Corona auch stark kriselnden Rennserie ungeahnten Schub geben. Ein Wechsel von Hamilton zu Ferrari ist zumindest theoretisch denkbar, für praktisch umsetzbar halten ihn wenige.

Dass Vettels Verhandlungen mit Ferrari scheiterten, hatte seine Gründe. „Das Finanzielle hat keine Rolle gespielt“, betonte Vettel. Medienberichten zufolge bot Ferrari ihm zunächst nur einen Kontrakt über ein Jahr zu deutlich geringeren Bezügen an, dann über zwei. Was auch immer es wirklich war – in Vettels Sinn war es nicht.

Ihm ist auch nicht entgangen, dass Ferrari ohnehin auf seinen zehn Jahre jüngeren Teamkollegen Charles Leclerc zählt, der via Twitter auf das bevorstehende Ende der zuletzt vergifteten Renngemeinschaft mit Vettel reagierte: „Ich habe nie so viel gelernt wie mit Dir als Teamkollege. Danke für alles, Seb.“

Was in den vergangenen Monaten passiert sei, habe bei vielen dazu geführt, über die Prioritäten nachzudenken. Was genau Vettel damit meinte, führte er nicht aus. Vermeintliche Indiskretionen über die Verhandlungen mit seinem Noch-Arbeitgeber dürften die Entscheidung des dreifachen Familienvaters gegen eine weitere Zusammenarbeit auch beeinflusst haben.

Fraglich ist trotz aller Beteuerungen, wie Vettel und Ferrari die noch geplante neue Saison überstehen wollen. Denn eines konnte sich Vettel bei Ferrari dem Anschein nach nie erarbeiten, wie es Schumacher geschafft hatte, nachdem er als zweimaliger Titelträger zu Ferrari gewechselt war: uneingeschränkten Respekt und bedingungslosen Rückhalt.

(dpa)