1. Sport

Aachen: Bundestrainer über seine Erwartungen: „Sonntagabend machen wir einen Strich“

Aachen : Bundestrainer über seine Erwartungen: „Sonntagabend machen wir einen Strich“

Von den Turniertagen in der Soers erhofft sich Otto Becker weitere Erkenntnisse, wen er Ende August zu den Weltreiterspielen in die Normandie schicken wird. „Sonntagabend machen wir einen Strich“, kündigte der Bundestrainer der deutschen Springreiter am Morgen des ersten CHIO-Tages an. „Dann könnten schon zwei, drei WM-Fahrer feststehen.“

Wie ist die Situation der deutschen Springreiter nach dem Turnier von Falsterbo am Wochenende und vor den großen Prüfungen in Aachen?

Becker: Eigentlich gut. In Falsterbo konnten wir den Nationenpreis gewinnen mit jungen Reitern und jungen Pferden. Das war gut, das hatten wir so nicht unbedingt erwartet. Zudem hatten wir im Großen Preis noch einige gute Platzierungen. Wir hoffen, wir können den Schwung mit nach Aachen nehmen und haben eine ähnlich erfolgreiche Woche.

Wie sieht der weitere Weg zu den Weltreiterspielen in der Normandie aus?

Becker: Wir werden nach Aachen einen Strich machen. Wir haben einen Kreis von Kandidaten und werden sehen, welche Leistungen sie bringen, und wer dann noch in der engeren Wahl ist. Dann könnten schon zwei, drei WM-Fahrer feststehen, und wir werden festlegen, was die Pferde noch bis zur WM machen. Zudem werden wir wohl ein paar Reiter haben, die sich noch qualifizieren müssen. Auch hier werden wir nach Aachen entscheiden, wo gehen die hin, wo müssen die noch einmal antreten. Wir haben noch zwei Nationenpreise, die für uns wichtig sind. In zwei Wochen werden wohl einige Kandidaten nach Hickstead gehen, in drei Wochen nach Dublin wohl eher nicht. Das wäre so kurz vor der WM eine zu weite Reise. Aber Hickstead könnte ich mir vorstellen, vielleicht auch Münster.

Wie sieht Ihr WM-Stamm aus?

Becker: Der Stamm ist immer der A-Kader. Den haben wir Anfang des Jahres zusammengestellt und werden ihn nach Aachen neu zusammenstellen. Da sind in aller Regel die Championatsreiter, aber das ist keine geschlossene Gesellschaft. Wenn einer gut ist, kann er reinkommen. Und wir haben ja dieses Jahr noch einige Kandidaten, die gute Chancen haben. Im Moment haben wir drei Reiter, die aufgrund ihrer Leistungen ein Stück weit vorne sind. Das sind Ludger Beerbaum mit Chiara, Marcus Ehning mit Cornado und Daniel Deußer mit First Class. Diese drei waren beim Weltcupfinale überragend, und ich könnte mir vorstellen, dass sie in der Mannschaft sind. Aber auch sie müssen es bestätigen. Dann haben wir noch sechs, sieben Reiter, die sich beweisen müssen.

Hier sind alle gespannt, ob Sie am Donnerstag Katrin Eckermann in den Nationenpreis schicken . . .

Becker: Dann erhalten wir diese Spannung noch ein bisschen. Wir werden uns die Pferde noch einmal anschauen und müssen uns bis Mittwochabend entscheiden. Dann werden wir sehen.

Ist Katrin Eckermann für Sie eine Überraschung?

Becker: Wir kennen sie ja schon aus ihrer Zeit bei den Jungen Reitern und den Junioren. In den letzten Jahren hatte sie ihre Erfolge mit Carlsson, jetzt hat sie mit Firth of Lorne ein neues Pferd, das auch im Moment ihr Erstpferd ist. Sie hat beide hier. Für den Nationenpreis kommt Firth of Lorne in Frage. Sie ist eine junge Reiterin und da gibt es schon mehr Schwankungen als bei älteren, erfahreneren Reitern. Aber sie hat in diesem Jahr konstante Leistungen gezeigt und deshalb kommt sie für die Nominierung der Mannschaft hier in Aachen in Frage.

Katrin Eckermann gehört zu den „Jungen Wilden“. Glauben Sie, dass die deutschen Springreiter für die Zukunft gut aufgestellt sind?

Becker: Ich hoffe es zumindest. Leute wie beispielsweise Ludger Beerbaum oder Meredith Michaels-Beerbaum werden irgendwann aufhören. Und sie hinterlassen dann sehr große Fußstapfen. Wir versuchen einfach, sehr viele junge Leute gut auszubilden. Gut springen allein reicht nicht mehr. Da gehört vieles mehr dazu. Medien, Training, Fitness von Reiter und Pferd. Wir versuchen mit vielen Projekten, beispielsweise einer U 25-Serie, die es bisher noch nicht gab, den Reitern den Sprung ins Seniorenlager zu erleichtern und ihnen die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen auf großen Turnieren zu sammeln. Nächstes Jahr wird das Finale dieser Serie während der EM in Aachen stattfinden.

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass Aachen nicht mehr zur Top-Nationscup-Serie gehört?

Becker: Ich finde das nicht gut. Ich glaube, dass der Sport und die Zuschauer in Aachen davon nichts merken werden. Hier wird es weiterhin einen Top-Nationenpreis geben. Aber insgesamt ist das ein riesiger Prestigeverlust, den wir in Deutschland haben. Ich finde es bedauerlich, dass die Verantwortlichen — die FN, der ALRV und die FEI — es nicht geschafft haben, das Turnier in dieser Serie zu halten.

Ein Blick ins nächste Jahr, Herr Becker. Da wird es in Aachen ein zweitägiges Turnier geben.

Becker: Das ist der Rolex-Serie (Anm. d. Red.: Sponsor des Großen Preises) geschuldet. Aachen richtet die EM aus, also wird es ein zweites Turnier geben. Das ist grundsätzlich für uns eine gute Sache, dass die Pferde hier im Mai noch einmal gehen können.

Die Generalprobe also?

Becker: Das würde ich nicht sagen. Wir nutzen aber die Gelegenheit.

Als Reiter haben Sie den Nationenpreis schon gewonnen, als Bundestrainer aber noch nicht. Wie sieht es in diesem Jahr aus?

Becker: Ich hoffe gut. Das ist natürlich ein Ziel, aber irgendwie hat es in den letzten Jahren nicht geklappt. Wir waren Zweiter, Dritter. Einmal war sogar mein Kollege Heinrich Engemann Equipechef, und es hat auch nicht geklappt. Es wäre echt schön, einmal in Aachen ganz vorne zu sein. Vielleicht ja schon in diesem Jahr.