Peder Fredricson über seinen CHIO-Sieg im Mercedes-Benz Nationenpreis

Peder Fredricson siegt mit Schweden im Nationenpreis : „Es ist immer noch unglaublich“

Peder Fredricson sichert als Schlussreiter der schwedischen Springreiter-Equipe den Sieg im Mercedes-Benz Nationenpreis. Im Interview verrät er, dass er dabei ein bisschen Glück hatte.

Peder Fredricson (47) war am Freitag ein gefragter Mann auf dem Turniergelände des CHIO Aachen, hier klopfte ihm ein anderer Reiter auf die Schulter, dort bat ein Zuschauer um ein Autogramm. Der Schwede hatte seine Nation am Donnerstagabend zum Sieg im Mercedes-Benz Nationenpreis vor der deutschen Equipe geführt, weil er als letzter Reiter des Teams mit seinem Pferd Christian die für den Triumph notwendige Nullfehlerrunde in den Parcours zauberte; es war der erste Sieg für die Schweden im Aachener Nationenpreis seit 1929. „Grandios“, sagt Fredricson. Im Interview spricht er über die Siegesfeier, das besondere Flair in Aachen – und das Bier für Daniel Deußer.

Herr Fredricson, wie war Ihre Nacht von Donnerstag auf Freitag?

Peder Fredricson: Schön, sehr schön sogar. Na gut, ich habe nicht besonders viel geschlafen – aber das war mir auch nicht so wichtig.

Sie haben also ausgiebig gefeiert.

Fredricson: Natürlich, es war ein toller Abend, eine tolle Nacht. Ich und meine Teamkollegen haben erst wirklich gut gegessen, danach haben wir ein Foto an der Wand gemacht, auf der alle Sieger des CHIO verewigt werden. Und ja, ein paar Getränke gab’s auch.

Bier oder Wein?

Fredricson: Ich bin eher der Biertrinker-Typ.

Und Ihre Teamkollegen haben aus Dank für Sie gezahlt?.

Fredricson (lacht): Nein, nein, ich habe selbst gezahlt.

Der Sieg am Donnerstag war der erste für Schweden im Nationenpreis des CHIO Aachen seit der ersten Austragung 1929 – und Sie haben ihn als Schlussreiter perfekt gemacht. Wie fühlt sich das an?

Fredricson: Ach, das ist kaum zu beschreiben. Es ist eine große Ehre. Der CHIO ist ein fantastisches Turnier, es hat fast historische Dimensionen. Dass wir als schwedisches Team den Nationenpreis gewonnen haben, ist einfach wunderbar. Ich glaube, das schaffst du nur einmal im Leben. Ich bin einfach nur stolz auf unsere Mannschaft.

Sie sind als letzter schwedischer Reiter in den Parcours gegangen, Sie brauchten eine Nullfehlerrunde für den Sieg: Waren sie nervös?

Fredricson: Es ist normal, dass der Druck ein bisschen größer ist, wenn du der letzte Reiter bist, aber nervös war ich nicht. Der Job für uns Reiter ist ja immer derselbe: keinen Abwurf leisten, keinen Zeitfehler machen. Es ist immer das Ziel, dass am Ende die Null steht.

Was Sie im ersten Umlauf nicht geschafft haben: Da standen am Ende 13 Fehlerpunkte für Sie, weil Ihr Pferd Christian an der dreifachen Kombination einmal stehengeblieben war.

Fredricson: Ich habe mich sehr darüber geärgert, dass Christian und ich so einen schlechten ersten Umlauf hatten.

Woran hat es gelegen?

Fredricson: Christian ist eigentlich kein Pferd, das stehenbleibt, aber er ist in diesem Jahr das erste Mal in Aachen. Er war beeindruckt von der Arena, 40.000 Zuschauer im Stadion, das kennt Christian nicht, er war ein bisschen schüchtern.

Und warum lief es in Runde zwei so viel besser?

Fredricson: Wir waren beide nach dem schwachen ersten Umlauf sehr motiviert, und ich habe Christian einfach vertraut. Wissen Sie: Wenn ein Pferd zu viel Druck von seinem Reiter bekommt, wird es eher keine Nullfehlerrunde reiten.

Klingt einfach...

Fredricson: Und hat am Donnerstagabend hervorragend funktioniert.

Wenn Sie nur 14 Hunderstelsekunden langsamer gewesen wären, hätten Sie einen Fehlerpunkt gehabt – und hätten ins entscheidende Stechen mit der deutschen Equipe gemusst: Wie sicher waren Sie sich, dass sie den Parcours in den vorgegeben 80 Sekunden schaffen werden?.

Fredricson: Um ehrlich zu sein: gar nicht (lacht). Ich wusste schnell, dass das eng werden würde, und es war auch nicht mein Plan, langsam und auf Sicherheit zu reiten. Am Ende muss ich sagen: Ich habe einfach Glück gehabt. Und das ist es ja, was es manchmal für einen Sieg braucht.

Den Deutschen hat dieses Glück gefehlt. Daniel Deußer hat einen Zeitfehler kassiert, weil er 28 Hunderstelsekunden zu langsam war.

Fredricson: So ist es. Und für mich ist es immer noch unglaublich, dass es uns gelungen ist, die Deutschen mit diesen Reitern und diesen Pferden zu schlagen. Und das auch noch in Aachen. Beim nächsten Mal ist es vielleicht andersrum...

Waren die Deutschen böse auf Sie?

Fredricson: Nein, nein. Ich habe Daniel ein Bier ausgegeben. Und er weiß ja auch, wie das ist: Manchmal hat man Glück, manchmal eben nicht.

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