Borussias Suche nach Durchschlagskraft und Stabilität

Mönchengladbach vor dem Derby gegen Düsseldorf : Wie man das Tor wieder dicht bekommt

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl empfiehlt für das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf ein einfaches Rezept: Mehr Abschlüsse und mehr Flanken.

Wat lernt uns dat? Diese archaische Fußballerfrage könnte Dieter Hecking mit seiner Mönchengladbacher Mannschaft höchstinteressant beantworten – auf dem Spielfeld natürlich. Wenn Borussia nicht in der Lage ist, ihren Ballbesitzfußball unfallfrei über die Spielzeit zu bringen, was die peinliche 0:5-Klatsche im Pokal gegen Bayer Leverkusen suggeriert, muss man sich gegen defensive und auf Konter lauernde Gegner ebenfalls zurückziehen.

Am Sonntag etwa, wenn es im Borussia-Park zum niederrheinischen Derby gegen Fortuna Düsseldorf kommt (15.30 Uhr). Ein Streifen längs der Mittellinie würde zum Niemandsland verkommen, beide Teams auf Abstand in ihren Hälften verharren. Der schwarze Peter der anfälligen Ballbesitzphilosophie bliebe heimatlos, die Ergebnisorientiertheit würde über den Unterhaltungswert triumphieren. „Das könnte man machen“, bestätigt Max Eberl, Gladbachs Sportdirektor. „Aber es gibt ja auch noch ein Drumherum, und deshalb ist das für uns unmöglich.“

Die Zuschauer also, die trotz der am Mittwochabend nach dem Debakel bewiesenen Langmut und offensichtlich tiefen Zuneigung zu ihren Idolen erwarten, dass die Borussen gegen den Nachbarn aus Düsseldorf die Hierarchie wieder zurechtrücken: hier der etablierte Erstligist mit dem Anspruch, sich für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren, dort der Aufsteiger, der nach kurzem Hoch wie erwartet gegen den Abstieg kämpft. Also doch wieder Ballbesitzfußball, dessen Aus (vorschnell) bei der WM verkündet wurde. Beruhigend wirkt da der Ansatz, dass die Fortuna nicht diese bärenstarke Offensivreihe besitzt wie Leverkusen, die sich im Pokal wie zuvor auch in der Liga in Bremen als zumindest Deutscher Meister im Umschaltspiel erwies. Daran ändert auch nichts, dass Hecking mahnend auf die ersten Saisonspiele verweist. „Da haben sie gezeigt, dass sie fußballerisch mithalten können und auch gut umschalten.“

Was seine Schützlinge zuletzt gezeigt haben, betrachtet der 54-Jährige „differenziert: die Phase bis zur 68. Minute und die danach“. Mit einem 3:0 hätte man das Spiel  noch „ehrenhaft“ beenden können. Und die ersten beiden Tore hätten auch nichts mit Leverkusener Konterqualitäten zu tun. Danach attestiert der Fußballlehrer ein Kopfproblem: „Die Jungs waren überzeugt, wir können noch was bewegen.“ Das sei grundsätzlich eine positive Einstellung. In diesem Selbstbewusstsein aber habe seine Mannschaft die defensive Organisation verloren: „Ginter als Mittelstürmer, Kramer als Linksaußen – sie haben die falschen Mittel gewählt.“

So weit, so schlecht, und dennoch nachzuvollziehen aus Sicht eines Trainers, der auch immer Pädagoge sein muss und nicht so ungehemmt eine Mannschaft nach einer solchen Pleite in Grund und Boden kritisieren darf wie so mancher Fußball-Experte mit zurückliegender Profi-Karriere, für den es in der Fernseh-Analyse nur noch schwarz oder weiß gibt. Gladbach wird seinen Fußballphilosphie nicht nur wegen der Zuschauer nicht ändern.

„Mehr Flanken, mehr Torschüsse“

Die Offensive ist in der Klub-DNA verankert. Und richtig umgesetzt, kann sie auch Konter wie gegen Bayer verhindern oder zumindest auf ein normales Maß reduzieren. Etwa dadurch, dass „man nicht immer wieder zurückspielt und in Gefahr läuft, durch Fehlpässe die Kontermaschinerie etwa der Leverkusener anzuwerfen“. Borussias Sportdirektor empfiehlt, es einfacher zu halten: mehr Torschüsse, mehr Flanken – „auch wenn sie nicht erfolgreich sind, sind sie aber zumindest nicht so gefährlich wie Ballverluste im Kombinationsspiel“.

Natürlich fehlte am Mittwoch Alassane Pléa mit seiner Torgefährlichkeit und dem Vermögen, den Ball zu behaupten. Eher unwahrscheinlich, dass der französische Torjäger bis zum Düsseldorf-Spiel seine Zerrung auskuriert hat. Also bleibt wohl nur das Eberl-Rezept. Denn Lösung zwei ist nicht in drei Tagen vorzubereiten: Wenn man schon die Kugel nicht im Netz versenken kann, sollte man zumindest den Ball in den eigenen Reihen halten können – die anspruchsvollste Art, Konterattacken zu verhindern. Und an der scheiterte einst schon Lucien Favre zu seinen Gladbacher Zeiten.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Lang, Elvedi, Ginter, Wendt - Neuhaus, Strobl, Hofmann - Herrmann, Stindl, Hazard

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