1. Sport
  2. CHIO

Aachen: Ein Gläschen Els löst die Befangenheit

Aachen : Ein Gläschen Els löst die Befangenheit

Ein einsames russischesFähnchen - weiß-rot-blau - hängt an der Pferdebox im Stall. Ein Zeichen deutsch-russischer Freundschaft? Vielleicht. Jedenfalls war die Kontaktaufnahme der Aachener Stadtreiter, die mit einem in einem Zelt untergebrachten Stall auf Gut Kuckesrath am Soerser Weg kampieren, mit den in unmittelbarer Nachbarsachaft untergebrachten Russen nicht ganz einfach.

In Dreierreihen angetreten

Mit dem Militär sowieso nicht, das schottet sich ab, tritt allenfalls in Dreierreihen mit blank geputzten Reitstiefeln und Kampfanzug zum Essenfassen an. Im Gleichschritt, drei Kästen mit Colaleergut dabei, marschieren die Elitesoldaten aus dem Kreml, die als Repräsentanten des diesjährigen CHIO-Partnerlandes nach Aachen gekommen sind, los. Zurück bleiben die „Zivilisten”, wie die Stadtreiter die russischen Sportler, die Dzhigits - das sind Stuntreiter - nennen. Die nicht - wie die Soldaten - in Reih´ und Glied zum Morgenmittagabendappell antreten müssen.

Mit den Dzhigits läuft auch die Kontaktaufnahme besser, obwohl sie kein Deusch oder Englisch sprechen und die Stadtreiter kein Russisch. Völkerverständigung läuft manchmal anders, eine Flasche Els am späten Abend- aber ohne das traditionelle Zuckerklümpchen im Schnapsgläschen - löst die Befangenheit und lässt beinahe so etwas wie deutsch-russische Freundschaft aufkommen. Schließlich dürfen sie, im Gegensatz zur Präsidentenwache, mit allen sprechen, wenn´s möglich ist.

Da liegt, wegen der Zelte mit den russischen Fahnen auf dem Dach, Zeltlagerstimmung in der Luft, und wenn auch der strenge Blick eines russischen Offiziers ein wenig einschüchtert, nutzt ein paar Meter weiter eine eine Stuntfrau die Gunst der Stunde und hält ein Mittagsschläfchen auf einer der vielen, auf ihren Einsatz wartenden Kutschen.

„Njet”

Damit ist sie aber auf weitem Feld die einzige, nur eine andere mistet noch den Stall der wertvollen Pferde aus. „Njet”, sagen beide. Sie können keine Auskunft geben. Können nichts über den Verbleib der anderen Dzhigits sagen. Den wortreichen Erklärungen in der Sprache Tolstois ist irgendwie zu entnehmen, das die anderen auf dem CHIO-Gelände sind. „Nett sind die”, schwärmt Jutta Bernsen, die Pressessprecherin der Aachener Stadtreiter.

Also doch noch gute Aussichten für den kleinen aber feinen Kulturaustausch auf Gut Kuckesrath. Pferdefreude unter sich - die verstehen sich auch ohne großartigen Sprachkenntnisse. Ihr tun aber die Elitesoldaten leid, „die sollen einen ganz strengen Kommandanten haben”.

Die Aachener Stadtreiter sind ein Pfund, mit dem die Stadt auf dem CHIO wuchern kann. Mit 20 Reitern und zehn Pferden, die ständig im Stall bereitstehen, die zehn anderen Rösser werden per Pferdetransporter herangekarrt, stehen sie parat.

Die Stadtreiter zeigen sich den Zuschauern, sie sind da bei den Siegerehrungen, sie repräsentieren in ihren schweren schwarzen Reiterröcken mit dem Zweispitz auf dem Kopf häufig am Rondell hinter dem Haupteingang. Jeweils zu viert, abwechselnd. „Siegerehrungen und Repräsentieren am Rondell sind Pflicht”, sagt Stadtreiter Detlef Weyer, „das Mitreiten bei der Eröffnungs- und der Abschlussfeier ist dagegen Kür”.

Die Stadtreiter lieben ihr Hobby, das Reiten. Und um beim CHIO dabei sein zu dürfen, nehmen sie selbstverständlich Urlaub.