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Dressur: Nadine Capellmanns „Schnuckel” macht seine Farben froh

Dressur: Nadine Capellmanns „Schnuckel” macht seine Farben froh

Eine solche Spannung gibt es sonst nur, wenn Ludger Beerbaum im Stechen gegen Rodrigo Pessoa oder Deutschland im Endspiel gegen Brasilien steht: Auch diesmal war es ein Dressur-Duell zwei gegen zwei, und es war ein Wimpernschlag-Finale.In einer hochklassigen Kür gewann die Aachenerin Nadine Capellmann auf Farbenfroh den „Großen Dressurpreis von Aachen” um 0,26 vor Europameisterin Ulla Salzgeber (Bad Wörishofen) auf Rusty.

Zuerst herrschte atemlose Stille, dann brach lautstarker Jubel über der Reiterin und ihrem Fuchswallach zusammen. Nadine Capellmann fiel Farbenfroh um den Hals. „Ich habe nur gedacht, mein Schnuckel”, strahlte die 36-Jährige. „Endlich”, dachten ihre Fans.

Endlich, weil Farbenfroh sein Genie auch einmal in der Kür ausgespielt hatte, nachdem er tags zuvor den Sieg im Spézial mit einem Wechselfehler und einer verpatzten Pirouette verschenkt hatte.

„Das wären über 2000 Punkte gewesen”, mutmaßte ihr Trainer Balkenhol. So hatte sich Ulla Salzgeber nach dem Grand Prix auch den Spézial vor Capellmann und damit knapp die Gesamtwertung um den „Dressur-Champion von Aachen” gesichert.

„Das war eine sehr knappe Entscheidung. Ich war mit Rusty sehr zufrieden, so ist halt der Sport”, kommentierte Salzgeber.

Zwei der fünf Richter hatten sie vorne, drei die Aachenerin. „Ich denke, heute hat die bessere technische Performance knapp den Ausschlag für Nadine gegeben”, erläuterte Richter Dr. Volker Moritz, der Capellmann selber um 0,25 Punkte vorne gesehen hatte. „Vielleicht war Farbenfrohs hervorragender Schritt ausschlaggebend. Künstlerisch waren beide Damen gleich stark.”

„Das war seine beste Kür bisher. Vor allem bin ich glücklich, weil Farbenfroh insgesamt konstanter wird, auch im Spézial nach den Fehlern direkt wieder bei der Sache war”, strahlte Capellmann, die gerade in der Kür immer wieder Rückschläge hatte hinnehmen müssen.

Ein wenig änderte sie ihre Choreographie: „Ich habe beispielsweise nach dem Einreiten früher gehalten, kam so besser mit der Traversale hin. Früher musste ich ihn da schon zurückhalten. In den vergangenen zwei Wochen, nachdem es in Balve nicht gut gelaufen war, habe ich mich mit nichts anderem als mit der Kür beschäftigt.” Kleine Umstellungen - große Wirkung.

Für die WM gelten Capellmann und Salzgeber als gesetzt, dahinter ist der Kampf völlig offen. Dritte Kraft ist trotz Platz 13 in der Kür („Wir machten am Anfang einen Fehler, dann war der Wurm drin”) Ann-Kathrin Linsenhoff (Kronberg) auf Renoir.

Nachdrücklich brachten sich Hubertus Schmidt (Borchen) mit Wansuela suerte und Klaus Husenbeth (Bremen) mit Piccolino ins Gespräch, während Olympiasiegerin Isabell Werth (Mellendorf) mit Nachwuchspferd Apache die Verliererin der ersten WM-Sichtung sein dürfte.