Aachen: Das deutsche Happy End bleibt aus

Aachen: Das deutsche Happy End bleibt aus

Daniel Deußer kennt das ja ganz gut, dass am Ende einer Teamentscheidung der Druck auf ihm und seinem Wallach Cornet d‘Amour lastet. Das ist das Schicksal des Schlussreiters, und so ein Schlussreiter ist Deußer schon oft gewesen, auch jetzt bei der Europameisterschaft.

Am Donnerstag hat das gut geklappt, der Springreiter wahrte mit einer Nullrunde im ersten Umlauf des Nationenpreises die Chancen der deutschen Equipe auf EM-Gold.

Und Freitag, im zweiten Umlauf, war dieser Druck dann erneut da: Wieder Deußer, wieder Cornet d‘Amour, wieder musste eine Nullrunde her, um die führenden Niederländer unter Druck zu setzen und auf Gold hoffen zu dürfen; nur hat diese Geschichte kein Happy End: Ein Abwurf an einem Oxer besiegelte die Goldmedaille für die Niederlande. Das klingt nun dramatisch, der deutschen Equipe blieb ja mit 12,4 Strafpunkten Silber, vor der Schweiz, die sich am Freitag noch aufs Treppchen schob, und so ein zweiter Platz ist ja kein Grund zur Trauer. „Ja, wir haben Silber“, sagte Deußer, er lächelte, und fügte doch hinzu: „Es tut aber schon ein bisschen weh, weil wir so nah an Gold waren.“

So nah, dass ein fehlerfreier Ritt Deußers für den Titel gereicht hätte. Ludger Beerbaum und Chiara hatten zwar vier Strafpunkte gesammelt, weil aber Meredith Michaels-Beerbaum und Christian Ahlmann ohne Abwurf geblieben waren, wären die Deutschen bei einer Nullrunde Deußers bei 8,4 Strafpunkten geblieben — und hätten damit knapp vor den Niederländern gelegen, die am Ende 8,82 Punkte auf dem Konto hatten. „Letztlich haben wir einfach einen Fehler zu viel gemacht“, sagte Deußer.

Der zweite Umlauf hatte für das Team perfekt begonnen, Michaels-Beerbaum auf Fibonacci und Ahlmann auf Taloubet legten nach ihren Patzern am Donnerstag blitzsaubere Runden hin. Die Niederländer ließen sich davon nicht beeindrucken, sie lieferten ebenfalls zwei fehlerfreie Ritte ab. Die vor dem zweiten Umlauf führenden Franzosen hatten sich da schon aus dem Kampf um Gold verabschiedet; weil alle vier Reiter patzten, fiel Frankreich auf Platz 5 zurück. Pénélope Leprevost verlor wegen ihren vier Strafpunkten auch die Führung im Einzel an den Spanier Sergio Alvarez Moya; Ludger Beerbaum ist als Siebter bester Deutscher.

Der Routinier hätte mit einer Nullrunde das ideale deutsche Ergebnis perfekt machen können, Deußer hätte keinen Druck gehabt, weil er das Streichergebnis hätte liefern dürfen. In der dreifachen Kombination war Beerbaum aber zu locker unterwegs, eine Stange fiel. Es blieb nur spannend, weil sich der Niederländer Jur Vrieling danach einen Zeitstrafpunkt einhandelte; Deußer aber konnte das nicht nutzen.

Da fiel auch nicht mehr ins Gewicht, dass sich der niederländische Schlussreiter Gerco Schröder 14 Fehlerpunkte leistete. Jubeln durfte er trotzdem, über Gold, es war ein niederländisches Happy End, kein deutsches.

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