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Aachen: Galopp durch die Soers führt nach Olympia

Aachen : Galopp durch die Soers führt nach Olympia

Der Geist von Olympia weht noch nicht durch das Dressurstadion. Dafür ein leichter, kühlender Wind, und Steffen Peters sagt: „Die Bedingungen sind perfekt.” Deswegen geht seine Trainingsrunde weiter. Schritt für Schritt bewegt er sein Pferd, elegant galoppiert er durch das Viereck.

Es sind kleine Schritte für Peters in diesen Trainingstagen, und doch schreiten er und sein Pferd Ravel dabei mit Siebenmeilenstiefeln nach Olympia.

Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür, und der US-Amerikaner Steffen Peters und seine Dressurmannschaft bereiten sich auf die Wettbewerbe, die in Hongkong statt Peking stattfinden werden, in Aachen vor. „Es gibt keinen besseren Platz, um ein Turnier zu reiten. Und keinen besseren Platz, um zu trainieren”, sagt er.

Seit Samstag sind die Amerikaner beim Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) zu Gast, können sich hier zunächst in Ruhe auf Hongkong vorbereiten. Sie dürfen sogar das Flutlicht anschalten, um den Wettkampf zu simulieren. In Hongkong wird nämlich abends geritten.

„Wir haben hier optimale Bedingungen. Unser Dank gilt dem ALRV”, sagt Klaus Balkenhol. Der Deutsche ist 1992 in Barcelona mit der Equipe seiner Heimat zu olympischem Gold geritten, hat als Trainer diesen Triumph mit Deutschland später wiederholt und ist nun der Trainer der Amerikaner. „Wir haben hier alle Zeit, die wir brauchen.”

Ab Donnerstag wird dies freilich anders. Denn dann ist Aachen - neben Warendorf - so etwas wie der Anreiteplatz für Olympia. Denn mehr als 100 Pferde werden in Aachen die vorgeschriebene Quarantäne antreten. Dann sind die Trainingszeiten nach einem straffen Plan organisiert und die meisten Ställe bis in die letzte Box belegt.

Klaus Balkenhol genießt aber erst einmal die Ruhe. Relaxt, so muss man die Stimmung der Amerikaner, die in einem benachbarten Hotel wohnen,Êbeschreiben. Relaxt, aber nicht gleichgültig. Denn eine Medaille ist durchaus erwünscht in der Heimat. „Wir leben erst einmal den Olympischen Gedanken, wollen aber möglichst gut und fehlerfrei abschneiden und streben so eine Medaille an”, sagt der Trainer und gibt seinem Reiter Peters Anweisungen. Reiter und Pferd reagieren prächtig. Balkenhol lobt.

„Das war sehr gut”, sagt er. Die amerikanische Fachjournaille gibt den Spitzenreitern Debbie McDonald, Courtney King-Dye und Steffen Peters (Ersatzreiterin ist Leslie Morse) sogar Chancen, wenn es um die Goldmedaille geht. Die Favoriten kommen hier in der Regel aus den Niederlanden und eben Deutschland. Auf ihrer Mission Hongkong haben sich die deutschen Reiter schon einmal „goldene Reiter” taufen lassen.

Zehn Pferde und sechs Reiter, Pfleger, Physiotherapeuten und Tierarzt haben mit Generalmanager Gil Merrik in Los Angeles eingecheckt. Von dort ging es über Amsterdam nach Aachen. Mit rund fünf Tonnen Gepäck. Zehn Stunden dauerte allein der Flug, doch für die Pferde war die Reise noch länger und beschwerlicher.

Rund 30 Stunden haben sie von ihren Ställen zwischen Los Angeles und San Diego und bis Stall 4 in Aachen in Transportern, Containern und dem Flugzeug verbracht. „Da brauchen sie erst einmal Zeit sich zu akklimatisieren. Auch Pferde spüren den Jetlag”, sagt Merrik.

Gerne wären die US-Dressurreiter noch früher in Aachen gewesen - nämlich zum CHIO. Doch weil es in Amerika guter Brauch ist, alle Olympiastarter in sogenannten Trials zu küren, mussten sie Aachen auslassen. Die Termine überschnitten sich. „Aber im nächsten Jahr ist Aachen wieder als Höhepunkt des Jahres eingeplant”, sagt Merrik. Wo sonst gebe es solche Bedingungen? Und der Olympische Geist wird die amerikanischen Reiter in den nächsten Tagen auch noch erreichen. Ganz sicher.