Aachen: Das Glück ist mit dem Tüchtigen

Aachen: Das Glück ist mit dem Tüchtigen

In der ersten Wochenhälfte weilte Michael Jung in London - nutzte die Gelegenheit, die Olympiastrecke für 2012 nicht nur in Augenschein, sondern gleich unter die Hufe zu nehmen. Mit Frank Ostholt und Sandra Auffahrt bestritt der Vielseitigkeits-Weltmeister den Testwettbewerb im Londoner Greenwich Park.

„Das Gelände ist toll, eine super Kulisse und Skyline. Die Unterbringung der Pferde, die Böden, die Organisation sind top, das alles lässt auf großartige Olympische Spiele 2012 hoffen”, meint Jung, der River of Joy gesattelt hatte.

Was ihn kommende Woche in Aachen erwartet, weiß der 28- Jährige genau. „Es macht immer riesig viel Spaß, über die Aachener Anlage zu galoppieren. Die Trasse hat den besten Boden, es ist ein Traumgelände”, gerät der Vielseitigkeitsreiter, der hier 2010 mit dem deutschen Team den Nationenpreis gewann und in der Einzelwertung auf Leopin Rang 3 belegte, ins Schwärmen. „Aachen ist für uns die Generalprobe für die EM in Luhmühlen.”

Selten hat ein Reiter ein Championat so geprägt wie Jung die WM 2010. Die 33,0 Minuspunkte aus der Dressur blieben die einzige Buchung auf seinem Konto, im Gelände und beim Springen blieb Jung fehlerlos. Es war ein historischer Erfolg für die deutsche Reiternation: das erste WM-Einzel-Gold der Geschichte.

„Michi ist ein Siegreiter, der auf den Punkt genau seine Leistungen zeigt”, charakterisiert Bundestrainer Hans Melzer seinen Schützling. Doch es war nicht nur die souveräne Leistung, die alle Sympathien für den Reiter weckte, sondern auch sein bescheidenes Auftreten. Fleiß nennt Jung als ersten Grund für seinen Erfolg - und Glück. Doch letzteres ist bekanntlich nur mit dem Tüchtigen.

Jung, der im elterlichen Betrieb im schwäbischen Horb eine Bereiterlehre machte und 2010 die Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister bestand, hatte Sam als Fünfjährigen entdeckt. Mit dem nun elf Jahre alten Sohn des Vollblüters Stan the Man gewann er bereits 2009 unter anderem EM-Bronze in Fontainebleau und das Weltcup-Finale.

Nach dem WM-Triumph wollte Sams Mitbesitzerin ihren Anteil jedoch verkaufen. Das monatelange Hin und Her kostete Nerven. Erst im Februar wurden die Besitzverhältnisse neu geregelt, und Sam steht Jung weiter zur Verfügung. Nach Siegen in zwei Drei-Sterne-Prüfungen und im Berufsreiterchampionat ist Jungs Ziel für die EM nicht unbescheiden, sondern realistisch: die Goldmedaille.