Aachen: Einmal den Großen Preis gewinnen

Aachen: Einmal den Großen Preis gewinnen

Klar, gefreut hat er sich, als er Weltmeister wurde, so „richtig realisiert habe ich es aber erst sechs, sieben Monate später. Es ist ein gutes Gefühl.” Philippe Lejeune schmunzelt und setzt gleich hinzu: „Aber mein Leben hat sich nicht geändert, ich bin immer noch mit beiden Beinen auf dem Boden und reite weiter meine jungen Pferde in 1,20-Meter-Prüfungen selbst.”

Der Weltmeister der Springreiter ist bodenständig, der Erfolg lässt ihn nicht abheben, dafür weiß der Belgier viel zu gut, wie es ist, wenn mal die geeigneten Pferde fehlen.

Ein Tag am Meer

Daher lässt er es auch gerne einmal ruhig angehen. Am Sonntag verlud er sein WM-Pferd Vigo und verbrachte den Nachmittag mit seinem Sohn am Meer. „Wir sind am Strand galoppiert und ins Meer geritten. Das muss auch mal sein. Ich lebe für meine Pferde, und ihre Gesundheit steht für mich vor den Turnieren.”

So ungewöhnlich seine Aachen-Vorbereitung ist, so genau hat er nach der EM 2009 in Windsor sein Jahr mit Blick Richtung WM geplant. „Ich denke, man kann mit einem Pferd nur ein Ziel richtig angehen”, ist seine Erfolgsdevise. „Der WM-Sieg hat mich selbst überrascht. Aber ich hatte ein gutes Gefühl auf Vigo. Ich wusste, wenn ich keine Fehler mache, ist ein Platz unter den ersten Zehn möglich”, blickt der 51-Jährige, der aus der Nähe von Brüssel stammt, zurück.

Vigo dArsouilles, wie der Hengst mit vollem Namen heißt, kam als Siebenjähriger in Lejeunes Stall. „Am Anfang war er nicht einfach, es hat lange gedauert wegen seines raumgreifenden Galopps. Aber er ist ein tolles Pferd”, schwärmt Lejeune, der 2002 mit dem Hengst Nabab de Reve bereits WM-Team-Bronze gewonnen hatte.

Aachen ist für Lejeune etwas ganz Besonderes: „Nach der Schule habe ich mit 15 Jahren bei Eric Wauters als Pfleger begonnen. Und mein erstes Turnier war Aachen. Seither war es mein Traum, selbst hier zu reiten.” Das zweite einschneidende Erlebnis: 2001 gewann die belgische Equipe den Nationenpreis, „und 50 000 Zuschauer haben für mich bei der Siegerehrung Happy Birthday gesungen. Und ich würde so gerne einmal den ,Großen Preis gewinnen.”

Anno 2011 zählt er zum Kreis der Favoriten, auch für die EM in Madrid im September, doch auf die wird Lejeune wohl verzichten. „Ich habe immer meine Planung nach dem Team gerichtet, jetzt möchte ich mal an mich denken und stattdessen zeitgleich in Calgary starten.” Denn der dortige Grand Prix ist hoch dotiert und wie der „Große Preis von Aachen” heiß begehrt.

Und für Lejeune ist es wahrscheinlich die letzte Chance, ihn mit Vigo zu gewinnen, denn nach Olympia 2012 in London soll der dann erst 13-jährige Hengst seinen Abschied aus dem Sport nehmen und nur noch zur Zucht eingesetzt werden. „Das ist seit zwei Jahren so abgesprochen. Ich hoffe, dass Vigo in meinem Stall bleiben kann, und ich werde weiter mit ihm ins Gelände reiten.”