Aachen/Itzehoe: CHIO-Historie: „An diesem Tag hat alles gepasst”

Aachen/Itzehoe: CHIO-Historie: „An diesem Tag hat alles gepasst”

Bandscheibenvorfälle, Beckenschiefstände und Plattfüße sind für Dr. Michael Rüping Alltag. Dem entflieht der Orthopäde aus Itzehoe jeden Tag. „Ich schnappe mir ein Pferd. Wenn ich reite, dann tauche ich in eine andere Welt ab.” Manchmal denkt der Mediziner aus dem hohen Norden dann an das Jahr 1985 zurück.

„Das war ein großartiges Jahr für uns”, gerät Rüping ins Schwärmen. Auf dem Rücken seines Schimmels Silbersee wurde Rüping damals Deutscher Meister der Springreiter. Und er hat den Großen Preis von Aachen gewonnen. „Das war so ein Tag, den man vielleicht nur einmal im Leben hat”, blickt er auf seine Sternstunde beim CHIO zurück. „Das ist so, als würdest du im Tennis-Mekka Wimbledon gewinnen. An diesem einen Tag muss alles passen”, erzählt der 60-Jährige. Im Sommer 1985 war das der Fall.

„Das war für mich der Höhepunkt”, so der erfolgreiche ehemalige Springreiter. Denn der CHIO war für den Holsteiner immer etwas ganz Besonderes. Schon bevor er zur deutschen Springreiter-Elite gehört hat, war Rüping Fan des Turniers in der Soers. „Aachen hatte schon damals eine magische Anziehungskraft”, so Rüping. Die verspürt der 60-Jährige heute noch. Jedes Jahr reist Rüping nach Aachen. Das Hotelzimmer für das kommende Jahr bucht er vor Ort, am letzten Tag des aktuellen Turniers.

„Das Thema Pferd wird mich in diesem Leben nicht mehr loslassen”, sagt der Mann, der mit seinem Sohn Philip einen Turnierstall betreibt. Und deswegen setzt das CHIO-Fieber bei ihm jedes Jahr ein paar Wochen vor Turnierbeginn ein.

„Ich bin immer wieder von Neuem fasziniert, wie sich der Springsport weiter entwickelt hat”, sagt Rüping. Das gilt aus seiner Sicht für Zucht und Reiter.

Ein Vorzeigepferd aus seiner aktiven Zeit sei heute die Norm. Genau so wie die Tatsache, dass Spitzenreiter jeden Tag fünf bis sechs Stunden trainieren müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren. „Im Prinzip gibt es 30 gute Reiter, die alle das Zeug haben, den Großen Preis von Aachen zu gewinnen. Das bringt sehr viel Spannung mit sich.”

Die Vielzahl guter Reiter verlangt Michael Rüping auch ein gutes Auge ab. Seit einigen Jahren gehört der ehemalige Aachen-Sieger dem Springreiter-Ausschuss des Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) an. Rüping entscheidet mit, welche Reiter für die wichtigen Championate nominiert werden.

„Aachen ist dabei natürlich ein sehr wichtiges Turnier”, so Rüping, der direkt hinterher schiebt, dass der CHIO zwar ein Pflichttermin, aber ein äußerst angenehmer sei. „In Aachen sehe ich viele alte Freunde wieder, die ich sonst im Jahr nicht treffe”, beschreibt Rüping den Reiz des CHIO aus seiner Sicht.

Aachen habe dabei aber eine Eigenschaft nicht verloren. „Der CHIO ist für mich jedes Mal eine Art Familientreffen, auf das ich mich lange vorher freue”, schildert der Arzt seine Beziehung zum Turnier.

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