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Aachen: Blau-Weiss Aachen sieht sich als „krasser Außenseiter“

Aachen : Blau-Weiss Aachen sieht sich als „krasser Außenseiter“

Die Spielzeit 2016 darf sich am Luxemburger Ring 62, wo der TK Blau-Weiss Aachen sein schmuckes Zuhause hat, so oder so ähnlich durchaus wiederholen in der kommenden Saison der Tennis-Bundesliga der Männer: Damals, am späten Sonntagnachmittag des letzten Spieltages, es war der 14. August, trotzte die Mannschaft des Trainer-Duos Alex Jakubec und Mark Philippen dem Team aus dem Düsseldorfer Rochusclub ein 3:3 ab und sicherte sich so vor den beiden Absteigern Bruckmühl-Feldkirchen und BW Neuss sowie dem achtplatzierten Team von RW Köln den Klassenerhalt und Rang sieben.

„Die Mannschaft war sehr homogen, ohne große Stars, und sie hat sich toll durch diese Saison gespielt“, sagt Teamchef Marc Zander. Süffisant: Dieses 3:3 gegen Düsseldorf nahm dem Rochusclub die letzte Chance auf den Titel. Deutscher Mannschaftsmeister wurde in der parallel laufenden Begegnung der Gladbacher HTC durch ein 5:1 gegen Kurhaus Aachen.

So also darf es weitergehen. So könnte es auch weitergehen in der neuen Spielzeit. Denn die Mannschaft ist — bis auf zwei Neuzugänge — zusammengeblieben. Jakubec als Chefcoach erhält weiterhin Unterstützung von Philippen, assistieren wird ihnen Aachens Nummer 14, Marc Merry, während der Klub den mit einer A-Lizenz ausgestatteten Axel Hornung neu hinzugewann. Der 50-jährige Coach arbeitete zuvor eineinhalb Jahre als Daviscup- und Fedcup-Cheftrainer Luxemburgs und war zehn Jahre (bis 1995) mit Spielern wie Eric Jelen, Michael Westphal, Alexander Popp oder Andreas Maurer selbst aktiv auf der Tour unterwegs.

„Wir haben ein gutes Team, sind aber im Vergleich zu allen anderen krasser Außenseiter“, gibt sich Jakubec zunächst einmal defensiv. Und was der erste Spieltag für die Fans bereithält, findet der Chefcoach „eher nicht so gut“.

Dann nämlich, am Sonntag, 9. Juli, erwartet Blau-Weiss Aachen den Lokalrivalen Kurhaus Aachen. „Ich hätte mir einen späteren Zeitpunkt für das Lokalduell gewünscht — in der Mitte der Saison, noch lieber am Ende. Ganz zu Anfang muss unsere Mannschaft noch ihren Rhythmus und sich selbst finden. Aber es ist so, und das Derby wird sicher ein Highlight“, sagt Jakubec. Er ist sich mit Hornung einig, der erwartet, „dass es die engste Bundesliga wird, die es je gab. Alle haben aufgerüstet, fast alle treten mit vier bis fünf Spielern aus den Top 100 der Weltrangliste an.“

Renzo Olivo, 25-jähriger Italiener mit argentinischen Wurzeln, ist die neue Nummer 1 im blau-weissen Trikot. Er steht aktuell an Nummer 85 der Bestenliste. „Mit ihm haben wir erstmals einen Italiener in einem Team, das zum Großteil aus einer belgisch-niederländischen Kombination besteht. Das passt zusammen, Renzo passt zu uns“, ist Jakubec überzeugt. Die rote Asche ist der Lieblingsbelag des Halbfinalisten von 2016 am Hamburger Rothenbaum, der Anfang 2017 mit Rang 78 seine bisher beste Platzierung erreichte. Mit dem Franzosen Edouard Roger-Vasselin (34) stößt ein erfahrener Spieler als zweiter Neuzugang zur Mannschaft, „der im Doppel sehr stark, aber auch eine Option für die Einzel ist“, sagt Hornung.

Im unteren Bereich der Setzliste ist Blau-Weiss Aachen „stark aufgestellt“, wie Jakubec formuliert. „Mit einem Igor Sijsling an Nummer fünf kannst du Leute ärgern“, schmunzelt er. „Wir sind da unberechenbarer, weil sehr gut besetzt.“

Das sagt der Trainer vor dem Hintergrund, „dass wir im Vergleich zum Vorjahr nun keinen Überraschungsbonus bei unseren Gegnern mehr haben“. Und noch einmal hebt Jakubec „unsere krasse Außenseiterrolle“ hervor: „Sollte uns der Klassenerhalt gelingen, packen wir die Bierdusche aus“, verspricht er und kommt noch einmal auf das Derby zurück: „Als wir letzte Saison dort im Kurgarten gespielt haben, lief alles sehr harmonisch, die Stimmung war klasse. Jetzt sind wir die Gastgeber. Und alles andere als eine Niederlage wäre überraschend.“

Aber Jakubec wäre nicht Jakubec, wenn da nicht doch die Außenseiterchance in Worten formuliert würde. Bitte sehr: „Aber wir versuchen vom ersten Spieltag an, Punkte zu sammeln mit unserem ausgeglichenen Team, der ,blau-weissen Wand‘ unseres Publikums im Rücken, mit unserem Teamgeist, unserer Kontinuität und einer völlig intakten Unterstützung des Vereins.“

Das bestätigen auch die Aussagen von Marc Zander: „Es gibt 2017 nur einen Absteiger, und alles schielt auf uns. Der Klassenerhalt wäre natürlich super, der Abstieg aber ,like Blau-Weiss‘ kein Beinbruch für uns.“ Da stehen andere Klubs unter wesentlich größerem Druck.