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Hamburg: Isabell Werth: „Ich bin keine Kriminelle”

Hamburg : Isabell Werth: „Ich bin keine Kriminelle”

Die fünfmalige Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth, deren Pferd Whisper positiv auf die Dopingsubstanz Fluphenazin getestet wurde, hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) kritisiert. „Es wäre schön zu wissen, dass der Verband auch in schlechten Zeiten zu einem hält. Das Gefühl habe ich im Moment nicht.”

Das sagte die 39-Jährige aus Rheinberg dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel”. Sie fühle sich „in eine Ecke gestellt, in die ich nicht gehöre. Ich bin keine Kriminelle”.

Diskussionen über die schwierige Abgrenzung zwischen Medikation und Doping gebe es zwischen Reitern und Funktionären schon seit Jahren: „Da kann keiner sagen, er habe nichts gewusst. Nachdem bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen Ludger Beerbaums Pferd Goldfever mit einer verbotenen Substanz erwischt wurde, hatten wir doch die gleiche Debatte. Da wurde sogar eine Task Force eingesetzt, von der man dann nichts mehr gehört hat.”

Werth wirft dem Verband vor, auf „Druck des Fernsehens eine sehr plakative Position” eingenommen zu haben, um von eigenen Versäumnissen abzulenken. „Es gibt unterschiedliche Medikationslisten auf nationaler und internationaler Ebene. Das macht es uns nicht leichter”, beklagte sie.

Auf die Absurdität der derzeit geltenden Regeln hätten die Reiter ihre Funktionäre schon vor Jahren hingewiesen: „In der wettkampffreien Zeit kann man behandeln, wie man will, und bei Wettkämpfen gilt die Nulllösung”, sagte Werth. Mit der entscheidenden Frage „Dopen, therapieren ­ wo verläuft die Grenze?” lasse der Verband seine Aktiven allein. „Ich war immer dafür, die Medikamentengabe transparent zu machen und in Behandlungsbüchern zu dokumentieren.”

Das aber bedeute hohe Kosten für den Verband. Sie sei dafür, unangemeldete Trainingskontrollen durchzuführen, wie sie etwa bei Schwimmern und Leichtathleten üblich seien. Kritik an ihrer Zusammenarbeit mit dem Tierarzt Hans Stihl, der bei Doping-Experten als Zauberdoktor einen zweifelhaften Ruf haben soll, weist Werth zurück. Von Stihl betreute Pferde der Reiter Ulla Salzgeber und Toni Haßmann waren 2003 und 2006 positiv auf verbotene Substanzen getestet worden. „Ich habe Stihl immer als sehr gewissenhaften Arzt erlebt”, meinte Werth.