Becker schickt stärkstes Team zum Nationenpreis beim CHIO Aachen 2019

Vierter Sieg? : Becker schickt sein stärkstes Team zum Nationenpreis

Der Bundestrainer Otto Becker benennt Christian Ahlmann, Simone Blum, Daniel Deußer, Marcus Ehning und Maurice Tebbel für die Equipe. Gelingt der vierte Nationenpreis-Sieg in Folge?

Natürlich sieht Otto Becker mit seinen 60 Jahren noch sehr gut aus, die ein oder andere Sorgenfalte hat sich zudem in den vergangenen Wochen wieder geglättet. Nachdem im Mai schon Daniel Deußer (Wolvertem/Belgien) die Athletenvereinbarung unterschrieben hatte, folgte Christian Ahlmann (Marl) im Juni. Beide wurden sogleich in den Olympiakader berufen, denn der Weltranglisten-Vierte bzw. -Zwölfte zählen seit Jahren zu den besten Reitern der Welt.

„Es war mein großes Ziel, die beiden wieder an Bord zu haben“, ist Becker hörbar erleichtert über die positive Entwicklung. Denn ohne die beiden Top-Reiter hätte der Olympiakader mager ausgesehen. „In der Tat“, bestätigt der Bundestrainer, „man muss einfach sagen, dass die fetten Jahre, in denen wir zwei, drei Equipen hätten stellen können, vorbei sind. Spitzenpaare sind heute dünn gesät.“

Neben Deußer und Ahlmann gehören Marcus Ehning, 2018 Sieger im „Großen Preis von Aachen“, Weltmeisterin Simone Blum (Zolling) und Maurice Tebbel (Emsbüren) zum Elitekader. Dieses Quintett berief Becker auch als Equipe für den CHIO Aachen, schickt somit sein stärkstes Team ins Rennen um die „Titelverteidigung“ am Donnerstagabend. Denn die deutschen Springreiter konnten zuletzt drei Mal in Folge den Nationenpreis beim Heimturnier gewinnen. Nur einmal – von 1972 bis 1975 – waren den deutschen Springreitern vier Siege in Folge gelungen.

Becker hatte die Hoffnung nie verloren, dass Ahlmann und Deußer in den Schoß des deutschen Teams zurückkehren würden – zumal er sie mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio braucht. So üppig wie früher mit Top-Pferden und -Reitern sind die Kader nicht mehr besetzt. Zum Perspektivkader (B-Kader) gehören Laura Klaphake (Steinfeld), Hans-Dieter Dreher (Eimeldingen), Christian Kukuk, Philipp Weishaupt (beide Riesenbeck), Janne-Friederike Meyer-Zimmermann (Pinneberg-Waldenau) und Mario Stevens (Molbergen), die bis auf Dreher, Meyer-Zimmermann und Stevens, deren Pferde verletzt oder nicht in Top-Form sind, beim CHIO am Start sein werden.

„Wir haben viele gute Reiter, aber es wird immer schwieriger, Top-Pferde zu halten“, sagt Becker. So wurde Catch me if you can, der 2018 unter Klaphake bei den Weltreiterspielen in Tryon Team-Bronze gewonnen hatte, an die tschechische Springreiterin Anna Kellnerova verkauft. „Das tat sehr weh, zumal wir gehofft hatten, es würde mit Catch me weitergehen“, bedauert Becker. „Gute Pferde gehen für gutes Geld weg, andere kommen in die Jahre.“ Letzteres trifft auf Ehnings Top-Pferde Pret a Tout, Aachen-Sieger 2018, und Cornado, zu, die im Olympiajahr 2020 17 Jahre alt sein werden.

„Leider können wir auf Paare, die in Rio erfolgreich waren, nicht mehr zurückgreifen. Ludger Beerbaum hat seine Karriere in der Mannschaft beendet, Meredith Michaels-Beerbaum hat ihr Pferd verkauft, Marco Kutscher fehlt aktuell ein Top-Pferd. Da bin ich sehr froh, dass Christian und Daniel die Vereinbarung jetzt unterschrieben haben“, so Becker. „Reitern wie Maurice Tebbel, der im WM-Team ritt, oder Laura, die mit Bantou Balou ein hoffnungsvolles Nachwuchspferd hat, gehört die Zukunft, auch wenn ihnen noch Konstanz und Erfahrung fehlen.“

Aber es reiten sich auch immer überraschend Paare in den Fokus. So Sven Schlüsselburg und Bud Spencer. Der 37-Jährige aus dem baden-württembergischen Ilsfeld gehörte in Abu Dhabi zur siegreichen Equipe und wurde von Becker unter anderem bei den Nationenpreisen in La Baule und Geesteren eingesetzt. „Von dem Paar verspreche ich mir sehr viel für die Zukunft, aktuell fehlt noch etwas die Konstanz“, so Becker, der mit Meister Felix Haßmann (Lünen), Jan Wernke (Handorf) und Hendrik Sosath (Lemwerder) auch die Top drei der DM nach Aachen schickt.