Aachen: Aufregung bei Peter Weinberg vor dem Nationenpreis

Aachen : Aufregung bei Peter Weinberg vor dem Nationenpreis

Den CHIO Aachen kennt er wie kaum ein Zweiter aus verschiedenen Perspektiven — als Springreiter, seit 2006 als Beiratsmitglied des ausrichtenden Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) und seit 2017 auch als Bundestrainer der belgischen Springreiter: Peter Weinberg, 65, und im benachbarten Kohlscheid beheimatet. Vor dem Nationenpreis, in dem sein Team favorisiert ist, sagt Weinberg im Interview mit Helga Raue und Lukas Weinberger aber: „Wir wissen, dass es im Sport schnell anders ausgehen kann.“

Herr Weinberg, wie haben Sie die weite Anreise gemeistert?

Peter Weinberg: Die fünf Kilometer von Kohlscheid bis in die Soers habe ich ganz easy mit dem Fahrrand bewältigt. (lacht) Nein, so sportlich bin ich dann doch nicht mehr.

Sie kennen den CHIO aus diversen Blickwinkeln. Ist Ihr Gefühl hier jetzt ein anderes als früher?

Weinberg: Als Reiter bin ich mehr als 20 Mal selbst hier gestartet, war mehrfach im Großen Preis platziert und habe Springen gewonnen. Es ist anders, weil ich als Bundestrainer sportlich jetzt wieder nah dran bin, das ist ein anderes Gefühl, als wenn ich „nur“ als Mitglied des ALRV-Beirats hier im Einsatz bin.

Alle reden von den Belgiern, wenn es um die Favoriten für den Nationenpreis und die WM in Tryon geht. Erhöht das den Druck?

Weinberg: Meine Reiter und ich haben ein dickes Fell. Wir wissen, dass es im Sport schnell anders ausgehen kann. Oft sind die ersten vier, fünf Teams nur ein, zwei Abwürfe ausein-ander. Da passiert es schnell, dass man als Favorit nicht vorne landet.

Die Belgier können ja durchaus ein Lied davon singen, dass man die erhoffte Medaille verpasst...

Weinberg: Ja, zum Beispiel bei der EM 2017 lief es sehr gut mit vier Nullrunden in der ersten Rundes des Nationenpreises, nach der zweiten sind wir „nur“ Vierter geworden. Das ist ein sehr guter Platz, aber eben keine Medaille. Aber dafür waren vier Reiter fürs Einzelfinale qualifiziert.

Wer wird im Nationenpreis in Ihrer Mannschaft reiten?

Weinberg: Daraus mache ich gar kein Geheimnis, weil ich der Meinung bin, die Reiter müssen das früh genug wissen, um entsprechend zu planen und die Pferde darauf vorzubereiten. Es starten Gregory Wathelet, Nicola Philippaerts, Yves Vander-hasselt und Pieter Devos.

Mit Niels Bruynseels fehlt der Sieger der Dutch Masters in s‘Hertogenbosch ebenso wie Jos Verlooy?

Weinberg: Niels bereitet Gancia de Muce vor allem auf den Großen Preis vor. Er hat seinen persönlichen Rolex-Grand-Slam mit dem Sieg in s‘Hertgenbosch gestartet und könnte in Aachen weiter punkten. Daher sollte Gancia nicht vorher zwei Runden Nationenpreis gehen. Jos, der in Rotterdam im Nationenpreis zwei Mal fehlerfrei war und den Großen Preis gewonnen hat, wird in Hickstead reiten. Das ist unser letztes Turnier, um in der Nationenpreis-League zu punkten.

Wobei der Klassenerhalt doch schon längst in trockenen Tüchern ist . . .

Weinberg: (lacht) Ja, seit dem Sieg in Rotterdam führen wir sogar mit weitem Abstand die Wertung an.

Top in Form oder mit Blick auf Tryon hoffentlich nicht zu früh in Form? Was denken Sie?

Weinberg: Ich sehe das sehr relaxt und die Reiter auch. Bei jedem Turnier fängt jeder immer wieder bei Null an. Auch die deutschen Springreiter sind schon als Top-Favoriten angereist und haben dann doch nicht gewonnen (zwinkert). Das ist in unserem Sport so, und das macht ihn so interessant. Es sind ja noch einige Wochen Zeit bis Tryon, wir werden versuchen, die Pferde in Form zu halten.

Wie sah Ihre CHIO-Planung aus?

Weinberg: Wir haben es zum Auftakt am Dienstag ruhig angehen lassen, haben die Pferde im ersten Springen vorbereitet. Am Mittwoch sind die Nationenpreis-Pferde morgens in der kleinen Tour gestartet.

Und nun mal ganz ehrlich: Ist es einfacher selbst zu reiten oder als Trainer am Rand zu stehen?

Weinberg: Als Reiter war ich eher ruhig, als Trainer bin ich aufgeregt. Ganz schlimm war es, als mein Sohn Thomas hier geritten ist (lacht). Aber als Bundestrainer steht man schon ziemlich unter Druck. Wenn der Reiter im Parcours ist, kann man ja nicht mehr eingreifen, sondern nur noch auf gute Ergebnisse hoffen.

Worauf hoffen Sie im Nationenpreis? Platz eins, zwei oder drei? Im Vorjahr wurden Sie Vierter.

Weinberg: (grinst) Wenn wir hinter der deutschen Mannschaft Zweiter werden, wäre das schön. Ich freue mich immer, wenn mein deutscher Kollege Otto Becker gewinnt. Wenn wir gewinnen würden, wäre das noch schöner. Von den acht Teams, die am Donnerstag starten, können sechs gewinnen.

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