Aachen: Maßnehmen ist eine echte Kunst

Aachen: Maßnehmen ist eine echte Kunst

Manche Mütter werden am Sonntagabend große Augen gemacht haben, als Töchterchen oder Sohnemann mit einem Tattoo am Arm vom Soerser Sonntag nach Hause kam. Doch das vermeintliche Tattoo ist die garantiert abwaschbare Arbeit eines Airbrush-Spezialisten, der in der Handwerkergasse für leuchtende Augen sorgte.

DMit feinen Schablonen und kleiner Spritzpistole sorgte er für kreative Malarbeit auf der Haut.

Der Airbrusher befand sich in guter Gesellschaft. Meister und Gesellen diverser Handwerkssparten (von der Handwerkskammer betreut) zeigen bereits traditionell am Soerser Sonntag dem Publikum vor der Haupttribüne, was sie so alles drauf haben, schließlich kamen wieder 37.500 Neugierige am Sonntag in die Soers.

Glaser Michael Schmid vom Betrieb Quadflieg (Spezialität Bleiverglasungen) beispielsweise sucht dringend kreative Köpfe, denen aparte Entwürfe für seine Werkstattmauer (Maße 2,70 mal sieben Meter) am Boxgraben einfallen sollen - Einsendern winken immerhin 100 Euro Prämie und die Verwirklichung ihres Entwurfs.

Schindeln von Hand

Weiter: Dachdecker schneiden aus der Hand Schieferschindeln, man kann sie als Andenken mitnehmen. Die Frisör-Innung mit Obermeister Norbert Beck am Mikro bietet ein attraktives Live-Programm. Haarmoden-Models Ute und Petra lassen sich für das „Wimbledon des Pferdesports” die Frisur herrichten, bei der blonden Petra sind es Locken. Die dunkelhaarige Ute saß mit einer gigantischen Hochfrisur beeindruckend anmutig auf dem Stuhl, rein nichts konnte ihr freundliches Lächeln erschüttern.

Neben onduliertem Haar war Maßschneider Werner Losberg zu finden - Hauptgewinn für betuchte Fans handgemachter männlicher Oberbekleidung. Sofort hätte der Heinsberger für einen Cut oder festlichen Frack (etwa 4500 Euro) Maß nehmen können.

Denn einer der letzten am Markt überlebenden Herrenschneider kommt gerne ins zu den Kunden ins Haus. „Das Maßnehmen ist eine Kunst, es erfordert andere Fertigkeiten als ein stupides Scannen von Bodygrößen”, versichert er und dabei ist der Schneider sichtlich in seinem Element.

Neben Tischler Detlef Bosch (Restauration von Türen) und Steinmetz Esser (Marmorbearbeitung) aus Herzogenrath sitzt ein weiteres altes Familienunternehmen (seit 1873).

Vater Karl und Sohn Marcel Schoenen restaurieren Gemälde und Rahmen. Letztere kann man in der Meisterwerkstatt (Wilhelmstraße) fertigen lassen. Vater Karl demonstriert es augenfällig, indem er sich nach Art von Magritte einen leeren Goldrahmen vors Gesicht hält, auf dem Kopf einen schwarzen Bowler.

Womit wir zurück bei den Pferden wären. Denen hat sich Innungs-Schreinermeister Ernst Cremer verschrieben. Seine Leute gaben hölzernen Steckenpferden den letzten Schliff, bohrten Augen und Grifflöcher ins hölzerne Tier - für lumpige zehn Euro pro Stück verbreitete man damit viel Freude.