Aachen: Beim CHIO suchen reiche Käufer die hoffnungsvollsten Pferde

Aachen : Beim CHIO suchen reiche Käufer die hoffnungsvollsten Pferde

Das Preisgeld ist nebensächlich. Denn es geht um viel mehr Geld als um diese 4000 Euro, es geht um zig Millionen Euro. Der Youngsters-Cup beim CHIO in Aachen ist in erster Linie eine sportliche Prüfung — er ist aber auch ein Schaufenster für junge Pferde, für die hoffnungsvollsten Talente der besten Reiter des Welt.

Der CHIO ist das bedeutendste Reitturnier des Planeten und zugleich ein attraktiver Marktplatz. Und der Pferdehandel ist der Katalysator des Reitsports, bei dem einige sehr reich werden. „Die Preise sind zuletzt explodiert“, sagt Breido Graf zu Rantzau, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Mehr als eine Million Euro

Vor ein paar Jahren waren es besonders reiche Pferdefreunde aus Katar, die in Europa eifrig einkauften und so die Preise gewaltig in die Höhe trieben. Derzeit suchen nach Rantzaus Beobachtung vor allem Käufer aus Amerika fertig ausgebildete Pferde, mit denen der neue Reiter bei Fünf-Sterne-Turnieren möglichst schnell ganz vorne mitreiten kann. „Wenn ich so einen kaufen will, kostet das mehr als eine Million“, sagt der FN-Chef, der selber Züchter ist.

Die sieben- und achtjährigen Pferde des Youngster-Cups in Aachen sind perfekt ausgebildet und bereit für den Sprung in den großen Sport. Das ist in etwa so, als wenn die besten Fußballvereine der Welt ihre A-Junioren bei demselben Turnier spielen lassen würden. Die Reiter bereiten die Nachwuchs-Vierbeiner auf schwerere Aufgaben vor und testen im größten Reitstadion der Welt, wie weit sie sind. Das ist der sportliche Sinn. Es geht jedoch bei jedem Turnier auch um Handel. Die fünf besten Pferde des Youngster-Cup-Finales 2014 für achtjährige Pferde haben inzwischen alle neue Reiter.

„Die Preise haben sich im Springen enorm entwickelt, in der Dressur nur ein bisschen“, erklärt Madeleine Winter-Schulze, die großzügige Mäzenin von Ludger Beerbaum und Isabell Werth. Auch sie hat für neue Pferde schon hohe Beträge ausgegeben; und auch schon teuer verkauft. Die Reiter selber sind nur in Ausnahmefällen die Besitzer der Pferde. Mäzene, Sponsoren und vermehrt reiche Eltern pumpen die Millionen in den Markt.

„Das ist wie in der Kunst“, erklärt Hendrik Snoek, der frühere Reiter und heutige Betreiber eines Turnierstalls in der Nähe von Münster. „Die mittlere Qualität ist nicht so teuer.“ Spitzenpferde bringen hingegen „Spitzenpreise“. Wie viel das ist? „Was der Verrückte zahlt“, sagt Turnierorganisator Frank Kemperman und grinst. Konkrete Zahlen gibt es beim Pferdehandel selten. Dass auch zweistellige Millionen-Beträge fließen, ist spätestens seit 2013 bekannt, als der Schweizer Hansueli Sprunger erklärte, dass Palloubet d‘Halong für elf Millionen Euro verkauft sei. Mit dem Pferd hatte seine Tochter Janika im Großen Preis von Aachen Platz zwei belegt. Für Aufsehen sorgte Pferdehändler Paul Schockemöhle 2010, als er das Dressurpferd Totilas für geschätzte zehn Millionen Euro kaufte.

Jüngere Pferde sind natürlich günstiger. „Die Preise für Vier- bis Fünfjährige liegen zwischen 50 und 100.000 Euro“, sagt Snoek. „Es gibt aber auch Fohlen für 40.000.“ Warum so viel Geld ohne Leistungsnachweis bezahlt wird? „Das ist die Hoffnung“, sagt Snoek.

Es geht natürlich noch teurer. Einen Eindruck gibt es bei der jährlichen PSI-Auktion von Nachwuchspferden in Ankum. Das teuerste Dressurpferd, der gerade einmal vierjährige Hengst Ferrari, kam 2016 für 1,5 Millionen Euro unter den Hammer. Das teuerste Springpferd, die sechsjährige Stute Chaconeta, kostete immerhin noch 960.000 Euro.