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Aachen: Mit Behutsamkeit und Beständigkeit zum Erfolg

Aachen : Mit Behutsamkeit und Beständigkeit zum Erfolg

2008 - das war die Nagel-probe schlechthin für den „Rider of the Year”. Die Erfolgsliste des Duos Carsten-Otto Nagel und Corradina ließe sich mühelos verlängern, nur der Schlag Sahne wird auf dem Kuchen fehlen: die Teilnahme an den Olympischen Spielen mit der deutschen Equipe in Hongkong.

„Ich war nur als Ersatzreiter nominiert”, rekapituliert der 47-Jährige, „davon war mein Chef nicht begeistert, das war es dann.” Teilnahmeverzicht, „obwohl Corradina in Bombenform war. Das Pferd war reif für größere Aufgaben.”

Der nüchterne Holsteiner schildert diese Enttäuschung ohne große Regung, „es wäre schon schön, dabei gewesen zu sein”, aber durch den Verzicht auf die Ersatzrolle, blieb es Nagel auch erspart, in die unschönen Randereignisse hineingezogen zu werden. Aber der wehmütige Blick zurück ist nicht die Lebenseinstellung des gelernten Landwirts, eher die neue Herausforderung, die in diesem Jahr Europameisterschaft in Windsor heißt. „Wenn ich das Niveau des Vorjahres halten kann, dann bin ich schon zufrieden”, hat sich Nagel zugleich hohe wie bescheidene Ziele gesetzt.

Wobei die Bescheidenheit die Grundmelodie spielt. Denn Carsten-Otto Nagel gehört nicht zu der Sorte Reiter, die von einem Mäzen ein Erfolgspferd gestellt bekommen, sondern zu denen, die ein Pferd jung in ihre Obhut bekommen, dann behutsam aufbauen und ausbilden. Wie auch Corradina, die er als Vierjährige in seine Obhut bekam. Komplettiert wird diese Philosophie durch das Bestreben, „sich breit aufzustellen, flexibel zu sein”.

Doch auch mit dieser Einstellung muss man sich als Reiter der einen Fragen stellen, „die nervt total, wenn man immer wieder damit konfrontiert wird”, räumt Nagel ein. „Hinzu kommt der Generalverdacht, auch wenn es immer einige geben wird, die sich auf ganz dünnem Eis bewegen”, meint der 47-Jährigen. „Es gibt ja Regeln, nur einige halten sich nicht daran. Und die Internationale Reiterliche Vereinigung hat sich viele Verfahrensfehler und Verschleppungen geleistet, und dann stehen wir vor einer Situation, wie wir sie heute haben.”

Dass Carsten-Otto Nagel beim CHIO für die deutsche Nationenpreis-Equipe nominiert ist, nimmt er ausdrücklich nicht mit Genugtuung. „Das ist das Ergebnis von guter und langer Arbeit”, schätzt Nagel ein. Und welches Ziel setzt man sich, wenn man damit Anerkennung findet? „Wie bei jedem anderen Turnier auch, beständig sein”, lautet die Antwort.