CHIO 2022 : Deutsche Mannschaft gewinnt den Nationenpreis

Regen, Flutlicht, gute Laune: Schon vor dem Ritt von Schlussreiter André Thieme darf sich das deutsche Team im restlos ausverkauften Stadion in der Soers freuen.

Schon vor dem Ritt von Schlussreiter André Thieme hat das deutsche Team das traditionsreichen Springen beim CHIO Aachen gewonnen. Angeführt vom Europameister gewann die Nationalmannschaft am Donnerstagabend in Aachen unter Flutlicht. Das Quartett um den Reiter aus Plau am See mit seiner Stute Chakaria kassierte bei strömenden Regen insgesamt nur einen Strafpunkt.

„Ich war mir nicht sicher, sie war ja noch nie in Aachen“, sagte Thieme nach der ersten Runde mit seiner Gold-Stute, die er fehlerfrei absolvierte. „Sie ist einfach wie sie ist, sie ist eine Kämpferin – und sie kämpft für mich“, schwärmte der Reiter aus Mecklenburg-Vorpommern. Er sei „superglücklich, dass es hier so gut geklappt hat“. Zur zweiten Runde musste er nicht mehr antreten.

Zum Gastgeber-Quartett gehörten außerdem Christian Kukuk (Riesenbeck) mit Mumbai, Janne Friederike Meyer-Zimmermann (Pinneberg) mit Messi und die in Belgien lebende Jana Wargers mit Limbridge. Alle vier Paare ritten zum ersten Mal in der CHIO-Mannschaft. Im Vorjahr hatte das Gastgeber-Team Platz sechs belegt.

Unglücklich war der Auftritt von Christian Kukuk in der ersten Runde. Der Reiter aus Riesenbeck kassierte mit Mumbai Runde acht Strafpunkte und lieferte das Streichergebnis. In der zweiten Runde lief es besser, Kukuk blieb mit seinem Hengst fehlerfrei. „In der zweiten Runde war es einfach nur ein geiles Gefühl“, kommentierte der Reiter: „Wir haben uns zurückgekämpft.“

Beeindruckend war auch der Auftritt der beiden Frauen im Team. Janne Friederike Meyer-Zimmermann aus Pinneberg mit Messi und die im belgischen Bocholt lebende Jana Wargers mit Limbridge blieben in der ersten Runde ohne Abwurf. In der zweiten hatte Wargers einen Abwurf, nachdem ihr Pferd im Parcours ein Hufeisen verloren hatte. „Ich habe das Eisen noch fliegen sehen“, sagte Wargers. Meyer-Zimmermann ritt sogar beim zweiten Mal ohne Fehler.

Für Bundestrainer Otto Becker war das mit einer Million Euro dotierte Springen „ein Härtetest mit Blick auf die WM“. Kandidaten für die Weltmeisterschaft im August im dänischen Herning sind auch Marcus Ehning aus Borken, Christian Ahlmann (Marl) und der ebenfalls in Belgien lebende Daniel Deußer.

Klimke patzt

Zuvor hatte Ingrid Klimke eine verpatzte Premiere erlebt. Bei ihrem ersten Ritt in der deutschen Dressur-Nationalmannschaft startete sie mit unerwarteten und ungewöhnlichen Fehlern. Die erfolgreichste Vielseitigkeitsreiterin der Welt ritt mit Franziskus zu spät ins Viereck und zu Beginn des Grand Prix einmal in die falsche Richtung. Selbstkritisch gab Klimke zu: „Mit dem Pferd bin ich zufrieden, mit der Reiterin nicht.“

Das mit Spannung erwartete Debüt der 54 Jahre alten Reiterin aus Münster in zwei CHIO-Nationalteams, in der Vielseitigkeit und in der Dressur, startete mit Missgeschicken und einem „bockenden“ Franziskus. Die in der Vielseitigkeit bei EM, WM und Olympia mit insgesamt zehn Goldmedaillen dekorierte Reiterin aus Münster ritt ihr Dressur-Debüt in der Nationalmannschaft anschließend ordentlich zu Ende.

Die deutsche Dressur-Mannschaft liegt nach dem Grand Prix und vor dem Special am Samstag auf Rang zwei des Nationenpreises. Es führt Dänemark mit 229,740 Prozentpunkten vor dem Gastgeber-Team (228,499) und den Niederlanden (219,608). Klimkes Wertung war das Streichergebnis für Deutschland, da nur die drei besten Ergebnisse jedes Teams einfließen.

(dpa)