Aachen: Springreiter Henrik von Eckermann verzichtet auf Großen Preis

Mary Lous Wohl geht vor : Favorit Eckermann verzichtet auf „Großen Preis von Aachen“

Der schwedische Springreiter Henrik von Eckermann verzichtet auf einen Start im Rolex Grand Prix und damit auf die Chance auf viel Geld – weil sein Pferd sich nicht wohl fühlt.

Henrik von Eckermann wirkt nicht wie einer, der hadert, weil er die Chance auf sehr viel Geld hat verstreichen lassen, als er über eine der wichtigsten Entscheidungen seiner Karriere spricht. Im Gegenteil, er wirkt befreit, er lacht und scherzt. Der Springreiter hätte am Sonntag 830.000 Euro gewinnen können, wenn er beim „Großen Preis von Aachen“ triumphiert hätte; 330.000 Euro hätte er für den Sieg beim wichtigsten Springen des CHIO Aachen bekommen, 500.000 Euro für den zweiten Erfolg in Serie beim Rolex-Grand-Slam. Ein unglaublicher Betrag. Von Eckermann wird ihn aber nicht gewinnen – weil er ihn nicht gewinnen will. Der 38-Jährige verzichtet auf einen Start beim Großen Preis und sagt: „Es ist die richtige Entscheidung.“

Der Springreiter hat sie aus Rücksicht getroffen, nicht auf sich, sondern auf Mary Lou, sein Pferd. Das Duo hatte im März den Großen Preis von ‚s-Hertogenbosch in den Niederlanden gewonnen, eines der Springen, das zum Rolex-Grand-Slam gehört. Der Große Preis in Aachen ist die nächste Station in dieser Serie, und natürlich habe er das Ziel gehabt, auch das Springen im Rahmen des CHIO zu gewinnen, sagt von Eckermann: „Ich wollte es probieren.“

Fehlerfrei im Nationenpreis

Er ist mit Mary Lou nach Aachen gekommen, für sein Pferd ist es der erste CHIO. Im Eröffnungsspringen wurde das Duo mit einem Abwurf 20., ein ordentlicher Auftakt. Am Mittwoch verzichtete der Springreiter auf den Turkish Airlines-Preis von Europa, er wollte sein Pferd für den Sonntag schonen. Am Donnerstag startete von Eckermann erneut mit Mary Lou im Aachener Hauptstadion, die beiden lieferten zwei fehlerfreie Runden ab, sie gewannen mit Schweden den Nationenpreis. Klingt nach einem guten Omen. Doch das war es nicht. „Mary Lou hat in den zwei Umläufen so gekämpft, wie ich es noch nie gespürt habe“, sagt von Eckermann. „Ich war wirklich froh, als es vorbei war.“ Er habe den Eindruck, dass sich sein Pferd in Aachen nicht wohlfühle. Warum das so ist? „Ich kann es nicht erklären“, sagt der Schwede. „Ich habe einfach auf mein Bauchgefühl gehört – und das hat mich noch nie getäuscht.“ Leicht gemacht habe er sich die Entscheidung nicht. Von Eckermann hat das Training umgestellt, er hat Videos seiner Ritte angeschaut, mit dem Besitzer des Pferdes gesprochen. Zwei Tage lang habe er gegrübelt, bis er am Samstagmittag endgültig seine Entscheidung traf.

Mary Lou sei ein Pferd, das auf Sand besser springe als auf Rasen wie in Aachen. Oder in Calgary, der dritten Station des Rolex-Grand-Slams. Auch dort wird das Duo nicht starten – auch wenn von Eckermann auch in Kanada zusätzlich zum Preisgeld einen Bonus hätte kassieren können. „Mary Lou ist momentan mein einziges Top-Pferd“, sagt der Reiter. „Ich möchte sie lange reiten.“ Und deswegen käme es einfach nicht in Frage, nur wegen des Geldes in Aachen oder Calgary zu reiten. „Wenn ich weiß, dass mein Pferd sich nicht wohlfühlt, kann auch ich nicht meine beste Leistung abrufen“, sagt von Eckermann. „Und so hätten wir ohnehin keine Chance.“ Dafür sei das Teilnehmerfeld viel zu stark.

Maher? Guerdat? Oder Blum?

Der Schwede wird sich den Großen Preis am Sonntag von der Tribüne aus anschauen. Natürlich, er ist gespannt, wer am Ende gewinnen wird. „In Aachen sind die besten Reiter der Welt“, sagt er. „Von den 40 Startern könnten 25 gewinnen.“ Der Brite Ben Maher und Explosion stehen auf seiner Favoritenliste ganz oben, dicht gefolgt von Steve Guerdat und Bianca. Und natürlich hat er auch die deutschen Reiter auf dem Zettel, in Aachen sei immer mit ihnen zu rechnen. In diesem Jahr vor allem mit Simone Blum und Alice, findet von Eckermann. „Wer Weltmeister ist, ist auch Favorit.“

Eigentlich wäre er selbst der vielleicht größte Favorit gewesen. Die Rolle als Springreiter, der auf das Wohl seines Pferdes achtet, ist Henrik von Eckermann aber lieber.