Bei der EM von den Besten lernen

Bei der EM von den Besten lernen

Natürlich sind Jill und Julia de Ridder beim Grand Prix Spécial im Hauptstadion gewesen, da, wo die Britin Charlotte Dujardin auf Valegro am Samstag die erste Einzel-Goldmedaille in der Dressur bei der diesjährigen Europameisterschaft geholt hat.

„Das war ganz großer Sport“, sagt Jill, 23, und Julia, 18, ergänzt: „Und spannend bis zum Schluss.“ Einfach ein ganz toller Wettkampf — ja, da sind sich die Schwestern einig. Und was das Dressurreiten angeht, da kennen sich die beiden Aachenerinnen ziemlich gut aus, was auch nicht besonders überraschend ist. Das Dressurreiten begleitet Jill und Julia schon ihr ganzes Leben lang, und diese Formulierung ist in diesem Fall tatsächlich nicht einmal übertrieben.

Erfolge bei den Junioren

Ihre Mutter Alexandra Simons-de Ridder hat bei den Olympischen Spielen 2000 mit der Mannschaft Gold geholt, ihr Vater Ton de Ridder gilt als einer der renommiertesten und erfolgreichsten Trainer der Welt. Und auch die Töchter haben schon große Erfolge gefeiert; Jill ist 2007 Junioren-Europameisterin im Einzel geworden, sie gewann zudem im gleichen Jahr und 2010 noch einmal Gold mit der Mannschaft. Julia hat das ihrer großen Schwester im vergangenen Jahr nachgemacht, bei der Junioren-EM in Arezzo holte sie den Titel mit dem Team, in Einzel und Kür ritt sie jeweils auf einen starken sechsten Platz.

Wer so viel mit Dressurreiten zu tun hat, und wer gleichzeitig so erfolgreich ist, der lässt sich so eine Europameisterschaft vor der eigenen Haustür natürlich nicht entgehen. „Das ist doch klar“, sagt Jill. „Der CHIO ist schon etwas Besonders, und die EM ist eben noch eine Stufe darüber.“ Die besten Reiter des Kontinents in der Soers zu sehen, „das ist schon großartig“, sagt auch Julia.

Dass die beiden so Feuer und Flamme sind, hat wohl auch ein bisschen damit zu tun, dass auch sie vielleicht in ein paar Jahren große Championate reiten können. Das Zeug dazu, das haben sie.

Jill ist schon zwei Mal beim CHIO geritten, vor allem mit ihrem Auftritt im vergangenen Jahr war sie „extrem happy“. 2015 hat sie es ein bisschen ruhiger angehen lassen, sie hat gemeinsam mit ihren Eltern viel Zeit in die Ausbildung ihres neunjährigen Pferdes Whitney gesteckt. „Da sind wir auch noch nicht am Ende angekommen“, sagt sie, „aber Whitney ist auf einem guten Weg, Grand-Prix-Niveau zu erreichen“. Wann das so weit sein wird, das weiß die Dressurreiterin noch nicht, „da haben wir ja keinen Druck“, sagt sie. Aber irgendwann mit der Stute in Aachen zu reiten — ja, das sei schon eines ihrer Ziele.

Julia ist in diesem Jahr in die Klasse der Jungen Reiter aufgestiegen, sie hat direkt wieder den Sprung in den Bundeskader geschafft — und gehört damit zu den zehn besten Jungen Reitern Deutschlands. „Dass der Umstieg so gut geklappt hat, hat mich schon ziemlich glücklich gemacht“, sagt sie. Anfang September stehen die Deutschen Meisterschaften an, Julia will auf ihrem Pferd Comtessa „in der Prüfung ein gutes Gefühl haben“, sagt sie, „keine dummen Fehler machen“, und „vielleicht unter die besten Zehn reiten“.

Und die beiden jungen Aachenerinnen wollen vor allem eines: sich weiterentwickeln. Und auch dafür eignet sich so eine Europameisterschaft in der Heimat ziemlich gut. „Von einer Charlotte Dujardin kann man sich ziemlich viele Dinge abgucken“, sagt Julia über die Europameisterin. Sie sitze so „schön und still“ im Sattel, das sei eine große Motivation und Inspiration.

So richtig mitgefiebert haben die Schwestern aber mit anderen Startern. Natürlich haben sie den deutschen Dressurreiterinnen im Spécial die Daumen gedrückt, dazu auch der Spanierin Beatriz Ferrer-Salat und Marcela Krinke-Susmelj aus der Schweiz, die sind schließlich Schülerinnen ihres Vaters Ton. Und natürlich — heute werden Julia und Jill de Ridder bei der Grand Prix Kür wieder im Hauptstadion sein, da wo heute die zweite Einzel-Goldmedaille in der Dressur vergeben wird.

(luk)