Borussia Mönchengladbach gegen Hannover 96: Die Hazard-Gala

Gladbachs 4:1 gegen Hannover : Hazard-Gala mit einem Wermutstropfen

Vielleicht sollte Sportdirektor Max Eberl lieber nicht bis zum Frühjahr warten, um mit Thorgan Hazard über eine vorzeitige Vertragsverlängerung zu reden. Der belgische Stürmer wird für den Traditionsklub immer wertvoller.

Ein spektakulärer Beleg gelang dem 25-Jährigen beim 4:1 gegen Hannover 96, bei dem er nicht nur wegen eines wunderschönen Tores „bester Mann auf dem Platz war“, wie sein nicht zu Übertreibungen neigender Trainer Dieter Hecking befand.

Borussia Mönchengladbach verlängerte am Freitag den Vertrag mit dem Westfalen, Hecking am Sonntag sein Vertrauen in seine Mannschaft. Der 54-Jährige ließ die identische Mannschaft beginnen wie beim Sieg vor der Länderspielpause gegen Bremen.

Äußerlich die gleichen Profis, doch bei einem hat sich in den zwei Wochen innerlich etwas getan: Thorgan Hazards sicherlich auch zuvor nicht unbedingt verkümmertes Selbstbewusstsein ist durch seine zwei Tore für Belgien noch einmal größer geworden.

Emsig und leichtfüßig

Wie aufgedreht flitzte der jüngere der Hazard-Brüder über den Platz des Borussia-Parks, hielt die Hannoveraner vorne in Atem und arbeitete ebenso emsig und elegant für seinen Arbeitgeber nach hinten. Und wenn sich jemand das fast schwärmerisch und auf die komplette Gladbacher Mannschaft gemünzte „leichtfüßig“ von Hannovers Trainer André Breitenreiter verdient hatte, dann Hazard, der Jüngere, Bruder Leichtfuß sozusagen

Daran konnte auch der Blitztreffer der Hannoveraner nichts ändern. Niclas Füllkrug hatte nach 22 Sekunden per Kopf auf Bobby Wood verlängert – der US-Amerikaner ließ Gladbachs Torhüter Yann Sommer mit einem überlegten Schuss keine Chance (1.).

Doch dann folgte der große Auftritt von Hazard: Ein Zuspiel von Florian Neuhaus zirkelte er vom rechten Strafraumeck mit dem linken Fuß in den Winkel (7.). „Wenn du so früh ein Tor schießt, bist du gut im Spiel. Das hat heute richtig Spaß gemacht“, sagte Hazard. Ein Tor aus der Feinkostabteilung, aber auch die Belohnung für eine Gladbacher Mannschaft, die nach dem 0:1 unbeeindruckt nach vorne spielte. „Das sollte nicht zur Gewohnheit werden“, urteilte ein gut gelaunter Hecking über die frühe kalte Dusche. „Aber die Jungs haben sich kurz geschüttelt und den Faden wieder aufgenommen“.

Probleme aber bereiteten der Hecking-Elf die schnellen und wuchtigen Vorstöße der Gäste. Dabei spielte der blitzschnelle 96er Noah Sarenren Bazee eine entscheidende Rolle. Nicht nur fußballerisch.

Opfer dieser Sprintqualität wurde Matthias Ginter, in den der Deutsch-Nigerianer in vollem Tempo hineinkrachte, nachdem Jonas Hofmann den Hannoveraner leicht ins Straucheln gebrachte hatte (37.). Gladbachs Abwehrchef musste nach dem Crash minutenlang behandelt, auf der Trage vom Feld transportiert und mit einer Gesichtsverletzung ins Krankenhaus werden. Sarenren Bazee versuchte weiterzuspielen, musste aber kurz vor der Pause ausgewechselt werden.

Solch ein Unglück kann eine Mannschaft aus dem Tritt bringen. Die Sorge um den schwer verletzten Teamkollegen kann belasten. Doch Borussia scheint in diesen Wochen auch mental extrem gefestigt. Dazu trug auch der Zufall bei – in Gestalt des für Ginter eingewechselten Tony Jantschke. Dessen Pass wurde in einem Zweikampf mit dem foulenden Wood so veredelt, dass er unversehens und ungewollt Hannovers Tür weit öffnete. Nutznießer: Michael Lang, der 96er Keeper Michael Esser tunnelte und so sein erstes Tor für die Borussia erzielte (44.).

Zufälle benötigte Hazard an diesem Abend nicht. Nachdem er in der ersten Hälfte Hannovers linke Seite schwindlig gespielt hatte, trieb er sein Unwesen nach der Pause auf Gladbachs linker Angriffsseite. Und nach seinem Traumtor zum 1:1 lieferte er nun eine Zaubervorstellung zum 3:1: Erst tanzte er Waldemar Anton aus, dann servierte der Belgier den Ball nach einer raffinierten Verzögerung Lars Stindl genau in den Lauf: Der Borussen-Kapitän kanonierte die Kugel ins Netz (58.).

Hazards Zaubervorstellung hielt an, Hannover schien in Schockstarre. Und irgendwie machte es Hazard menschlich, dass er am letzten Tor der Gladbacher nicht beteiligt war. Der eingewechselte Denis Zakaria zirkelte einen brillanten Pass von Tobias Strobl zum 4:1 ins lange Eck (77.).

Die Nordkurve sang „Deutscher Meister wird nur der VfL!“. Hecking verzieh es ihnen. „Wenn ich dort gestanden hätte, hätte ich wahrscheinlich mitgesungen.“ Als Trainer aber beschreibt er die Situation nüchtern: „Die Mannschaft macht im Moment vieles richtig. Aber am Sonntag wird sie in Leipzig auf Herz und Nieren geprüft. Dann muss sich zeigen, wie gut wir sind.“ Die Hannoveraner wissen es bereits.

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