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Aachen: Beezie Maddens wunderschöne „Flüge”

Aachen : Beezie Maddens wunderschöne „Flüge”

Es war schön zu sehen, dass Authentic und Beezie Madden Lebewesen sind und keine Außerirdischen. Denn am letzten Sprung des zweiten Umlaufs beim Großen Preis von Aachen touchierte das Paar tatsächlich einmal eine Stange. Ein bisschen natürlich nur, und das grün-gelbe Rundholz fiel natürlich auch nicht ins Gras, aber der Beweis war erbracht.

Rein theoretisch hätten auch die wunderbar leicht ihren Partner führende US-Amerikanerin und ihr wunderbar leicht springender 12-jähriger Wallach einmal ein Hindernis reißen können. Aber nur rein theoretisch. Die 43-Jährige flog förmlich durch den Parcours, über Barren, Oxer, Mauern und Wassergräben, dass auch zehn, 20 oder 30 Zentimeter mehr Höhe oder Weite kein Problem dargestellt hätten.

„Leidtragende” waren im Stechen beim Rolex-Grand-Prix Roger-Yves Bost und Christian Ahlmann. Der wagemutige Franzose hatte als erster Starter im Stechparcours nach verhaltenem Beginn („es war ein bisschen glatt”) mit viel Risiko und begleitet von „Ahs”und „Ohs” des Publikums seinen elfjährigen Hengst Ideal de la Loge über die neun Hindernisse gejagt - ohne Fortune.

Der letzte Sprung wurde dem 41-Jährigen, der nach neun Jahren erstmals wieder beim CHIO an den Start ging, zum Verhängnis. Vier Fehlerpunkte, 54,45 Sekunden. „Aber ich bin dennoch sehr zufrieden, nach 1990 zum zweiten Mal Zweiter zu sein im Großen Preis von Aachen.”

Als nächster ritt ein: Christian Ahlmann. Souverän hatte der Marler mit seinem sprunggewaltigen Cöster im Normalparcours die Aufgaben erledigt, wie im Nationenpreis zwei sichere „Nullnummern” abgeliefert. Und im finalen Umlauf nahm der eher langsame 14-jährige Wallach auch Tempo auf, unterbot die Zeit des schnellen Franzosen um 87 Sekunden - auf Kosten zweier Springfehler, mit der Hinterhand riss Cöster jeweils das dritt- und das letzte Hindernis.

„Tja”, sagte der 32-Jährige, „ich wollte irgendetwas machen, um Beezie unter Druck zu setzen.” Die Idee war gut, „aber das ist mir gründlich misslungen”. Beezie Madden misslang nichts, sie hatte angesichts der fehlerhaften Vorträge von Bost und Ahlmann alle Zeit der Welt. Schön ritt sie, sicher, „konservativ, denn ich wollte ohne Fehler bleiben”. Sie blieb ohne Fehler, kassierte 82.000 Euro Siegprämie, feierte als zweite Amerikanerin nach Anne Kursinski 1991 und als erst vierte Frau in 80 Jahren überhaupt den Sieg im Großen Preis. Und sie beendete ihr kleines Trauma aus dem vergangenen Jahr.

„Da ist mir ein bisschen das Herz gebrochen, als am letzten Hindernis die Stange fiel”, hatte die Amazone nach ihrem Fehler im WM-Finale gesagt, der ihr „nur Silber und dem Belgier Jos Lansink Gold beschert hatte. Gestern blieb ihr Herzschmerz erspart.

Mit dem hatten andere zu kämpfen, denn der von Parcourschef Frank Rothenberger gebaute erste Umlauf war sehr selektiv. Ein schwer zu springender Wassergraben forderte neun „Opfer”, die direkt neben dem Teich gebaute Dreifache provozierte acht Fehler. Und neben den prominenten deutschen Startern (siehe Bericht auf dieser Seite) mussten auch die Mitfavoriten Markus Fuchs, Jos Lansink, Gerco Schröder und Jessica Kürten ihre Hoffnungen auf einen größeren Anteil der 255.000 ausgeschütteten Euro begraben.

Spektakuläre Aktionen bekamen die Zuschauer „dank” des forderenden Umlaufs gleich mehrfach geboten: Der Belgier Patrick Mc Entee turnte wie ein Voltigierer fast neben seinem Pferd nach einem Patzer in der Dreifachen, der Norweger Geir Gulliksen verarbeitete einen Steilsprung zu Kleinholz und Janne-Friederike Meyer landete mit Chikas Way nach einem völlig verpatzen Absprung mitten im Hindernis. „Technisch sehr anspruchsvoll” fand Ahlmann den Parcours, Madden hatte fest damit gerechnet. „Man erwartet doch einen schweren Parcours in Aachen.”

Schwer aber fair, und damit genau richtig für Holger Wulschner aus Passin, der als zweitbester Deutscher mit Clausen eine formidable Leistung ablieferte und mit Platz 4 Bundestrainer Kurt Gravemeier bei der Nominierung der EM-Equipe für die Titelkämpfe in Mannheim (14. bis 19 August) eine weitere Alternative anbot.