Aachen: Alvarez Moya siegt, aber Dreher ist der Star

Aachen: Alvarez Moya siegt, aber Dreher ist der Star

Letztlich haben dem Neuling ganze sechs Hundertstel für den nächsten Coup gefehlt: Als Hans-Dieter Dreher im Stechen beim RWE-Preis von Nordrhein-Westfalen vier, vielleicht fünf Sekunden, vor dem Ziel lag, da versuchten die Zuschauer, den CHIO-Neuling geradezu ins Ziel zu schreien.

Sie wussten, wie gut sein Ritt war, sie wussten, dass er fehlerlos bleiben würde. Doch am Ende stand seine Zeit bei 40 Sekunden und 86 Hundertstel. Er hätte eine 40,76 gebraucht, dann hätte der Außenseiter aus Eimeldingen sein nächstes Springen gewonnen. Drei Wettbewerbe holte Dreher bereits bei seiner CHIO-Premiere.

Doch so setzte sich im Finale Sergio Alvarez Moya in 40,77 Sekunden durch und zeigte mit erhobenem Finger immer wieder in den strahlendblauen Aachener Himmel. Magnifico! Ja, das war ausgezeichnet. Der Spanier, man kann das ruhig so sagen, war ein mehr als würdiger Sieger, schließlich musste er in beiden Durchgängen als Erster raus in den Parcours reiten. Er blieb, na klar, zweimal fehlerlos. Selbst seine erste Zeit von 77,28 Sekunden sollte bis zum 16. Starter unerreicht bleiben.

Der mit 90.000 Euro dotierte Preis von Nordrhein-Westfalen hatte es in sich: 520 Meter Länge, zwölf Hindernisse in einer Zeit von maximal 78 Sekunden, dazu ein neues „Doppel-Wasser-Hindernis” unmittelbar vor dem Ziel: Dieser Herausforderung waren etwa Ludger Beerbaum, Lars Nieberg und Michel Robert nicht gewachsen, ihre Pferde rissen nicht, sie verweigerten gleich ganz den Sprung.

Das wusste unter anderem Hans-Dieter Dreher, der 39-jährige Publikumsliebling, zu nutzen: Mit zwei ebenfalls fehlerfreien Ritten gelang ihm der Sprung aufs Podest Dritter wurde Marco Kutscher.

Der Sieger gab sich anschließend ganz bescheiden: „Ich bin sehr froh, dass ich hier in Aachen reiten darf”, sagte Sergio Alvarez Moya. „Es wäre schön, wenn die Veranstalter mich auch 2012 wieder einladen würden.” Dem Springreiter gelang auf Wisconsin fast schon Historisches: Den letzten spanischen Sieg in Aachen gab es 1954. Dreher kommentierte seinen zweiten Platz ebenfalls zurückhaltend: „Ich reite Magnus Romeo erst seit drei Monaten. Es ist eine Ehre, hier in Aachen antreten zu dürfen.”

Bedächtig ging es vorher beim Tank & Rast-Preis „Jump & Ride” nicht zu: Im Reitstadion setzten sich bei dieser Kombinationsentscheidung der irische Reiter Shane Breen mit dem „fliegenden Holländer”, dem Gespannfahrer Ijsbrand Chardon durch. Zunächst mussten die Reiter möglichst schnell und vor allem fehlerfrei durch den Parcours reiten, dann auf eine Kutsche springen und mit dem Gespann durch die Soers galoppieren. Das irisch-niederländische Team setzte sich in 122,09 Sekunden durch und wurde mit stehenden Ovationen gefeiert. Zweiter? Nun, das war ein deutsches Team: Christoph Sandmann und - Hans-Dieter Dreher. Aber das war auch keine Überraschung mehr an diesem spektakulären Soerser Tag.

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