Vielseitigkeitsreiten in der Soers: Colletts Pech ist Klimkes Glück

Vielseitigkeitsreiten in der Soers : Colletts Pech ist Klimkes Glück

Weil die Britin beim letzten Hindernis patzt, gewinnt die deutsche Vielseitigkeitsreiterin den SAP-Cup vor Landsmann Michael Jung. Auch das Team kann in diesem Jahr wieder jubeln.

Das letzte Hindernis vor dem Einritt ins Stadion wurde der britischen Vielseitigkeitsreiterin Laura Collett im SAP-Cup zum Verhängnis. Die Verweigerung ihres Wallachs London brachte der nach Dressur und Springen führenden Reiterin so viele Fehler ein, dass sie vom Siegertreppchen weggefegt wurde.

Pech für die eine bedeutete Glück für die andere: Ingrid Klimke fielen im gleichen Moment mehrere Menschen um den Hals, als London seiner Reiterin den Dienst versagte. Nach der Dressur führend, war Klimke durch einen Abwurf im Springen auf Rang drei zurückgefallen, gefolgt von Michael Jung auf Chipmunk. Nachdem der Weltranglistenerste, der Neuseeländer Tim Price, sich nach einer sehr guten Dressur und einem fehlerfreien Springparcours im Gelände zu viel Zeit gelassen hatte, bedeutete das Ergebnis der zuletzt startenden Britin, dass Klimke und Hale Bob die Sieger im SAP-Cup waren.

Der kürzere Weg

Aus der Enttäuschung des vergangenen Jahres, als sie einen Vorbeiläufer kassierte, schien Klimke ihre Lehren gezogen zu haben. Ein zu schnelles „um die Ecke Flitzen“ sollte es in diesem Jahr auf keinen Fall geben. Dabei waren „Bobby“ und seine Reiterin schnell unterwegs, aber immer auf den Punkt aufmerksam und kontrolliert. Am zweiten Wasser war sie zuvor nicht sicher gewesen, ob auch der kürzere Weg zum Wasser innen an den Blumenkästen vorbei in Frage kam. Doch als sie den ersten Ritt von Teamkollege Michael Jung auf Star Connection beobachtet, der sich für ebendiese Abkürzung entschied und es nicht bereute, schien ihre Entscheidung gefallen zu sein.

So schafften es schließlich nur drei Starter, die vorgegebene Zeit von sieben Minuten einzuhalten: die Siegerin Klimke, der Zweitplatzierte Michael Jung auf Chipmunk, mit dem er als Einzelstarter angetreten war, und der Australier Christopher Burton auf Quality Purdey, der Dritter wurde. Im Anschluss sagte Parcoursbauer Rüdiger Schwarz, dass die Aachener Geländestrecke einer besonderen Tradition Rechnung tragen müsse. „Der Grand Prix in Aachen ist schwerer als der anderswo, also muss auch der Cross Country Test in Aachen schwerer sein als bei Vier-Sterne-Prüfungen sonst“, verriet er augenzwinkernd. Nur wer den optimalen Weg geht, hat die Chance, fehlerfrei ins Ziel einzureiten, das schreibt Schwarz seinem Handwerk auf die Fahnen.

Bundestrainer Hans Melzer hatte allen Grund, zufrieden zu sein. Nach der Blamage des Vorjahres, als das Team nur den fünften Platz erreichte, konnte er nicht nur die erst- und zweitplatzierten deutschen Starter beglückwünschen. Das deutsche Team holte sich dieses Mal wieder den Sieg, auch wenn Mannschaftsreiterin Josefa Sommer mit Hamilton im Gelände aufgeben musste, nachdem der Hannoveraner-Wallach ein Eisen verloren hatte und daraufhin nicht mehr klar lief. Sommer musste und konnte sich auf ihre Mannschaftskollegen Ingrid Klimke, Michael Jung auf Star Connection und Andreas Dibowski auf Corrida verlassen. Zweite wurden die Neuseeländer gefolgt von Australien.

Michael Jung auf Chipmunk: Das Paar belegte Platz zwei hinter Ingrid Klimke mit Hale Bob. Foto: Thomas Rubel

Ein Eisen verlor auch Chipmunk, das Siegerpferd des Vorjahres, damals noch unter Julia Krajewski, das Michael Jungs Sportpartner zu Jahresbeginn für den Athleten erworben hatten. Doch Chipmunk verlor das Eisen anders als Hamilton auf der Galoppstrecke, und da das Geläuf, wie Jung erklärte, in einem Traumzustand war, störte der verlorene „Schuh“ nicht so sehr, dass es sich für Jung deutlich ausgewirkt hätte. In der Wendung spürte er zwar, dass das Pferd leicht rutschte, letztlich kam aber als einer von nur drei Reitern ohne Zeitfehler ins Ziel.

„Das Projekt Chipmunk ist eigentlich angedacht für die Olympischen Spiele“, verriet der Bundestrainer. Doch so, wie das Zusammenspiel zwischen Jung und dem braunen Wallach nun bereits gelingt, kommt Melzer vielleicht ins Zweifeln ob der Ende August anstehenden Europameisterschaften in Luhmühlen. Melzer hat sich vieles in den Block notiert, doch bevor die Tickets für die EM endgültig vergeben werden, will er noch das Turnier im polnischen Strzegom abwarten. Eine wird der Entscheidung nicht entgegenzittern müssen: Ingrid Klimke, die ihren „Bobby“ mit dem hübschen Schermuster auf dem Rücken kräftig herzte, der sie zum zweiten Mal nach 2017 zum Sieg in Aachen getragen hatte.

(ust)
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