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Aachen: Beim ATP-Turnier jede Menge Spitzensport geboten

Aachen : Beim ATP-Turnier jede Menge Spitzensport geboten

Vor dem Einsatz stehen die Englischvokabeln. Thorben Hammer macht Hausaufgaben. Das ist soweit nichts Besonderes für einen Zehnjährigen. Aber er paukt seine Vokabeln in einer Tennishalle, während im Hintergrund das Tocken der Bälle durch den Raum schallt.

Es ist ATP-Tennis-Turnier am Brüsseler Ring, und Thorben Hammer, 10, Schüler der 5b des Kaiser-Karls-Gymnasiums, ist Linienrichter. Das heißt, er düst nach der Schule direkt in die Halle, macht Hausaufgaben und startet sofort durch auf seinen Platz am Netz, wo er die verschlagenen Bälle aufsammelt.

„Zuhause habe ich zwei Brüder, da ist es auch nicht leiser, wenn ich Hausaufgaben mache”, sagt er, und im Hintergrund macht es weiter „tock, tock, tock”.

35 Ballkinder am Start

Thorben ist eines von 35 Ballkindern, die bei den Lambertz Open by Stawag am Brüsseler Ring im Einsatz sind. Englisch und Mathe haben ihm die Lehrer zur Heimarbeit aufgetragen.

„Vor ein paar Tagen hatte ich noch mehr auf”, sagt er. Seit dem Sommer geht es aufs Gymnasium. Das macht die Sache mit dem Tennisturnier schwerer. „In der Grundschule hatte ich weniger auf”, sagt er.

Und es sind nicht nur die Hausaufgaben, die den Einsatz von Ballkindern erschweren. Bereits um 13 Uhr schlagen Matwe Middelkoop und Alexander Flock auf. Da sind in Zeiten der immer weiter vorangetriebenen Ganztagsschule die meisten Kinder noch im Unterricht.

Thorben Hammer hat es jedenfalls geschafft. Es macht ihm mächtig viel Spaß, über den Platz zu sausen, auch wenn ihn schon der Evgeny Korolev getroffen hat - mit dem Ball, im Wortsinne. Doch Thorben hat dem Vorjahressieger verziehen. „Der ist nett und mein Favorit”, sagt er.

Korolev ist auch einer der Stars des Tennisturniers, bei dem bis Sonntag noch viele spannende Matches anstehen. Am Donnerstag ist Lambertz-Kindertag auf der Anlage, das heißt alle Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

Zweite Tribüne ist aufgebaut

Über Nacht wurde eine zweite Tribüne aufgebaut, so dass jetzt 1100 Sitzplätze warten. „Der Zuspruch ist bisher okay, ich hoffe, dass es jetzt jeden Tag ein paar mehr werden”, sagt Turnierdirektor Tilo Busch.

„Ich habe noch nie gehört, dass ein Besucher sich beschwert hat, dass es sich nicht gelohnt habe. Hier gibt es immer gutes Tennis zu sehen”, fügt er hinzu und schaut durch die Halle.

An einem Tisch sitzt Balljunge Thorben und macht weiter seine Hausaufgaben, am Nebentisch trinken Zuschauer ihren Milchkaffee und einen Meter weiter schaut Doppel-Ass Michael Kohlmann auf den Bildschirm seines Laptops.

Eine bemerkenswerte Mischung. Tennisspieler und Zuschauer Seite an Seite, das ist es irgendwie auch, was den Reiz des Aachener Turniers ausmacht.

Dieser serbische Junge...

So gibt es Zuschauer, die sich noch sehr gut an den serbischen Jungen erinnern konnten, der vor ein paar Jahren am Nebentisch in sein Buch schaute. Heutzutage ist Novak Djokovic die Nummer 3 der Weltrangliste, ist einer der großen Favoriten des großes Turniers von Paris.

In Aachen sitzt dafür der 17-jährige Bulgare Grigor Dimitrov zwischen den Tennisfreunden. André Agassi hat vor kurzem gesagt, dieser Dimitrov werde einmal die Nummer 1.

Thorben löst gerade seine letzte Matheaufgabe. Tabellen muss er lesen lernen. Tennis-Ergebnislisten sind keine dabei. Aber die muss er auch nicht lesen lernen.

Mit den Zahlen, die auf der kleinen Anzeigetafel stehen, kennt Thorben sich bestens aus. Der Belgier Ruben Bemelmanns gewinnt 3:6, 6:3 und 7:6 gegen den Schweizer Stephane Bohli, und Thorben war nach den Hausaufgaben als Balljunge hautnah dabei.