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Nürburgring: „Dann machen wir eben keine Formel 1 mehr”

Nürburgring : „Dann machen wir eben keine Formel 1 mehr”

Dr. Walter Kafitz hat schon entspannter dreingeschaut, wenn er über den Höhepunkt des Jahres sprach.

Diesmal prägen Sorgenfalten die Stirn des Hauptgeschäftsführers der Nürburgring GmbH. Das Huhn, das goldene Eier legt, hat auch in der Formel 1 ausgegackert.

Eine Woche vor dem Großen Preis von Europa lässt Kafitz immer noch Flyer verteilen, Karten gibt es in allen Kategorien, selbst die Tageskassen werden geöffnet. Und der Rennstrecken-Chef betet: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir rote Zahlen schreiben.”

Im letzten Jahr kam Michael Schumacher mit einem 43-Punkte-Vorsprung auf Bruder Ralf in die Eifel, 150 000 sahen das Rennen. Nun führt der Weltmeister mit gerade mal drei Zählern vor Kimi Räikkönen, doch im Vorverkauf gingen schlappe 85 000 Tickets raus.

Rufen im Walde? „Wir erwarten deutlich über 100 000 Zuschauer”, sagt Kafitz und schiebt gleich einen Grund nach, warum die Tribünen auf keiner Strecke der Welt mehr zu bersten drohen: „Das Preisniveau ist sehr, sehr hoch - darüber kann man nicht mehr lachen.”

Seit 1997 tritt der ADAC als Promoter des Ring-GP auf. Die Liaison gilt noch für 2004, und sie steht auf tönernen Füßen. „Sicher geht es auch um Prestige”, sagt Hermann Tomczyk, „aber wenn wir draufzahlen müssen, machen wir eben keine Formel 1 mehr.”

Neben den altbekannten Ursachen (wie der gesamtwirtschaftlichen Lage) beklagt der ADAC-Sportpräsident auch eklatante Versäumnisse. „Ich habe das Gefühl, dass wir seit Jahren dieselbe Klientel begrüßen. Gerade der Deutsche braucht seinen local hero. Den hat er - Michael Schumacher. Aber man muss auch die 16- bis 18-Jährigen heranführen an die Generation der Räikkönens und Alonsos.”

Ein Wochenend-Paket für 150 Euro inklusive Bahnanreise und Eintrittskarte, „das ist zumindest eine Idee”. Für dieses Jahr stimmt Tomczyk der Kafitz-Prognose zu: „Wirtschaftlich erfolgreich wirds nicht.”