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Aachen: CHIO-Eröffnungsfeier: China-Flair mit vielen Paukenschlägen

Aachen : CHIO-Eröffnungsfeier: China-Flair mit vielen Paukenschlägen

Der Regisseur sitzt im Richterturm — und ist ziemlich nervös. Als Intendant im Grenzlandtheater kennt sich Uwe Brandt mit Aufführungen aus. An diesem Abend ist seine Anspannung erkennbar größer, weil die Herausforderung größer ist. 1000 Mitwirkende hat die CHIO-Eröffnungsfeier, die eigentlich eine China-Eröffnungsfeier ist, dazu kommen 260 Pferde.

Die sind wie in jedem Jahr die große Unbekannte, weil nicht jedes Tier Interesse hat, sich penibel am Regieplan zu orientieren. Was für Brandt und sein Team die Herausforderung aber noch größer macht: Es gab keine Generalprobe zum Nachjustieren, vielmehr wurden seit Wochen nur einzelne Elemente, einzelne Schaubilder einstudiert, aber nie ging es um die großen Abläufe.

Die Generalprobe findet nun erst an diesem stimmungsvollen Abend in der Soers statt und wird verfolgt von 40 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion und vielen Hunderttausend an den Bildschirmen. Das ist dann ziemlich aufregend für den Theatermann, weil er bis bislang nur erahnen konnte, wie sich die Puzzlestücke aneinanderfügen.

Es ist also angerichtet für einen fernöstlichen Abend mit zuweilen vielen exotischen Klängen. Das erste Wort aber haben die Pferde: Jede der beteiligten 25 Nationen stellt sich mit landestypischen Vierbeinern kurz vor. Eine Rikscha, mühsam gezogen vom Turniermaskottchen Karli, bringt die beiden Springreiterinnen Mei Mei Zhu und Laura Klaphake ins Stadion. Die Amazonen eröffnen die Spiele. Der „Wettkampf“ beginnt mit einer imposanten Shaolin-Kung-Fu-Show.

Es folgt ein Paukenschlag, eigentlich sind es ganz viele Paukenschläge. Für Eröffnungsfeiern ist das Ensemble „Manao — Drums of China“ gerade prädestiniert. 2008 starteten die jungen Chinesinnen mit einem gewaltigen Trommelwirbel die Olympischen Spiele in Peking. Seit nun zehn Jahren zieht die Gruppe mit ihrer Klangkunst durch die Welt. Frauen an traditionellem Schlagwerk — ein Bild, das lange unvorstellbar schien, weil das Instrument den Männern vorbehalten war.

Es dauert nicht zu lange, bis Lóng, Chinas Feuerdrache, erscheint. Er ist das wohl bekannteste Fabelwesen des Partnerlandes. Der Feuerdrache wird auch noch heute in ländlichen Gegenden angebetet, um beispielsweise Regen zu erbitten. In der Soers klappte das am Dienstag nicht — zur Freude der Terracotta-Armee, die als achtes Weltwunder gilt.

Bodypainterin für Pferde

Rückblende: Schon sechs Stunden vor der Eröffnungsshow werden die ersten Pferde im Farbzelt auf einem Parkplatz angemalt. Normalerweise verändert Marlies Brücker aus Rheine eher Menschen, sie ist eine gefragte Bodypainterin. Für das Turnier hat sie einen ungewöhnlichen Großauftrag angenommen. Sie verwandelt 60 Kaltblutpferde in Terracotta-Pferde, mit Schwamm und Pinsel wird die Farbe aufgetragen, jede „Maske“ dauert eine Stunde. Die Farbe lässt sich bei Tonkrieger und Tier leicht abwaschen, regnen sollte es also nicht während der Vorführung. Der Wunsch geht in Erfüllung, kein Wölkchen trübt das Pferdefest.

Pferde hatte das Partnerland selbst nicht mitgebracht, aber dafür einige Mitglieder des chinesischen Staatszirkusses. Manche dieser Hochleistungsartisten führen Kunststücke auf, die schon beim Bestaunen Schmerzen auslösen.

Ein traumschöner Abend biegt auf die Zielgerade ein. Die Anspannung im Richterturm hat sich inzwischen gelegt, das Puzzle ist aufgegangen. Feuersäulen schießen in die Luft, dann beginnt ein flirrendes Feuerwerk. Made in China.