2019 ... Nur Mut!: „Das Comeback wird mein größter Sieg“

2019 ... Nur Mut! : „Das Comeback wird mein größter Sieg“

Wenn Simon Ernst an das Jahr 2018 zurückdenkt, ist da nicht viel Positives dabei, zumindest, was den Sport angeht. Der Handballprofi hat sich im März zum zweiten Mal das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen, er ist zwei Mal wegen der Verletzung operiert worden, die Karriere stand auf der Kippe.

Wenn Ernst (24) an das Jahr 2019 denkt, ist da eine Menge Positives. Er will sein Comeback geben, endlich für seinen neuen Klub Füchse Berlin spielen, das alte Niveau erreichen. Ernst sagt: „2019 wird besonders für mich.“ Über seine Leidenszeit und seine Zukunftspläne sprach der Spielmacher aus Düren mit Lukas Weinberger.

Hallo Herr Ernst, bei Ihnen ist die Frage gar nicht so banal wie so oft: Wie geht’s?

Simon Ernst: Das höre ich in den letzten Monaten tatsächlich häufiger als die meisten anderen Menschen. Es ging ja für längere Zeit fast gar nichts, aber jetzt geht’s mir soweit ganz gut. Im Alltag kann ich wieder normal herumlaufen.

Ohne Schmerzen?

Ernst: Die letzte Kreuzbandoperation ist jetzt gut fünf Monate her, und in der Reha komme ich Schritt für Schritt voran. Ich kann wieder joggen, ich kann Krafttraining machen, aber trotzdem ist noch Vorsicht geboten. Ich darf nichts überstürzen.

2018 war für Sie ein Jahr zum Vergessen, oder?

Ernst: Was mein Knie angeht: definitiv. Ich versuche, das zwar immer ein bisschen zu relativieren, aber das ist schwierig…

… weil das Handballspielen ein großer Teil Ihres Lebens ist.

Ernst: Da hängt nun mal eine Menge daran. Es ist meine Leidenschaft, mein Beruf, mein Hobby. Das ist schon die eine oder andere Träne geflossen, nicht nur bei mir, auch bei meiner Familie. Und trotzdem sage ich immer wieder: Es ist nur ein Knie – auf der Welt gibt es viel schlimmere Dinge als einen Kreuzbandriss.

Es ist Ihre zweite schwere Kreuzbandverletzung: erst Juni 2017, dann März 2018, nur wenige Wochen nach Ihrem Comeback; beide Male das rechte Knie, beide Male das vordere Band. Sie sind insgesamt drei Mal am Kreuzband operiert worden.

Ernst: Die letzte Zeit war nicht einfach, keine Frage. Ich habe in den vergangenen anderthalb Jahren nur eine Handvoll Spiele gemacht, und auch in den nächsten Monaten werden keine dazukommen.

Ist das mental nicht sehr schwierig?

Ernst: Ich habe mich ja leider mehr oder weniger daran gewöhnt, nicht spielen zu können. Wenn ich darüber spreche, wird mir immer wieder klar, was das für eine lange Zeit ist. Ich habe aber keine große Lust, mich jeden Tag darüber zu ärgern. Ich will positiv bleiben, optimistisch und mutig.

Haben Sie keine Angst vor dem Karriereende?

Ernst: Doch, da muss ich auch als Optimist realistisch bleiben. Es ist meine zweite schwerwiegende Verletzung, und ich weiß: Das muss die letzte gewesen sein.

Sie studieren auch deshalb nebenbei International Management.

Ernst: Ich habe von Anfang an Wert darauf gelegt, mir ein zweites Standbein aufzubauen. Es ist ja kein Geheimnis, dass Handballspieler zwar ganz gutes Geld verdienen, die meisten von ihnen nach der Karriere aber ganz normal arbeiten gehen müssen. Und ich bin ja leider ein gutes Beispiel dafür, dass so eine Laufbahn schnell vorbei sein könnte.

Kam Ihr Comeback nach Ihrem ersten Kreuzbandriss im Februar 2018, als Sie noch für den VfL Gummersbach und damit gegen den Abstieg spielten, zu früh?

Ernst: Es lagen acht Monate zwischen dem ersten Kreuzbandriss und dem ersten Spiel, die Reha ist gut gelaufen. Das reicht eigentlich aus, um wieder fit zu werden. Ich habe mich bereit gefühlt. Und es ist ja auch nicht so, als hätte ich mich gleich im ersten Spiel wieder verletzt, da lagen ja schon einige Wochen zwischen. Ich hatte Pech. Auch deshalb möchte ich nicht nachkarten. Das hilft mir nicht weiter.

Ihr Wechsel zum Top-Klub nach Berlin wurde kurz nach Ihrer ersten Verletzung bekanntgegeben, kurz nach dem zweiten Kreuzbandriss verlängerten die Füchse Ihren Vertrag – das sind große Vertrauensbeweise. Sind Sie schon ein Berliner?

Ernst: Ein Berliner bin ich eher noch nicht, bei mir kommt immer der Rheinländer durch (lacht). Aber als Fuchs fühle ich mich schon. Der Verein und die Mannschaft haben mich toll aufgenommen, die Mischung passt, ich fühle mich sehr wohl – auch wenn ich natürlich gerne näher am Team wäre, als ich es derzeit sein kann.

Sie haben noch nicht für die Füchse gespielt, sie konnten bislang nicht mal ein Teamtraining mitmachen.

Ernst: Leider. Ich spule mein Rehaprogramm individuell ab, auch wenn wir zuletzt ziemlich viele Verletzte hatten und fast mehr Spieler im Kraftraum waren als beim Mannschaftstraining.

Wann Sie Ihr Comeback geben werden, steht noch nicht fest, oder?

Ernst: Ich setze keinen exakten Zeitpunkt fest, weil ich mir einfach keinen Druck machen will. Am Ende muss das Knie mitmachen und auch mein Kopf. Ich muss mich wieder bereit fühlen, auf die Platte zu gehen und Handball zu spielen. Es kann sein, dass ich zum Ende der Saison noch ein paar Spiele mache, es kann auch sein, dass ich erst nach der Sommerpause zur neuen Spielzeit zurückkehre. Aber 2019 wird es klappen, da bin ich sicher.

2019 wird also ein Jahr zum Feiern.

Ernst: Keine Frage, meine Rückkehr wird etwas ganz Besonderes sein. Es wird für mich der größte Erfolg meiner Karriere sein, mein größter Sieg. Da ist es egal, dass ich drei Mal Europameister geworden bin. Zurückkehren, wieder regelmäßig Handballspielen, mein vorheriges Niveau erreichen, das ist das Ziel. Meine Titel sind mir da fast egal.

Klingt toll.

Ernst: Es ist tatsächlich so. Wissen Sie, ich habe zuletzt ein Spiel meiner Brüder geschaut, die wieder gemeinsam bei unserem Heimatverein TV Birkesdorf in Düren spielen. Und als ich da saß, ist mir noch mal klar geworden: Mir ist es fast egal, ob ich in Berlin vor 9000 Zuschauern spiele oder in Birkesdorf vor 100. Ich habe einfach unfassbar große Lust, wieder Handball zu spielen. Und das wird mir dieses Jahr gelingen.