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Aachen: Ludger Beerbaum erntet höflichen Applaus

Aachen : Ludger Beerbaum erntet höflichen Applaus

Ludger Beerbaum mag einigermaßen erleichtert gewesen sein, das Publikum war überaus milde gestimmt. Keine Buhrufe, als Beerbaum in den Parcours ritt, keine Protesttransparente, keine Pfiffe. Beerbaum wurde zwar nicht wie früher schon mal als Publikumsliebling mit lautem Gejohle begrüßt, aber wenigstens doch mit höflichem Applaus. Das hätte auch anders sein können, denn vor zwei Wochen hat Beerbaum zur aktuellen Doping-/Medikationsdebatte beigetragen, er habe jahrelang nach dem Grundsatz verfahren: „Erlaubt ist, was nicht gefunden wird.”

Endlich mal einer, der´s zugibt. Aber auch einer, der möglicherweise auch dem Aachener Publikum gegenüber nicht ganz ehrlich war. Beerbaum mag also erleichtert gewesen sein, dass ihm das am Dienstag offenbar alle nachgesehen oder wenigstens geschwiegen haben.

Sportlich lief es für Beerbaum auch nicht so schlecht, im nachmittäglichen Springen um den Stawag-Preis belegte er mit Gotha Platz sieben. Beerbaum war ohne Fehler geblieben, aber das hatte natürlich bei weitem nicht gereicht, um an diesem Tag den Brasilianer Bernardo Alves zu schlagen.

Mit Alves war es ja so: Morgens, im Eröffnungsspringen um den NetAachen-Preis, hatte er sich mit Kingly du Reverdy noch Peder Fredricson (Schweden) und Maloubet de Pleville um 24 Hundertstel Sekunden geschlagen geben müssen, nachmittags im Stawag-Preis ist ihm dergleichen mit Chupa Chup nicht noch einmal passiert.

Eigentlich hatte es sich Ashlee Bond auf dem ersten Platz schon richtig gemütlich gemacht, sie hatte sich eingerichtet und arrangiert. Kein Fehler, 68,95 Sekunden, das hätte es eigentlich gewesen sein müssen. Eigentlich. Ashlee Bond aus den USA war mit Cadett als Achte an den Start gegangen und hatte sich mit fast zehn Sekunden Vorsprung komfortabel an die Spitze gesetzt, 32 Ritte lang. Dann kam Bernardo Alves.

Enge Wechsel, lange Sprünge

Alves ritt mit Chupa Chup, als säße ihm der Pferdemetzger im Nacken, enge Handwechsel, lange Galoppsprünge, vor der dreifachen Kombination am Ende erst ein kurzes Zögern, dann sicher durch. Kein Fehler, 67,43 Sekunden, noch mal eineinhalb Sekunden schneller als Ashlee Bond. Das war´s, Sieg im Stawag-Preis, und Ashlee Bond erfuhr bei ihrem ersten Auftritt in Aachen überhaupt, wie Bernardo Alves sich an diesem Vormittag gefühlt haben muss. Andererseits: Es gibt natürlich Schlimmeres auf der Welt, als beim CHIO mal Zweiter zu werden, was Bond, 24, später auch freundlich lächelnd zugab. Marcus Ehning wurde mit Küchengirl Dritter. Christina Liebherrs Pferd No Mercy verletzte sich während des Rittes ohne ersichtlichen Grund an einer Sehne und wird wohl heute in einer Aachener Tierklinik operiert.

Die allgemein heitere Stimmung trübte das nicht. Bernardo Alves war während der Siegerehrung derart ausgelassener Stimmung, dass er seinen Sieger-Blumenstrauß einer Zuschauerin in die Arme warf. Kein Wunder, dass das Publikum am ersten Tag in der Soers so überaus milde gestimmt war.