Aachen: Europameisterschaften: Frank Kempermans Finale

Aachen: Europameisterschaften: Frank Kempermans Finale

Ein paar Tage hat sich die digitale Uhr des Aachen-Laurensberger Rennvereins ausruhen können. Der Countdown für das CHIO-Light-Turnier war abgelaufen, die Ziffern hatten vorübergehend Pause. Aber weil nach dem Turnier immer auch vor dem Turnier bei den Reiterfreunden ist, wird der Chronometer an der Krefelder Straße am Montagmorgen wieder an die Arbeit gehen. Mit der Startnummer 71 läuft dann an der Krefelder Straße der nächste Countdown an.

Am 11. August beginnen in der Soers die Reit-Europameisterschaften, die wichtigste Veranstaltung im Turnierkalender der Pferdefreunde. Bis zum 23. August werden die Europameister in gleich fünf Disziplinen (Reiten, Voltigieren, Fahren, Dressur, Vielseitigkeit) ermittelt. Das Turnier wird einmalig bleiben, „eine Ausnahme“, meint Ingmar de Vos, der neue Präsident des Weltverbandes (FEI). Aachen bekommt eine Sonderbehandlung, weil es aus Reitersicht das Mekka der Sportart ist. Hier sind schon viele bedeutende Reiter gekrönt worden, die letzte Europameisterschaft ist allerdings schon wieder 44 Jahre her. Es siegte damals Hartwig Steenken.

„Wir sind bereit, könnten jetzt schon anfangen“, sagte Frank Kemperman schon zum Auftakt des „Weltfest des Pferdesports“. Die augenfälligste Veränderung konnten die Besucher schon an diesem Wochenende feststellen. Das Dressurviereck ist ins große Reitstadion verlegt worden. Bei den Weltreiterspielen 2006 wurden die Aachener noch als größenwahnsinnig abgestempelt. Der Erfolg gab ihnen dann recht. Zehntausende verfolgten die Piaffen und Pirouetten im größten Reitstadion der Welt.

Die Veranstalter sind bereit. „Es macht für uns keinen Unterschied, ob wir eine Europameisterschaft oder einen Großen Preis austragen“, sagt der Turnierchef. Ein paar Wege im Ladendorf werden in den nächsten Tagen noch gepflastert. Der Sandplatz auf dem großen Trainingsplatz bekommt noch ein Dach gestiftet, das jenseits der Turniere auch ein dringend notwendiger Lagerplatz sein wird. Am Montag werden die Rasengutachter das Geläuf eingehend inspizieren und die Maßnahmen bis zum nächsten Aufgalopp im August festlegen. Und weil der heilige Rasen gerade schon strapaziert wurde, wird in den nächsten Tagen noch die Eröffnungsfeier geprobt — ehe der Rasen wieder seine Ruhe erhält.

Für Kemperman wird die EM das letzte Championat seiner beruflichen Karriere sein. Und auch der ALRV kann nicht annähernd einschätzen, wann noch einmal Welt- oder Europameister in der Soers gekürt werden. Beim Reitsport-Weltverband gehen die Uhren längst ein bisschen anders. Die FEI ist mit dem Uhrenhersteller Longines verbandelt, während der ALRV langfristig mit Rolex kooperiert. Solche Sportpolitik bestimmt auch, wo die Reiterzunft ihre wichtigen Medaillen ausreitet.

Tickets für die EM gibt es noch ausreichend. Mehr als ein Drittel der etwa 350.000 Karten ist vergeben, sagt Vermarkter Michael Mronz. „Wir sind im Plan.“ Das Turnier wird ab sofort noch intensiver beworben. „Wir sind zuversichtlich, dass es noch einen großen Schub geben wird“, sagt Kemperman. Der ALRV hat aus seiner Sicht zumindest preislich einen Anreiz geschaffen. „Wir haben die Eintrittspreise der Weltmeisterschaft von vor neun Jahren beibehalten. Das ist unsere Politik.“

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