Aachen: Das Zweitpferd beschert Krajewski den Sieg

Aachen : Das Zweitpferd beschert Krajewski den Sieg

Sie ist keine Persönlichkeit, der der einfache Weg bestimmt ist. Julia Krajewski hat ihren braunen Wallach Samurai du Thot selbst ausgebildet, doch das Pferd verweigerte ihr nun nicht zum ersten Mal im Gelände die Zusammenarbeit. Bereits bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 hatte sie für Schlagzeilen gesorgt, da „Sam“ dreimal verweigerte und sie daher die Geländeprüfung nicht abschließen konnte.

Die Wogen schlugen noch höher, als ARD-Korrespondent Carsten Sostmeier ihren Ritt ungebührlich kommentierte und sie später seine Entschuldigung zunächst ausschlug. Im vergangenen Jahr musste das deutsche Team die Silbermedaille bei der EM zurückgeben, da Krajewskis Pferd positiv auf eine Doping-Substanz getestet worden war. Da Krajewski nicht nachweisen konnte, wie die Substanz in ihr Pferd gekommen war, akzeptierte sie eine Geldstrafe.

Nun die Vorbereitung für die WM in acht Wochen, und wieder wird ihr „Sam“ zum Wackelkandidat: Am SAP-Complex verweigerte er seiner Reiterin diesmal den Dienst, wieder führten drei Verweigerungen zum Ausschluss. Die 30-jährige Niedersächsin, die nicht aus einer Pferdefamilie stammt, hat es nicht leicht, nachhaltig an der Spitze ihrer Wahlpferdesportdisziplin Fuß zu fassen.

Da war es sicher mehr als Balsam für ihre Seele, dass ihr Zweitpferd Chipmunk ihr den Einzelsieg in Aachen bescherte. Krajewski hatte bereits eine fantastische Dressur mit ihm abgeliefert, bei der zwei von drei Richtern ihr über 80 Prozent bescheinigten. Fehlerfrei meisterte sie auch das Springen und leistete sich im Gelände lediglich ein paar Zeitfehler. Kalkuliertes Risiko, denn diesmal hatte Parcoursbauer Rüdiger Schwarz tatsächlich sein Meisterstück abgeliefert: Mit dem Australier Christopher Burton schaffte es nur ein einziger Reiter, in der vorgegebenen Zeit den Cross Country Test zu absolvieren. Burton brachte jedoch ein paar Fehlerpunkte mehr aus der Dressur mit. So reichte es schließlich hauchdünn für Julia Krajewski, der Siegerscheck in Höhe von 37 000 Euro ging an sie. „Bei dem Jubel im Stadion sind mir fast die Tränen gekommen“, schilderte die blonde Reiterin später ihre Gefühlslage nach dem Zieleinritt.

Kein Selbstläufer mehr

Besonders freute sie sich für den Besitzer des braunen Hannoveraner Wallachs, Dr. Hilmer Meyer-Kulenkampff, und schwärmte von dem Vertrauen, das Chipmunk ihr im Gelände entgegenbrachte. „Er hat immer mitgezogen und sich auf mich verlassen“, erklärte Krajewski. Wie es nun für sie im Hinblick auf die WM weitergeht, bleibt offen.

Pferd der Wahl bleibt Samurai du Thot, denn für Chipmunk zählte die Drei-Sterne-Prüfung in Aachen bereits zu den schwersten seiner Karriere. Für seinen Ausbildungsstand käme die WM sicher noch zu früh. Was „Sam“ angeht, ist es genau das bei Chipmunk explizit gelobte Vertrauen, was zwischen Pferd und Reiter — vielleicht auch gegenüber Pferd und Reiter — gelitten hat. Zumindest hat der Bundestrainer Hans Melzer bekundet, dass er nach Aachen zunächst nichts an den Planungen ändern will. Krajewski zählt weiter zu den engsten Anwärtern auf das WM-Ticket. Die Geländeaufgaben der beiden werden zu analysieren sein.

Wie das Teamergebnis beim CHIO — Platz fünf — gezeigt hat, ist ein deutscher Sieg kein Selbstläufer mehr, da ist ein zuverlässiges Pferd, wie sich Samurai du Thot in diesem Jahr in Luhmühlen bereits bei den Deutschen Meisterschaften präsentiert hat, vonnöten. > Nachgefragt

(hr)